Lupinen

Lupinen

Was war ich stolz als kleiner Mann –
am Muttertag war es irgendwann –
da kam ich mit einem blauen Strauß
ganz stolz zurück ins Elternhaus.
Die Lupinen blühten damals wie heute im Mai.
Im Neubaugebiet wuchsen sie auf Brachen ganz frei.
Ich war sehr beeindruckt von der üppigen Blütenpracht.
Diese hab ich meiner Mutter zum Geschenk gemacht.
Sie war auch sehr dankbar, suchte einen großen Krug;
Denn Blütenstiele gab es mehr als genug.
Dann stand er im Wohnzimmer mitten auf dem Tisch
dieser herrliche Blumenschmuck und superfrisch.
Nach ein paar Stunden kam ich schauend noch mal zurück.
Da war etwas heruntergefallen von dem Glück. Weiterlesen

Späte Blüte

Späte Blüte

Von manchen Dingen
wird es mir wohl immer gelingen,
ihre Herkunft aufzudecken:
denn sehr tief stecken
die Eindrücke davon, wie alles begann.
Deshalb weiß ich auch und kann
von einem Kaktus hier berichten
in langen seltsamen Geschichten.
Ich war zwölf oder dreizehn Jahre alt.
Es war Mai und Muttertag halt.
Meiner Mutter standen Blumen immer sehr nah.
Da ich damals noch ein dankbarer Sohn war,
wollte ich ihr etwas gern schenken.
Sie sollte immer wieder daran denken,
was sie zum Muttertag einst bekam.
Dass ich Schnittblumen dafür nicht nahm,
das war klar, weil sie bald welk und trist –
nur Abfall für Kompost und Mist.
Eine Topfblume die musste her,
nicht zu groß, zu teuer und schwer.
Im Blumengeschäft stand mein Objekt.
Ein kleiner Kaktus hat mein Interesse geweckt.
Er war vielleicht fünf Zentimeter groß.
Man sah stachelige Haare bloß.
Eine oder zwei Mark musste ich zahlen –
Ich brauchte dafür kein Bild mehr zu malen.
Am Muttertag überreichte ich ihn stolz.
Das Herz meiner Mutter schnell schmolz. Weiterlesen

Aufblicken

EttalAufblicken

Wenn nach nächtlich tiefem Schlaf
unsere Augen Bilder schenken,
wird der Anblick langsam scharf:
in uns fängt es an zu denken.
Erstes Bild zeigt oft die Decke
leere Fläche ohne Sinn.
Wenn ich dann die Uhr entdecke,
weiß ich, wo ich stündlich bin.
Aufzublicken, Himmel sehen
nach einem kurzen Wiesentraum –
Cirruswölkchen schwebend stehen –
denn Bewegung sieht man kaum.
Zu dem Vater aufzublicken,
dass war kindlich angesagt.
Ein Gebet zum Schöpfer schicken
Nöte wurden so beklagt.
Das Elternbild relativiert
zeigt neben Licht auch alle Schatten.
Der große Gott an Wert verliert.
Ehrfurcht weicht,
wie wir sie hatten. Weiterlesen