Frische Pilze zu Weihnachten

Frische Pilze zu Weihnachten

Nach so zermürbenden Dürrezeiten
regnete es in gefühlten Ewigkeiten.
Der Boden ist wie ein Schlammpudding nass.
Nur noch überlaufen kann jedes Regenwasserfass.
Heute morgen reißt endlich die Wolkenfront auf.
Ein freundlicher Tag nimmt seinen Lauf.
Mit dem Hund geht es in den nahen Wald.
Die Luft fächelt weder warm aber auch nicht kalt.
Herbstlaub liegt am Boden – so schwer wie noch nie.
Von den nackten Ästen tropft letzte Zeremonie.
Mir zu Füßen liegt ein verstorbener Stamm
dicht übersät von frischen Pilzen – fast wie ein Kamm
sehe ich die Lamellen übereinander gelegt. Weiterlesen

Vom Eise befreit

Vom Eise befreit

Tief beschneit liegt alles dar.
Reif verzuckert Knospenspitzen.
Schneidend kalt, die Luft klirrt klar.
Frost sticht in die letzten Ritzen.

Alles Leben scheint erfroren.
Mäuse kriegen rote Ohren.
Pflanzen halten strengste Ruh,
denn der Winter deckt sie zu.

Horch, was gurgelt, flüstert leise
unter mächtig starkem Eise
plätschert helle Melodie
klare Töne – hörst du sie? Weiterlesen

Im Vorbeigehen

Im Vorbeigehen

Dieser Quell am Wegesrand
blieb bisher noch unbekannt.
Allzu viel gibt´s nicht zu sehen,
also heißt es weitergehen.
Die kleine Quelle trägt Morast.
Dunkelbraun steckt toter Ast,
der mit seinem morschen Rumpf
ragt zur Hüfte tief im Sumpf.

Rein und sauber ohne Tadel
ohne Abfall, faulem Schlick
wohlgeboren mit viel Adel
auserkoren muss der Quick.
Quellen schön wie junge Damen
vornehm, blass und meistens kühl
fragt man sie nach ihren Namen
spürt man erstes Zartgefühl. Weiterlesen

Ein Sommernachtstraum

Ein Sommernachtstraum

Heute liegt ein Sommernachtstraum
am späten Abend weit im Raum.
Der Tag, an dem der Regen kam,
blieb abgekühlt noch wohlig warm.
Der Boden nahm die Feuchte gern.
Die letzten Tropfen waren so fern.
Nun steigt der Nebel aus den Weiden
Die Kühe sich mit Schwaden kleiden.
Nachtfalter sind gerade aufgewacht.
Es liegt Besonders in der Nacht.
Aus Gerstenfeld im letzten Licht
ein wunderbares Gold erbricht.
Über dem Ährenmeer schwebt Dunst
als decke Christo traumhaft Kunst.
Vor diesen weißen Nebelstreifen
zwei Fledermäuse lautlos schweifen. Weiterlesen

Gnadenlose Gleichgültigkeit

unknownGnadenlose Gleichgültigkeit

Eine alltägliche Zeitungsnotiz verletzte mich.
Ein Kreisverkehr war wie ein böser Stich
in mein Herz von Stadtnatur.
Doch wie reagiere ich jetzt nur?
Die Straße ist mir wohl bekannt.
Platanen säumen ihren Rand
und das schon wohl seit 100 Jahren.
Doch hier wird Auto viel gefahren.
Weil Ampeln ihre Wege lähmen,
Geschwindigkeiten somit zähmen,
da will die Stadt den Kreisverkehr.
Der bringt den Autofluss dann her.
Die alten Bäume sind im Weg,
wenn ich den Kreisel breit anleg.
Was lang als Allee die Stadt verschönt,
dort bald ein Sägeschwert laut dröhnt.
Die Planung macht hier wohl nicht halt –
Gleichgültigkeit Gefühle kalt. Weiterlesen

