Tintenfischtragödien

Tintenfischtragödien

Auf Mittelmeerinseln Fischmärkte locken:
Frutti di mare so weit das Auge reicht.
Manche Tierschicksale jedoch Seelen schocken,
noch bevor der Tod ihre Augen bleicht.
Nachtgefangener Fisch frisch gegrillt serviert –
davon träumt manch Reisender – er verliert
sich dabei ganz in seinen besonderen Genuss.
Die tausende Fischleichen machen kaum Verdruss.
Dass Fischer nachhaltig Fischerei betreiben,
das will niemand ihnen an ihrer Stelle verneiden.
Viele Besucher des Marktes erleben Artenvielfalten,
die sie zuvor wohl für unmöglich haben gehalten.
Mancher Fang erzeugt auch Ekelreaktionen,
die die Gefühlsetagen wenig schonen. Weiterlesen

Eigenheim aus Pappmache

Eigenheim aus Pappmache

Viele Wespenarten wie Hornissen
alle bestens Bescheid wissen,
wie sie ein Nest bauen aus grauem Holz
Ein Eigenheim ist bald ihr Stolz.
Vom Weidenpfahl, vom alten Brett
da nagen sie von früh bis spät
das alte blasse Holzgewebe.
Vom Speichel gibt’s dazu die Klebe.
Sie kauen alles zu feinem Brei.
Der Nestbau startet Anfang Mai.
Die Paste trocknet zu dünnem Papier.
Ein Wabenbauwerk entsteht bald hier.
Aus Pappmache wachsen die Wände.
Mundwerkzeuge sind die Hände,
die diese Masse dann aufschichten,
und dabei farbig uns berichten,
welches Holz die Wespe gerade wählte. Weiterlesen

Fast nichts im Wege

Fast nichts im Wege

Raues Gestein in allen Größen
liegt auf dem Weg mir tief zu Füßen.
Jeder Schritt der knackt und kracht,
weil meine Sohle Druck hier macht.
Wie anders fühlt der Weg im Wald,
wo gar nichts – nur ein Ast mal knallt,
wenn ich auf ihn den Fuß schwer setze
und sein Skelett brüchig verletze.
Sonst kann aus Moos und Blätterschichten
ein weiches Bett sich hier einrichten.
Doch schnell zurück zum harten Pfad,
der immerzu nichts Zartes hat.
Daneben ist die Pflanzenwelt
Nur sehr bescheiden aufgestellt.
Flaches Gesträuch im Felsenmeer
duckt lückenhaft, ist dornenschwer. Weiterlesen

Papilio

Papilio

Die Leichtigkeit des frohen Seins
liegt hier weit außerhalb des Weins.
In frühlingshaften, lauen Lüften
aromenhaft gewürzt mit Düften
will er aus tausend Blütenmündern,
den süßen Nektar saugend plündern.
Er tanzt im Wind, gaukelt ins Freie
zieht flatternd Kreise immer neue.
Er schaukelt trunken hin und her
dann segelt er schwerelos gen Meer.
Doch bald schon kehrt er gern zurück.
Denn nur an Land findet er sein Glück.
Ob Fenchel, Dill oder die wilde Möhre
die aufgerollte lange Röhre
ist schnell gestreckt zum Blütengrund
schleckt süßen Saft tief in den Mund. Weiterlesen

Farbengewitter

Farbengewitter

Es war einfach nur braches Land,
wo ich ein Farbenmeer jüngst fand.
Dies Blütenfeuer sah ich erst spät,
weil Strauchwerk schirmend davor steht.
So war der Anblick wie ein Knall
ein Farbengewitter überall.
Klatschmohn, Wucherblume, süßer Klee
nur lauter Blüten, wohin ich seh.
Ein kleines Stückchen von dieser Erde
in paradiesischer Gebärde.
Lässt man Natur nur einfach walten,
kann sich von selbst so was entfalten,
wo ich ein Wort wie wunderbar
gern nehmen möchte hier fürwahr.
Leider ist dieser Blütenwiesenfleck
unendlich weit von zu Hause weg. Weiterlesen

Der gefleckte Walzenskink

Der gefleckte Walzenskink

Den Frühling auf einer fernen Insel erleben,
das kann soviel Neues am Wegrande geben.
Die letzten Tage war mein Blick zum Boden gerichtet.
Überall wurde von mir ganz Unbekanntes gesichtet.
Kaum eine Pflanze konnte ich sofort benennen.
Woher sollte ich sie auch nur kennen?
Erstmals lief ich heute und hier ja umher.
Jede Art von Diagnose fiel mir schwer.
Die ausgetauschte Pflanzenwelt war die eine Seite.
Auch die Analyse der Tierfauna führte zur Pleite.
Dort war ich zwar näher an der Identifikation dran.
Aber Genaueres über die Arten verschob ich auf irgendwann. Weiterlesen

Ende einer Zitrone

Ende einer Zitrone

Was da heute vor mir liegt
wenige Gramm gerade noch wiegt,
ist ein Zitronenkadaverrest,
der so nicht mehr vermuten lässt,
dass diese Frucht fast vor einem Jahr
ein Inbegriff von Frische war.
Neben Malta ist Gozo gelegen.
Eines Verwandtschaftsbesuches wegen
verweilte ich auf diesem Inselort,
war ein paar Tage gerne dort.
Gozo war damals ziemlich grün.
Nach Herbstregen begann es zu blühn.
Zitrusfrüchte leuchteten weit
waren zum Ernten reif bereit. Weiterlesen