Lindenschwärmer

LindenschwärmerLindenschwärmer

Seit Tagen drückt der Duft vom Flieder.
Die Vögel proben fleißig Lieder.
Das Blattgrün treibt mit stolzer Wucht.
Am Kirschbaum zeigt sich erste Frucht.
Fünf Frösche quaken sexgequält.
Bald wird die Liebste ausgewählt.
Der Maienabend ist heut wärmer.
Da flattert vor mir nah ein Schwärmer.
Tief unten in dem Wiesengras
mein Finger ihn vom Boden las.
Nun klettert dieser plumpe Falter –
ein Jahr zählt wohl sein Lebensalter –
bedächtig über meine Hand.
Ich sehe jetzt sein grünes Band,
das schön verziert sein Schuppenkleid.
Der Falter macht die Flügel breit.
Seine Klauenspitzen etwas zwicken.
Die Fühler vorsichtig leicht nicken.
Der Lindenschwärmer fühlt sich gut.
bleibt gern bei mir in der Obhut. Weiterlesen

Altarmer Gesang

LipperöhrichtAltarmer Gesang

Von dem Flusse längst verlassen
liegt ein Altarm träge hier.
Schilfröhricht in dichten Massen
schafft ein schirmendes Spalier.

Doch ich will das Wasser sehen,
wie es spiegelt Sonnenlicht.
Muss wohl Trampelpfade gehen,
mancher Halm dabei zerbricht.

Plötzlich hör ich lautes Singen
Vogellied in reinster Kunst.
Diese Töne herrlich schwingen
wie vom Schicksal eine Gunst. Weiterlesen

Die Haut des Wassers

WasserperlenDie Haut des Wassers

Unsichtbar sichtbar ist die Haut,
wenn man auf einen Tropfen schaut.
Nach Nebel oder Nieselregen
Rollen uns Perlen hell entgegen.
Das Lupinienblatt ist tausendfach
Mit Wasserperlen aufgewacht.
Der Regen war so zärtlich fein –
Da wuchsen Tropfen ungemein.
Das Blatt funkelt wie ein Collier.
Verspiegelt ich das Licht hier seh.
Was Wasser so zusammenhält,
Die Schule hat mir das erzählt.
Ich frage mich heut morgen bloß:
Wann fließt ein Tropfen plötzlich los? Weiterlesen

Übermütig

MosaikjungerÜbermütig

Übermütig voller Freuden
Stürzen sie zum Wasser hin.
Wollen keine Zeit vergeuden
Nächstenliebe nur im Sinn.
Pärchenweise schießen sie
Durch des Schilfes schlanken Speere
Einen Crash zeigen sie nie.
Nichts kommt ihnen in die Quere.
Voller Glut zum Abenteuer
Jeder möchte doch ans Ziel.
In der Luft brennt hier ihr Feuer,
zwischen Leidenschaft und Spiel.
Werben ohne Atempause
Nur der Erste kommt zum Glück.
Mal piano – dann Gebrause
Mal noch vorn – dann rasch zurück. Weiterlesen

Wucherungen

BaumpilzWucherungen

Wer wuchert, der schießt übers Ziel.
Der nimmt an Zinsen viel zu viel.
Manch Hausbesitzer wenig fein,
erhöht die Miete ungemein.
Wird eine Ware plötzlich knapp,
bringt das die Preise sehr auf Trab.
Auch die Natur kennt Wucherungen –
Nicht immer gut, oft Not gedrungen.
So manches schießt mit voller Macht
Weit aus dem Boden über Nacht.
Was so ein Pilz in Kürze schafft,
ist nur ein Beispiel für viel Kraft,
wie Zellen quasi explodieren
und jedes Maß im Nu verlieren.
Am Wegesrand ragt voller Stolz
Ein frischer Pilz aus totem Holz. Weiterlesen

Schleimzauber

SchneckenschleimSchleimzauber

Am feuchten Abend, in der Nacht
Hat eine Schnecke Schleim gemacht.
Im Schneckentempo ja da kroch
Sie einen Stängel langsam hoch.
Am Ende ragt die Blütendolde
da schlich sie hin und her die Holde.
Sie hinterließ am Blütengrund
Einen Schleimesfilm so kunterbunt.
Heut Mittag schillert er und glänzt –
Hat traute Schönheit noch ergänzt.
Wie Silberschals spannt das Sekret,
Das hier vom Stiel zum Stiele strebt. Weiterlesen

Der Freund des süßen Wassers

Wasserfreund, LimnephilusDer Freund des süßen Wassers
(Limnephilus)

Er ist der Freund vom süßen Wasser
Stammt aus der Zunft der Köcherfliegen
So beschrieb ihn einst der Artverfasser
Genauso trefflich wie gediegen.
Geschlüpft gleicht er den Schmetterlingen
Eher mottengleich mit braunem Kleid.
Doch Haare auf den Flügelschwingen
Bringen schnell Unterscheidbarkeit.
Nur ein paar Wochen währt das Leben
Des Vollinsekts im Ufersaum.
Wenn Eier unter Wasser kleben,
endet schon früh der Hochzeitstraum.

Die Larven brauchen frisches Wasser
Sind darin echte Tausendsassa.
Sie bauen gleich ein eignes Haus
Und schauen oben gern heraus.
Zum Bauen nehmen sie gern Blätter,
Machen aus Totholz alte Bretter.
Auch leere Schalen von den Schnecken
Können in Köchern kunstvoll stecken. Weiterlesen