Klein aber fein

27-koecherfliegenlarveKlein aber fein

Ein ziemlich zartes Larventier
wohnt gern an dunkler Stelle.
Triefnasses Laub, das zeigt auch dir
den Geburtsort: eine Quelle.
Aus einem Köcherfliegenei
schlüpft hier am kühlen Ort
ein Winzling in dem Blätterbrei,
will köchern ab sofort.
Die allerfeinste Seide nur,
das Lärvchen spinnt sie bald
zu einem dünnsten Kleide pur.
Im Wasser ist`s so kalt.
Doch schützt dies Traumgewande
den weichen Körper kaum.
Verklebt werden nun Sande
am Seidenmantelsaum. Weiterlesen

Eiansichten

P1150221Das Ei an sich lebt überall
die Form dafür in Riesenzahl.
Wenn wir für uns an Eier denken,
wir das meist auf das Huhn beschränken.
Das teuerste Ei liefert fürwahr
ein Fisch der Stör: den Kaviar.
Wenn Stubenfliegen jedoch Eier legen,
dann haben wir bald was dagegen.
Wenn Adebar der Storch hier nistet,
wird Eierzahl gern aufgelistet.
Eine Kamera ihre Linse lenkt,
wenn Ei sich aus Kloake senkt.
Auch Frösche sind sehr eigeprägt.
Sie werden stets ins Wasser gelegt.
Dort quillt der Laich zu großen Ballen,
findet im Naturschutz stets Gefallen.
Wenn die Mücke ihre Eier legt,
dann sind wir meistens aufgeregt.
Ein jedes Weibchen, das hier schlüpft,
wird mit dem Stechen bös verknüpft.
Das Ei ist auch ein Stück Kultur.
Ich denke da an Ostern nur. Weiterlesen

Spurenspiele

P1130421Spurenspiele

Unendlichkeit im Wellenrauschen
das Herz des Meeres das rollt im Takt.
Ich könnte endlos weiter lauschen.
Der Strandsand ist so weich und nackt.
Die Wellen branden in Gezeiten
mal weiter auf die Dünen zu.
Wenn sie den Rückzug dann bereiten,
lassen sie Ufer weit in Ruh.
Am Wasserrand da seh ich Spuren –
erst ultrafein mit feinstem Strich.
Kommt Wasserrücklauf dann auf Touren,
zeigen Gerinne breiter sich.
Am Ende fließt in tiefen Betten
der Wellenrest zurück ins Meer.
Er furcht in wunderbaren Stätten
Am Boden bleibt, was hier zu schwer.
Mit jeder Woge stirbt solch ein Bildnis.
Die Ebbeflut schafft neue Pracht. Weiterlesen

Bergkristallin

P1140133Bergkristallin

Als wär es allerreinstes Eis
so überhell und strahlend klar
doch scheint die Sonne noch so heiß
bleibt dies Gebilde hart und starr.
Kristalle blenden all das Licht,
treten sie bergtief erst zu Tage.
Ein Glanz, der sich auf Seiten bricht,
stellt alle Schönheit außer Frage.
Bergkristalle kennen keine Farben:
Das pure Sein in lichter Form.
Sie wirken fast wie Göttergaben
Naturgesetze sind die Norm.
Manch Bergkristall wächst unermesslich.
Zwei Meter sind längst noch kein Ziel.
Auch der bleibt klar, erscheint höchst blässlich –
kleine Kristalle, die gibt es viel. Weiterlesen

Endlich!

ChristroseEndlich!

Willkommen erster kalter Frost –
eher weiter Wintersommer sprosst,
räumst du mit deiner Eiseshand
den bunten Unsinn aus dem Land.
Endlich vorbei die falschen Blüten,
die sich zur Unzeit hier bemühten.
Der Blumentisch wird demontiert,
seit Winterhauch mit Nachtfrost schnürt.
Geranien sind im Schock entzaubert.
Die Ringelblume schlapp nun trauert.
Das Rosenherz zerbricht im Eise.
Das letzte Gingkoblatt löst sich leise.
Ein Maisfeld, das ganz welk noch stand,
die späte Ernte endlich fand. Weiterlesen