Herbstschatten

Herbstschatten

Oktobersonnenstrahlen –
ein letztes Mal Sandalen –
goldgelbe Quitten brechen –
Wespen längst nicht mehr stechen.
Späte Libellen tanzen.
Sie haben kaum noch Chancen
für einen Hochzeitsflug.
Natur lebt auf Entzug.
Herbstblutige Blätter fallen
in kürzeren Intervallen.
Sie decken Boden zu.
Auch der kommt nun zur Ruh.

Wolkenbäuche schieben
den Regen, den sie lieben,
von Westen in den Osten
Plusterige Amseln kosten
Fallobst, das Esser braucht,
damit die Zukunft taugt. Weiterlesen

Im Spiegel

Im Spiegel

Der Weidenstumpf schräg abgesägt
bietet mir etwas Platz.
Die Sorgen hab ich abgelegt.
Ich pfeife wie ein Spatz.
Das Wasser spiegelt mein Gesicht
zerfließt in kleinste Wellen.
Wo eins der Mückenbeine sticht,
beginnt mein Bild zu quellen.
Gedanken sinken auf den Grund.
suchen dort alte Träume.
Erinnerung malt sie spät bunt.
Es rauschen Kindheitsbäume.
Die Sonne strahlt ihr hellstes Licht,
bis Wasser schleudert Feuer.
Der Augenblick im Nu zerbricht.
Dafür erscheint ein neuer. Weiterlesen

Nebulöses

Nebulöses

Von Erlenhänden eingefasst
hält sich versteckt der kleine Weiher.
Als leichteste von aller Last
schwebt über ihm ein Nebelschleier –
weich über schwarze Spiegelhaut.
Wo feuchte Dünste flauschig küssen,
solange bis es Wasser taut,
wo Spinnenfäden lange wissen,
wie Tröpfchen hängen perlgesäumt,
da kann Natur verweilen.
Im fahlen Morgenschwaden klebt
manch nachtgekühlter Wassergruß.
Verschlafener Binsen wirkt verträumt.
Beträufelt schwimmt die Wassernuss. Weiterlesen

Hirschzungenvermehrung

Hirschzungenvermehrung

Unter vielen großen Bäumen,
die das Wachstum sichtlich zäumen,
liegt ein Schattenreich der Pflanzen.
Viele Farne haben Chancen
ihre Blätter zu entfalten
und die Schicht hier zu gestalten.
Mancher Farn wird fast zur Plage.
Denn sein Dickichtwuchsgehabe
macht den Wald zum Sperrgebiet.
Kaum einer noch Wege zieht.
Blüten kennen Farne nicht.
Ihr Geheimnis kommt ans Licht,
wenn wir ihre Blätter drehen
und auf braune Massen sehen. Weiterlesen

Nach dem Sonnenuntergang

Nach dem Sonnenuntergang

Der Feuerrand der Sonnenscheibe
sucht sinkend eine neue Bleibe.
Am Horizont schwindet viel Glut
Äther verliert minütlich Blut.
Solch Untergang wirkt wie ein Ende –
als gäbe es nunmehr die Wende.
Der Tag verliert sein Sonnenlicht.
Zum Dunklen letztes Rot zerbricht.
Am Himmel treiben Wolkenketten
als ob sie keine Heimat hätten.
Gemächlich ist heut ihre Flucht.
Doch jede wohl das Weite sucht.
Zur Ruhe kommt hier diese Welt,
nur Mondenlicht bescheiden fällt
auf schlafend Feld und schwarzen Wald,
wo nur der Eulenruf mal hallt. Weiterlesen

Advent, Advent… der Himmel brennt

p1170612Advent, Advent..
der Himmel brennt

Für zehn Minuten brannte das Himmelszelt.
Feuriges loderte in der Wolkenwelt.
Der Tag war wettermäßig
weder schön noch etwa hässlich.
Zum Abend lugte noch die Sonne hervor
Das Wolkenbett riss so manches Tor.
In der Dämmerung waren Schäfchenherden
locker am Horizont über den Erden.
Die Dezembersonnenglut
tat den Wölkchen richtig gut.
Im Nu standen sie hell in Flammen
Sie rückten enger noch zusammen,
dass nur wenig Feuer die Spalten verließ.
Im Adventlied ja es immer schon hieß:
Erst ein, dann zwei, dann drei, dann vier
dann steht ein Kindlein vor der Tür. Weiterlesen

Fluorit

p1150968Fluorit

Das Nachmittagsoktoberlicht
sich flach im Fluorite bricht.
Die späte Sonne illuminiert,
dass Kristallines toll brilliert.
Wie schön war dieser Tag doch heut:
der Himmel blau, dass es uns freut.
Letzte Libellen schießen wild.
Sie stören fast vom Herbst das Bild.
Ich ließ die Wärme auf mich strahlen,
die keine Rötung mir mehr malen.
Marienkäfer sonnten sich
in Massen noch im warmen Licht. Weiterlesen

Herbstnebel

februar-2010-116Herbstnebel

Gestern noch schwangen sich
Mosaikjungfern ganz ausgelassen
über den Gartenteich hin und her.
Nichts war ihnen zu schwer.
Aber die Nachtsterne ließen viel Kälte sinken.
Im Morgenhauch will der Nebel schminken.
Auf dem leeren Wiesental schmiegt sich
ein schwebendes Tuch.
Von der Feldeiche vergeblich ich such
ihr knorriges Kronengeäst
Der Dunstschleier hält es noch fest.
Wie verwunschen ist heut diese Welt.
So trübe das Licht kaum erhellt.
Am Spinnfaden hängen Tropfenreihen,
die ihren Fall fast beschreien. Weiterlesen

Motten im Licht

p1150572Motten im Licht

Natürlich
sind die Nächte dunkel.
Lediglich fernes Sternengefunkel
leuchtet mikroskopisch klein
in die schlafende Welt hinein.
Doch dieser Erdball kennt die Menschenflut.
Das tut der Dunkelheit nicht gut.
Die Erfinderischen wollen die Nachtschwärze nicht.
Sie suchen ständig nach neuem Licht.
Früher hatten viele Tiere
nach dem Sonnenuntergang Frieden.
Sie haben nächtliche Bewegungen ruhig vermieden.
Heute leuchtet es nicht nur in den Städten lichterhell.
Für Motten, alle Nachtfalter ist das falscher Appell,
solche Lichtquellen aufzusuchen
jenseits von schlafenden Buchen.
Um die künstlichen Lampen tanzen
viele Mücken, Falter – keine Wanzen. Weiterlesen

Bergkristallin

P1140133Bergkristallin

Als wär es allerreinstes Eis
so überhell und strahlend klar
doch scheint die Sonne noch so heiß
bleibt dies Gebilde hart und starr.
Kristalle blenden all das Licht,
treten sie bergtief erst zu Tage.
Ein Glanz, der sich auf Seiten bricht,
stellt alle Schönheit außer Frage.
Bergkristalle kennen keine Farben:
Das pure Sein in lichter Form.
Sie wirken fast wie Göttergaben
Naturgesetze sind die Norm.
Manch Bergkristall wächst unermesslich.
Zwei Meter sind längst noch kein Ziel.
Auch der bleibt klar, erscheint höchst blässlich –
kleine Kristalle, die gibt es viel. Weiterlesen