Als ob vom Himmel Farben regnen

Als ob vom Himmel Farben regnen

Unser Nachbar ist sehr kreativ
Was hier zu sehen – etwas schief
ist ein in den Raum gestelltes Objekt,
das sich befreit zum Himmel reckt.
An sich verkörpert es nur Glas,
hat von der Tür etwa das Maß.
Dann nahm der Künstler Acrylat
ließ Farben fließen bunt und satt.
So stand die Wand auf grüner Au –
wenn dann der Himmel auch mal blau –
dann war der Garten kunstbestückt
etwas aus der Konvention entrückt.
Der letzte Winter war verregnet.
Dem Werk ist da kein Schnee begegnet.
Der Hintergrund blieb herbstlich grau. Weiterlesen

Aus der Haut gefahren

P1130630Aus der Haut gefahren

Aus der Haut gefahren ist diese Libelle –
zurückgeblieben eine gläserne Pelle.
Zwei Jahre hat sie auf der Lauer gesessen
heimtückisch Ahnungslose aufgefressen.
Zugegeben gute Augen – davon hat sie genug.
Vieltausendfach zusammengesetzt – das ist klug.
Mit diesem scharfen Unterwasserblick
beißt sie der Beute fehlversuchslos ins Genick.
Libellenlarven kennen nur den Raubtierjob
Doch in dieser finsteren Branche sind sie top.
In mörderischer Geduld liegt ihre Kraft
Bösewichter sind selten so taft .
Wenn die Sommersonne so richtig lacht,
ist die Umwandlung endlich vollbracht.
Die Wasserjagd muss endlich nun ruhen.
Bald gibt es in den Lüften reichlich zu tun.
Zuerst heißt es Aussteigen aus dem Weiherreich
hochkrabbeln auf einen erhabenen Zweig.
Dort am besten von der Sonne beschienen,
kann dieser Ort dem Schlupfe gut dienen.
Kaum angekrallt, da platzt schon der Kragen
in diesen späten Junitagen. Weiterlesen

Raupen

img060Raupen

Bis in die Puppen fressen
Jegliche Figur vergessen
Der Bauch quillt dick und rund
Is(s)t dennoch meist gesund.
Raupen schnetzeln tief im Kohl
Fühlen sich dort pudelwohl.
Raupen lieben Salatblätter
Werden davon immer fetter.
Raupen nagen selbst an Nesseln,
an die sie sich mit Seide fesseln.
Im Erdenreich sind Engerlinge
Beim Wurzelfraß stets guter Dinge.
Viele Raupen sind nicht schön –
andre ganz hübsch anzusehn.
Im Innern ihrer Raupenhaut
Sich Neues bald zusammenbaut
Wenn im Puppenbett sie ruhn,
haben sie oft gut zu tun.
Heißt es doch, sich ganz zu ändern
Von der Mitte zu den Rändern. Weiterlesen

Metamorphose

Metamorphose

Jetzt so um Mitte Mai
Ist die alte Larve dabei,
Aus dem Teich hochzuklettern
Gern bei sonnigen Wettern.
Ein Binsenhalm –
oder der Stiel einer Irisblüte
gibt dem Schlupf
wohl sichere Güte.
Mit letzter Kraft
Ist es dann geschafft.
Sie klammert sich fest
Für den Larvenzeitrest.
Eine Stunde verstreicht
Hinten am Kopfe da zeigt
Sich ein breiter Riss:
Jetzt ist es gewiss
Die Libelle will schlüpfen
Ihr Geheimnis bald lüften. Weiterlesen