Von oben betrachtet

Von oben betrachtet

Von oben betrachtet präsentiert sich ein wirres Spiegelmosaik –
doch gehört hier vieles näher gerückt in den Augenblick.
Blendet man in Gedanken alle blinkenden Flächen weg,
dann wäre diese Landschaft – wie früher- ein schöner Fleck.
Ich schwebe gerade hoch über Siziliens Südküste,
was mich schon allein innerlich aufregen müsste.
Doch, was sich mir unten am Boden vielhundertfach zeigt,
führt dazu, dass mein Blutdruck noch höher steigt.
Was da unter dem Glasdächerverbund gerade heranreift,
sind Tomaten vielleicht oder Erdbeeren, die morgen so mancher greift,
wenn er seinen Einkaufwagen mit allerlei Essbaren füllt –
jedes einzelne Stück davon oft mit Plastik ganz umhüllt. Weiterlesen

Ins Gras beißen…

Ins Gras beißen…

Bald werden die Rinder wieder eingestallt.
Ihr letztes Muh Ende Oktober verhallt.
Dann muss ich bis zum nächsten April hin warten,
bis ich sie wieder grasend sehe neben meinem Garten.
Für mich ist dieser Anblick noch landwirtschaftliche Idylle
Die Weide ist zwar vor dem Auftrieb gedüngt hier mit Gülle.
Wenn die Tiere ins Gras beißen, schaue ich ihnen gerne zu.
In das Vogelgezwitscher ertönt manches Muh.

Doch so ist die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt.
Was jeder Kuh lebenslang an Milch abgesaugt wird, quält.
Die Milch von vier Kühen vor gut hundert Jahren
erzeugt heute nur eine – hab ich neulich erfahren.
Jede Kuh ist Hochleistungsmilchproduktionsstätte
Ein Wirtschaftsfaktor in unserer Nahrungskette. Weiterlesen

Der Mais ist weg!

Der Mais ist weg!

Der Mais ist weg.
Er erfüllt bald seinen Zweck.
Wird von Rindviechern verdaut –
dann erneut angebaut
für möglichst hohen Biomassengewinn.
So macht Landwirtschaft wohl Sinn.
Mais ist ein erwünschter Migrant –
seine Wertschätzung längst anerkannt.
Er verwandelt Gülle in Kolben voller Korn
Höchsterträge sind unersättlicher Ansporn.
Auf dem Feld herrscht er für sich allein.
Andere Pflanzen sollten hier nicht sein.
Dafür sorgt ganz sicher Glyphosat –
ein erfolgreiches Herbizid in der Tat.
Der Boden ist lange schon artenentleert.
Milben wie Springschwänze entbehrt
die Ackererde ist wurm- und assellos
nur Bakterien, die gibt es hier bloß.
Der Humusgehalt wurde stark reduziert,
so dass die Wasserspeicherung enorm hier verliert.
Wenn dann Dürrezeiten nicht weichen,
gibt es bald schon pflanzliche Leichen.
Sollen wir den massenhaften zu frühen Maistod betrauern?
Sollen wir landwirtschaftliche Dummheit bedauern?
Mit Steuergeldern werden Betriebe erhalten,
die anschließend kaum einen Hebel umschalten.
So tot war schon lange kein Maisacker mehr.
Das macht mir so nicht das Leben schwer.
Viel schlimmer ist, dass wir keinen Weg dahin finden,
wie wir wieder Natur in unsere Böden einbinden.
Zwei Riesenhalme hat der Maissilierer vergessen.
Auch wenn die Pflanzen drei Meter fast messen,
sind sie für mich wie ein mahnendes Denkmal:
Haben wir für die Zukunft noch eine bessere Wahl?

