Vor dem Erblühen

Vor dem Erblühen

Manchmal dauert es schon Tage,
manchmal doch nur Stunden
dann haben Blüten ihr Gesicht gefunden.
Wenn grüne Knospenhüllen brechen,
öffnet sich Münder fast zum Sprechen.
Verborgenes kommt zögerlich ans Licht
Mein Auge in die Tiefe sticht.
Das Blütenkleid ist noch gefaltet.
Mein Blick sich in die Teile spaltet,
die diese Blume mir grad gewährt.
Der Rest bleibt züchtig noch versperrt.
Geheimnisvoll und doch schon offen
lässt die Kuhschelle vieles hoffen. Weiterlesen

Vom letzten Jahr

Vom letzten Jahr

Wie spannend zeigt sich Frühlingszeit.
Knospen sind täglich platzbereit.
Blüten beherrschen nun das Bild
von schlehenweiß bis tulpenwild.
Das Gras, das ewig stumpf erschien,
ist binnen Tage jugendgrün.
Nicht alles, was das Aug erspäht,
erscheint in frischer Qualität.
Der Frühjahrsputz quer durch den Garten
darf jetzt wohl länger nicht mehr warten.
Vom letzten Jahr blieb so viel liegen
Verstreute Blätterreste wiegen
windtrocken meist wenig nur an Gewicht.
Doch wenn die Märzwolke aufbricht,
dann wird die Laubschicht tonnenschwer
und klebt am Rechen fest wie Teer. Weiterlesen

Frühlingsblau

Frühlingsblau

Wenn ich jetzt in den Garten schau,
färbt früher Lenz manch Blüten blau.
Eine Irisgruppe liebt das Azur
Gelbe Zungen stören wenig nur.
Vom Leberblümchen ist das Blau milder,
doch zaubert es sehr schöne Bilder.
Buschwindröschen im hellhimmelblau
zeigen sich vornehm am Waldrand zur Schau.
Wo jetzt Traubenhyazinthen blühen,
kann man ein Meer an Blauheit finden.
Ein Blau, das oft Violett schon grüßt,
zeigen die Veilchen – ihr Duft versüßt
die Frühlingsluft. Weiterlesen

Frühlingsanfang

Frühlingsanfang

Heute am zwanzigsten des März
ist Frühlingsanfang und kein Scherz.
Ich mach die Tür zum Garten offen
und will auf gute Laune hoffen.
Narzissen sind zart weiß bereift
Krokusse starr, weil Frost sie kneift,
dass sie die Blüten geschlossen halten.
Sie wollen sich heut kaum entfalten.
Das Gras knirscht hart vom feinen Eis –
die Vogelstimmen fern und leis.
Am Gartenteich spiegelt sich Licht,
das sich im Eis ganz zackig bricht.
Frostgebilde hat die kalte Nacht
der Wasserstelle beigebracht. Weiterlesen

Taubengrau vor himmelblau

Taubengrau vor himmelblau

Im Gingkobaum noch blätterlos
landet ein Taubentier.
Sofort ist mein Interesse groß.
Was will der Vogel hier?
Er sucht sich einen Ruheplatz
will seine Federn putzen.
Die Pflege fern von jeder Katz
soll ganz dem Äußren nutzen.
Der Schnabel zupft in einem fort
gräbt tief im Federnkleid.
Das ganze gleicht fast frühem Sport –
oder doch Eitelkeit?
Bald brütet sie im krummen Baum.
Der Taubenvater gurrt Weiterlesen

Abfallfinderlohn

P1140016Abfallfinderlohn

So mancher Gärtner ist zufrieden,
wenn Ordnung seinem Reich beschieden.
Jeder Wildwuchs der wird scharf bekämpft,
was Unkrautleben ständig dämpft.
Ist Blühendes dann welk und trist,
dann landet ist bald auf dem Mist.
Manchmal geht diese Gartenpflege
höchst zweifelhafte Entsorgungswege.
Der Gartenmüll wird schon seit Jahren
schubkarrenweise weggefahren.
Nicht weit vom sauberen Gartenglück
liegt von der Wildnis noch ein Stück.
Ein krummer Weg der führt zur Brache.
Manch Erdenstück wird hier zur Arche.
Ein abgestoßener Pflanzenleib
bekommt im Massengrab den Hype.
Ich staune, was hier so alles wächst.
Der Ort wird positiv verhext.
Heut morgen sah ich im Heckensaum
ein Narzissenglöckchen fröhlich schaun.
Im braunvergilbten Blätterfell
leuchtete Frühlingsfreude hell. Weiterlesen

Frühlingsverzögerung

P1130987Frühlingsverzögerung

Wind Nordost mit Stärke drei
nur wenig Wärme ist dabei.
Wenn Nacht am Himmel Wolken spart,
beißt Eiseskälte winterhart.
Die ganze Frühlingsblumenpracht
hat sich in Stellung längst gebracht.
Zehn Wochen blühen Schneeglöckchen
Rekordverdächtig, nicht mehr schön.
Der Krokusmund regenübergossen
bleibt all die Tage meist verschlossen.
Die ersten Veilchen sah ich blühen.
Sie werden sich vergeblich mühen,
um Hummel, Biene, ein Insekt,
das tief im Inneren Honig schleckt –
das Pollen trägt ganz zum Bestäuben.
davon mag jede Pflanze träumen.
Als wär Lebendigkeit gebremst –
auch wenn du dich aufs Schönste kämmst,
der Auserwählte kommt heut nicht.
Die Abendkälte Trennung spricht. Weiterlesen

Hummelmutter

P1130968Hummelmutter

Du scheinst mir gut in Futter
du runde Hummelmutter.
Seit letztem Jahr August
ja da musst
du dauerhungern bis heut –
die ganze lange Winterszeit.
Zu Ostern suchst du dir ein neues Nest,
wo Regen dich und
deinen Nachwuchs nicht nässt.
Unter einem hohlen Stamm,
im aufgeschütteten Steinedamm,
im verlassenen Maulwurfsloch
geht Kinderstube immer noch.
Dein pelziger Bauch ist voller Eier
von der vorjährigen Hochzeitsfeier
Sie sollen nun bald schlüpfen,
bis junge Hummeln hüpfen
von Nektartopf zum Pollenfass –
dann macht der Frühling richtig Spaß.
Die dicke Hummelkönigin
ist der Beginn
für einen neuen Staat.
Die Schar der Hummelväter hat,
das sollte man wissen,
nach der Samenspende ins Gras gebissen. Weiterlesen

Fuchs, hast du die Gans gestohlen?

P1130967Fuchs, hast du die Gans gestohlen?

Der Frühling wagt sich langsamst vor
öffnet nur zaghaft seinen Blütenflor.
Die Vogelschar will Hochzeit feiern.
Doch viel zu kalt ist es den Eiern.
Ein Hase hoppelt durch die Wiese.
Ihn fröstelt arg die frische Brise.
Richtig verliebt seit Wochen war
im Garten hier ein Gänsepaar.
Vorgestern hab ich ihr Nest entdeckt.
im Reisighaufen gut versteckt.
Darin lagen der Eier sieben.
Sie waren schlammbraun angerieben.
Ich freute mich auf Nachwuchsglück –
Doch dann geschah ein Missgeschick.
Ich wollt die Brütende bemuttern
und brachte ihr heut was zu futtern.
Doch meine Gans war plötzlich weg –
verstreut zwei Eier tief im Dreck.
Ich rief nach ihr in größten Sorgen.
Kein Echo kam an diesem Morgen.
Nur etwas von ihrem Daunenkleid
gab Zeugnis noch von ihrem Leid.

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