Da war einmal…

Da war einmal…

Da war einmal ein Paradies,
das durch den Menschen Erde hieß.
Vom Meeresgrund zur Bergeshöhe
gab es Getier – sogar Gletscherflöhe.
Wo Boden war -nicht eiseskalt -,
da wuchs schon bald viel Regenwald.
In einer kleinen Ewigkeit
entstand großartig Vielfältigkeit
an Wesen auf diesem Planet,
dass man in Staunen nur vergeht.
Das kleine Stück vom Meeresgrund
erlebte manch ungetrübte Stund.
Schnecken und Muscheln aufgehäuft
zeigen, wie damals Leben läuft.
Millionen Jahre sind sie schon tot.
Doch was sich damals ihnen bot,
war heile Welt – noch menschenlos.
Was dann geschah- ist beispiellos. Weiterlesen

Fuß fassen

Fuß fassen

Wie man sieht
hat es diese Buche nicht leicht,
Fuß zu fassen.
Erst wenn Gestein erweicht,
dann lassen
Wurzeln sich in die Tiefe senden.
An beiden Enden
kämpft der Baum ums Leben.
Unten sucht er Wasser,
nährende Ionen
Oben konkurriert er in Zonen,
wo das Sonnenlicht
Energie verschenkt.
Das Schicksal hängt
zwischen Wurzelspitze
in der Kalksteinritze
und dem jüngsten Buchenblatt,
das sich gerade entfaltet hat.
Seinen Platz finden in der Welt
Zwischen Armut und Reichengeld
zwischen Humus und Asphalt
zwischen jung und alt. Weiterlesen

Weidegänger

Weidegänger

Mit einer Schafherde oder Ziegen
auf andauernde Weltreise zu gehen
spart viel Kerosine, die beim Überfliegen
der Kontinente durch die Lüfte wehen.
Sich nur von dem zu ernähren,
was die Orte der Begegnung mir bieten,
sich gegen die Globalisierung zu wehren
weder ein Haus besitzen – oder mieten,
das wird von 1 000 Menschen nicht einer wollen.
Reiche leisten sich kostenlos die Armen.
Stickoxidgiftige Autos, die auf Straßen rollen,
kennen mit Klimaschutz wenig Erbarmen.
Abseits davon lässt ein Schäfer seine Herde ziehen.
Seine Hunde helfen ihm dabei, die Tiere zu hüten.
Anderswo Menschen über Grenzen fliehen,
aus Ländern, in denen Hass, Gewalt, Fanatismus wüten.
Die letzten Schäfer sind überall willkommen.
Sie wirken eher wie ein Stück lebendiger Geschichte.
Wie viele von den Flüchtlingen werden aufgenommen?
Entscheiden darüber Politiker oder deren Gerichte? Weiterlesen

Zuwachs

Zuwachs

Wer jetzt gerade im April
Besonderes erleben will,
der sollte seine Augen lenken
und dem Geäst die Blicke schenken.
Im Märzen waren Bäume leer
Die Knospen drückten zwar schon schwer.
Manch Strauch, manch Busch wollte erst blühn,
vergaß zunächst noch jedes Grün.
Nur ein paar Wochen frühlingsspäter
sprießen hervor die neuen Blätter.
War Baumgestalt kalt transparent,
so wuchs ihr nun sein grünes Hemd.
Der Zuwachs war richtig enorm.
Die Sonne steigert noch die Form,
wie Blätter sich ganz rasch entfalten,
zeugt irgendwie von Urgewalten.
Denn jedem Baum tickt seine Uhr.
So klingelt pünktlich die Natur.
Sie lässt die Blätter herrlich sprießen
und neue Zweige heftig schießen.
Nicht alle blättern zur gleichen Zeit.
Manche sind februarbereit.
Letzte brauchen sogar den Mai,
bis blätterlos ist dann vorbei. Weiterlesen

Vom Fleische befreit

P1150227Vom Fleische befreit

Vom Fleische befreit
sind die Kirschen und Pflaumen.
Ihr Süßes Gewebe
erfreute die Gaumen.
Zurück blieben nur noch
Stiele und Steine.
Der traurige Rest am Boden
findet Freunde wohl keine.
Manch Kirsche
landete im Drosselrachen
auch Starensemble machen
aus jeder roten Kirschenfrucht
mit ihrer Schnabelwucht
ein Schlachtfeld
unterm Kirschenbaum.
Zum Albtraum
wird das Vogelpack
aus Kirschen bald nur Früchtehack
Der nackte Stein bleibt unverdaut.
Ein wenig blässlich er ausschaut.
Vom Sonnenstrahl geblichen
ist Farbe ganz gewichen.
Der Stein scheint ohne Wert.
Doch es ist umgekehrt.
Im Innern ruht sein Keim.
Die Schale ist sein Heim.
In den Boden muss er rein.
Wer wird sein Gräber sein? Weiterlesen

Problemlos einkaufen?

ProspektProblemlos einkaufen?

Wenn unprivilegierte Durchschnittsbürger einkaufen gehen,
nicht allzu viel von Ökologie, Nachhaltigkeit, Umweltschutz verstehen,
sind ihre Einkaufskörbe oft gänzlich gefüllt mit großen Problemen.
Viele Artikel des täglichen Bedarfs weltweites Übel in Kauf nehmen.

Zum Morgen braucht der normale Mensch meist Kaffee –
der Arbeitslohn von Pflückern beschämt jedoch und tut weh.
Vorm Aromarösten weltreisen tonnenweise frische Bohnen,
weil sie in Brasiliens Bergwelt hoch oben erst wohnen.
Will ich lieber eine Tasse schwarzen Tee brühwarm genießen –
ein Cocktail an Pflanzenschutzmittel den Sud eher verdrießen.
Bis dass dieser Tee so goldig in meiner Tasse lacht,
hat er von Ceylon her eine lange Frachtreise gemacht.
Regionale Milch gibt’s reichlich im Land, sie fließt im Überfluss
EU-Dauersubventionen bleiben ein ärgerliches Politmuss.
Frische Brötchen beileibe keine Bäckermeisterleistung –
Jedoch überall zu zugreiflichen Dumpingpreisen –
Fabrikfließbänder dafür pausenlos kreisen.
Das zertifizierte Frühstücksei, das Stück gerade für 10 Cent
sich in Legehennenmassentierhaltung wohl bestens auskennt.
Zum dotterweichen Ei passt sehr gut mild geräucherter Schinken.
Die Angebotspreise dafür gerade wieder mal sinken.
Nicht einmal einen Quadratmeter Raum zum tiergerechten Leben,
will der Landwirt dem Schinkenerzeuger Schwein
für seine gut drei Monate noch geben. Weiterlesen

Eigentlich

DezemberroseEigentlich…

Eigentlich haben die meisten schon fast alles,
Wir müssen zuerst Müll produzieren,
um neu zu konsumieren.

Eigentlich haben wir schon alles,
Wir müssen Weihnachtsgebäck probieren,
um nicht an Übergewicht zu verlieren.

Eigentlich haben wir schon alles,
Wir schmücken unsere Räume weihnachtsneu,
Was die Chinaimporte hoch erfreut.

Eigentlich sind wir schon mehr als satt,
um mal wieder Appetit zu bekommen,
haben wir Exotisches zu uns genommen.

Eigentlich sind wir längst glaubensentwöhnt
Doch unser Weltbild wird verschönt
Mit gewollt irrationaler Illusion.

Eigentlich fehlt es uns oft an gefühlter Tiefe
Früher brachten uns geschriebene Briefe
Mehr als die heutige Kommunikation. Weiterlesen