Artenerosion

Artenerosion

Die Welt gewinnt täglich an Menschen mehr
verliert aber an Arten dafür um so sehr.
Wenn homo sapiens Milliardenmarken knackt,
die Biodiversität an Arten tief ins Minus sackt.
Zahlt Menschheitswachstum mit neuen Rekorden
mit einem Lebendigkeitsverlust durch Artenermorden?
Ich gebe meinen Enkeln eine Welt in die Hand,
aus der während meiner Zeit so viel Leben verschwand.
Neulich fand ich auf dem Trödel ein schönes Objekt,
in dem ein Stück Trauer der Weltmeere steckt.
Ein Korallenskelett hübsch gewachsen einmal.
Darin lebten einst Polypen in fast unglaublicher Zahl.
Vielleicht wurde das Stück schon tot aus dem Riff gerissen –
doch auch diese Tat beruhigt kaum mein Gewissen.
Diese Korallen wurden fürs Aquarium gehandelt.
So wurde ein Fischgefängnis mit Zauber verwandelt.
Heute sterben oder siechen Korallenriffe dahin –
eine Rettung utopisch, macht scheinbar keinen Sinn.
An toten Korallen werden wir reichlich bald erben.
Dafür musste atemberaubende Vielfalt einfach nur sterben.
Gestern war in den Medien erneut darüber zu lesen,
die Zeit der Insekten ist für die meisten wohl gewesen.
Dreiviertel Sechsbeiner fehlen an gut untersuchten Orten.
Mir fehlt fast die Sprache mit geeigneten Worten. Weiterlesen

Freie Scholle

Freie Scholle

Meine Scholle
ist nicht so platt wie eine Flunder.
Meine Scholle
ist erst recht kein Weltenwunder.
Meine Scholle
ist nur ein Straßenschild-
meine Scholle
erscheint im Blog mit Bild.
Ansonsten ist gemein die Scholle –
nicht die mit Schuppen, Schwimmerrolle –
ein Klumpen fester Erde,
– früher pflügten noch Pferde –
der auf dem Acker oben lag
nach einem arbeitsreichen Tag.
Bald nannte man auch alles Land,
das wirtschaftlich in Bauershand,
Scholle ganz so wie Eigentum.
Doch wie geht man mit der Scholle um: Weiterlesen

…gelb die Stoppelfelder

… gelb die Stoppelfelder

In meinen Erinnerungen
ist es mir nicht gelungen,
über ein Stoppelfeld zu gehen,
ohne Ferienkinder zu sehen.
Ende Juni war es an vielen Stellen so weit.
Die frühreife Gerste zeigte sich erntebereit.
Die Halme leuchteten in blondem Gold
Der Mähdrescher sich nur die Körner holt.
Dann wird das Stroh zu Ballen gepresst
Nur wenig später ein Hänger verlässt
ein frei geräumtes wieder offenes Feld.
Dem Taubenschwarm dies so richtig gefällt.
Ein paar Körner verstreut als Dreschverlust
die nehmen sich die Vögel rasch zur Brust.
Zu Beginn des Sommers streicht ein Herbstgefühl
durch endlose Reihen von Stiel zu Stiel.
Der Mähbalken traf nur auf eine Art,
so dass man mit Wehmut und Trauer spart.
Getreide lebt auch sonst nur ein Jahr.
Das Korn ist die Zukunft –
wie es immer schon war.

Seh ich ein Stoppelfeld, denke ich an die Zeit,
die ich als Kind verlebte in Heiterkeit.
Bevor der Acker gepflügt, gehörte das Feld den Kindern.
Die wollte auch keiner an den Freuden hindern,
einen Drachen in die Lüfte steigen zu lassen.
Junge Hände durften die Wickel fest fassen.
Zog der Drachen die Schnur ordentlich stramm,
gab man ihm mehr Meter, bis am Ende dann
der Papiervogel kaum noch zu erkennen war. Weiterlesen

Wintergerstenährenmeer

Wintergerstenährenmeer

In der warmen Juniluft
wiegen sich die Gerstenähren.
Ihre Blüten ohne viel Duft
nur der Wind hilft beim Vermehren.
Pollenwolken bringen morgen
all den Blüten später Korn.
Reiche Ernte nimmt die Sorgen
wenig Scheffel bringt oft Zorn.
Auf dem Feld reift nur noch Gerste
Kornblume, Mohn sind ackerfern.
Für den Landwirt gilt das Erste
Unkräuter früh abzuwehrn.
Drei Hektar: nur eine Pflanze
Auch der Tierwelt geht es schlecht.
Schnecke, Wurm, Käfer und Wanze
verlieren hier ihr Lebensrecht. Weiterlesen