Klein aber fein

27-koecherfliegenlarveKlein aber fein

Ein ziemlich zartes Larventier
wohnt gern an dunkler Stelle.
Triefnasses Laub, das zeigt auch dir
den Geburtsort: eine Quelle.
Aus einem Köcherfliegenei
schlüpft hier am kühlen Ort
ein Winzling in dem Blätterbrei,
will köchern ab sofort.
Die allerfeinste Seide nur,
das Lärvchen spinnt sie bald
zu einem dünnsten Kleide pur.
Im Wasser ist`s so kalt.
Doch schützt dies Traumgewande
den weichen Körper kaum.
Verklebt werden nun Sande
am Seidenmantelsaum. Weiterlesen

Ein Bach

Werther QuelleEin Bach

Ein Bach
wird aus der Tiefe wach.
Aus irdenem Schoß
Wasser abfloss –
die offene Stelle
eine Quelle.
Kalt und klar
seit 10 000 Jahr
rinnt ein magerer Strahl
stetig ins Tal.
Aus der Unterwelt
da hält
sich kaum ein Tier
im ersten Lichte hier.
Wer hier lebt
am Moos oder Steine klebt,
ist mit Wenigem zufrieden.
Kieselalgen werden abgerieben.
Ein morsches Blatt wird verdaut,
Totholz zerkaut.
Die Lebensraumstube
ist oft eine kühle Wassergrube
ausgewaschen aus dem Stein
aber ungemein rein. Weiterlesen

Der Freund des süßen Wassers

Wasserfreund, LimnephilusDer Freund des süßen Wassers
(Limnephilus)

Er ist der Freund vom süßen Wasser
Stammt aus der Zunft der Köcherfliegen
So beschrieb ihn einst der Artverfasser
Genauso trefflich wie gediegen.
Geschlüpft gleicht er den Schmetterlingen
Eher mottengleich mit braunem Kleid.
Doch Haare auf den Flügelschwingen
Bringen schnell Unterscheidbarkeit.
Nur ein paar Wochen währt das Leben
Des Vollinsekts im Ufersaum.
Wenn Eier unter Wasser kleben,
endet schon früh der Hochzeitstraum.

Die Larven brauchen frisches Wasser
Sind darin echte Tausendsassa.
Sie bauen gleich ein eignes Haus
Und schauen oben gern heraus.
Zum Bauen nehmen sie gern Blätter,
Machen aus Totholz alte Bretter.
Auch leere Schalen von den Schnecken
Können in Köchern kunstvoll stecken. Weiterlesen

Bachkonzert

BergbachBachkonzert

Dort, wo es aus der Tiefe quillt,
Ein blinder Flohkrebs Hunger stillt.
Die Höhlenassel körperzart
An Sauberkeit so gar nicht spart.
Von dem Besuch im Tageslicht
Sie sich nicht allzu viel verspricht.
Doch trifft sie an dem Quellenort
Den Strudelwurm grad bei dem Mord.
Der hat just seinen großen Schlund –
Einzig allein aus Hungers Grund –
Über den Flohkrebs aufgerissen.
Das ist ein guter Frühstücksbissen.
Die Quellenschnecke kriecht bedächtig
raspelt die scharfe Zunge mächtig. Weiterlesen

Besuch beim Bach

Sandrippel

Besuch beim Bach

Hinter unserem Garten fließt,
wo Landschaft
noch etwas Freiheit genießt,
ein kleiner Alltagsbach
mit Wasserströmen daumenflach.
Das linke Ufer streckt sich
hoch hinauf zur Bahn
Am rechten malmt
zu Sommerzeiten Rinderzahn.
Das Bächlein rinnt
in gerade Form gestreckt
Es wirkt von braunem Schlamme
leicht verdreckt.
Vor Jahren fand ich
ein paar Muscheln dort –
Es war leider der letzte Ort,
für diese sehr bedrohte Art. Weiterlesen

Frei fließende Bäche – tierisch gut!

Frei fließende Bäche – tierisch gut!

Ist unser Bach recht krumm und wild,
Erzählt er gern sein Lebensbild:

Von kleinen zarten Glockentieren
Sehn wir die Härchen ondulieren.
Wo weiche Schwämme samtig sitzen,
erkennt man fiese Nadelspitzen.
Moostierchen mit Tentakelkränzen
Durch elegante Schönheit glänzen.
In ruhigeren, trüben Ecken
Schlammschnecken allzu gerne stecken.
Ist frisch das Wasser vom Grunde kalt,
Da findet man Quellschnecken bald.
Im Sediment und feinem Grus
Gräbt sich manch Erbsenmuschelfuß .
Flussmuscheln werden ziemlich selten –
Verändert sind die Wohnungswelten.
Wenn Strudelwürmer auch mal schielen,
Ihre Blicke nur auf Beute zielen.
Ein Schneckenegel saugt sich fest,
bis dass die Beute Blut ihm lässt.
Bachflohkrebse selten jammern,
solang sie an dem Weibe klammern.
An einer sonnigen Uferstelle
Tanzt die Gebänderte Prachtlibelle.
Ist die Zuckmücke gar eine rote,
Dann ist von Fäulnis sie der Bote.
Wer Rattenschwanzlarven im Wasser sichtet,
der weiß, hier ist wohl viel vernichtet.
Kleine Steinfliegen nagen am Detritus –
Für die großen ist das wohl kein Genuss.
Wenn die Perla im Bach richtig Hunger hat,
dann macht frisches Fleisch sie friedlich und satt.
Eintagsfliegen sind zarte Geschöpfe
Im Bergbach haben sie flache Köpfe.
Was Köcherfliegen in Häusern verbauen,
kann jeder im Bach sich täglich anschauen.

Wer kann das Ergebnis am Ende noch toppen?
Ein Eisvogel fliegend –
den Schnabel voll mit Groppen.

Im Bach

Im Bache

Es war einmal eine Schlammschnecke,
die schleimte sich an einer Ecke.
Doch plötzlich ging ihr Kleber aus,
Da blieb sie lieber tief im Haus.

Der Schneckenegel dieser Wicht,
Der beißt beim Fressen einfach nicht.
Wo anderswer recht lange kaut,
da hat der Wurm sich voll gesaugt.

Wenn ich die Köcherfliege störe,
zieht sie zurück sich in die Röhre.
Wird dunkel es am klaren Bach,
dann wird der kleine Maurer wach.

Der Bachflohkrebs hält schon sein Tagen
Die Auserwählte fest am Kragen.
Denn wird die Freundin endlich weich,
dann heiraten sie auch sogleich.

Die Muschel hockt versteckt im Schlamm
Und säubert dort den Kiemenkamm.
Den Grabefuß streckt sich heraus –
Zieht dann herbei ihr Schalenhaus.

Die Eintagsfliege sucht den Stein
Dort schabt sie Algen nicht allein.
Sie lebt mit vielen Freunden dort
Am kühl durchströmten Lieblingsort.

Unter einer großen Platte
Sitzt die Groppe, ja die hatte
Ich doch beinah noch vergessen.
Sie ist grad beim Abendessen.

Kaut gerade etwas Fisch
Stichling kam heut auf den Tisch.
Damit ihr Magen sich ganz füllt,
sie nach kleinen Krebschen schielt.