Eisige Irritationen

Eisige Irritationen

In Zeiten, wo Klimawandel verstört
der Januar fast den Frost entbehrt.
In diesem Winter fehlt noch ein Tag,
wo die Temperatur ganz im Minus lag.
Für Stunden huscht mal etwas Reif,
macht gerade mal den Blattrand steif.
Heut in der Früh kam ein kalter Moment,
ehe die Sonne in der Ferne brennt.
Da fror vom Nieselregen der Rest
auf wasserdichten Flächen fest.
Wo Feuchtes letztlich übrig blieb,
das Eis nun eine Geschichte schrieb.
Die Motorhaube vom Automobil
zeigt Eisgraffiti ziemlich viel.
Das Teil, das Umwelt strapaziert,
war toll geschmückt, so fein verziert. Weiterlesen

Winterwaffen

Winterwaffen

Mächtig aufgerüstet wurde über Nacht.
Der Frost hat Messer scharf gemacht.
Am Blattsaum sind Klingen aufgestellt.
Annähern sich nun schwierig stellt.
Hinter dem Gewirr von spitzen Lanzen
kann sich die Brennnessel gut verschanzen.
Ihre eigenen Waffen ruhen sanft.
Denn alle Blätter sind verkrampft,
seit Kälte sie eisig versteift
und sie mit Feinkristall bereift. Weiterlesen

Die Wanne ist voll…

Die Wanne ist voll…

Die Wanne ist voll mit frischem dünnen Eis.
Früher war sie mal warm, manchmal sogar heiß.
Als Kind wurde ich in die Wanne gesteckt.
Trübes Wasser bald nach Kernseife schmeckt.
Ein Badezimmer gab es damals noch nicht.
Doch sauber wurde am Ende der Wicht.
Später war die Zinkwanne lange arbeitslos.
Wir Kinder erwachsen – für die Wanne zu groß.
Für die Wäsche gab es längst Elektromaschinen.
Da brauchten die Wannen nicht mehr zu dienen.
Manche wanderten in den Schrott waren dann weg
Für die restlichen ergab sich später oft neuer Zweck. Weiterlesen

Mangoldreif

Mangoldreif

Nicht viel Gemüse überlebt,
wenn Frost sein Eis im Winter webt.
Den Sellerie kneift Kälte kaum.
Für Melde ist längs aus der Traum.
Der Grünkohl zeigt sich frisch im Blatt.
Ihn macht der Winter selten matt.
Was mich schon wundert, ist der Mangold –
eine Pflanze blieb, eher ungewollt,
im Beete stehen einsam verwaist.
Jetzt war ihr Outfit kühl vereist.
Die letzte Nacht brachte viel Reif.
Der Boden fror im Froste steif.
Heut trägt der Mangold zartes Kleid
von eiskristalliner Kostbarkeit. Weiterlesen

Eiskunstwerke

Eiskunstwerke

Den Winter hielt ich für vermisst.
Seit Tagen buntes Blühwerk sprießt,
als ständ der Lenz längst in der Tür
begleitet mit viel Fluggetier.
Doch über Nacht da kam die Kälte,
die plötzlich Eis in Räume stellte.
Die klare sternenreiche Nacht
hat Winterschönheit uns gebracht.
Ich lauf zum Teich hinten im Garten
und kann den Anblick kaum erwarten.
Vorm Jahr stand ich hier höchst verzückt,
war durch den Frost so hochbeglückt.
Ich hielt damals die Eiskunstwerke
als kaum zu toppen – denn die Stärke
und Vielfalt dieser Eisgestalten
wollten an Schönheit das entfalten,
was so nicht steigerungsfähig schien –
doch diesem Trugschluss sei verziehn. Weiterlesen

Blattblut

Blattblut

Die süßen Trauben sind schon längst verspeist,
Drosselmitesser ebenfalls verreist.
Doch kann der Rebstock noch einmal verschenken,
wenn wir dabei an seine Herbstblätter nur denken.
Was im Oktober mittendrin im Blatt passiert,
wie sich das Bild von Tag zu Tag noch mehr verziert,
das ist schon einer Betrachtung wert –
Schönheit sich schwelgerisch vermehrt.
Ich halte Rebblätter so ganz direkt ins Sonnenlicht,
bis sich Gestrahle in den Zellen bricht.
Grüne Gewebeteile springen urplötzlich grell ins Rot.
So fröhlich bunt färbt selten sich sonst Tod.
Die alten Blätter scheinen innerlich zu bluten.
An vielen Stellen will hier Rot breit fluten.
Aus einem winzig kleinen ersten Areal
schießt bald das Feuer wild als heißer Strahl.
Zwischen Grün und Rot scheint es an Farben nichts zu geben. Weiterlesen

Im Frühtau

Im Frühtau

Im Frühtau funkeln tausend Tropfen.
Feinnebel haucht durchs Spinnennetz.
Wenn Winde an die Perlen klopfen,
da bangt die Schönheit hier und jetzt.
Die erste Sonne lässt brillieren
so wundervoll die Kugelzahl.
Das Kunstwerk wird schon bald verlieren
Jed Spinnennetz hängt wieder kahl.
Um diesen Moment hier zu gewinnen,
muss aus dem Bett ich zeitig fliehn.
Da schlafen noch wohl alle Spinnen,
die aufgewärmt die Fäden ziehn. Weiterlesen

Moosgesichter

Moosgesichter

Mit der Zeit – so sagt man oft
wächst Gras über manche Sachen
Für demnächst wohl ein jeder hofft,
gibt´s deshalb wieder was zu lachen.
So verschwindet das Erlebte
mehr und mehr aus jedem Sinn.
Was gestern noch so lastend schwebte,
ist heute fort und weit dahin.
Auch über banale Gegenstände
wuchert Zeit, lässt Spuren grünen.
Die Natur nimmt es in die Hände –
braucht sich dazu kaum groß bemühn.
Naive Andenken von Reisen
Masken so bunt, doch arm an Kunst
draußen liegend bald beweisen
stehen beim Moos recht hoch in Gunst.
Auch Algen mögen gern Figuren,
geformt aus gröberem Zement.
Sie kommen dort auf grüne Touren
der feuchte Grund ihr Element. Weiterlesen

morning has frozen …

p1190163morning has frozen …

Viel Nebelgrau musste verschwinden.
Das Februarlicht wollte kaum finden
in diesen kaltgeborenen Tag.
Schneegriesel in den Lüften lag.
Dem wintermüden Gartenteich
hatte der Frost im Kältestreich
ein gläsern Gewand dünn aufgelegt.
Dort, wo ein Rest vom Stängel steht,
da schießen Sternenstrahlen weit
schmücken bizarr das Eiseskleid.
All das, was aus dem Wasser schaut,
wird von der Frosthaut zart umbaut.
Das sonst so glatte Teichgesicht
kämpft morgendlich mit Schwerterschicht,
die richtungslos ins Weite stechen,
ohne dabei je zu zerbrechen. Weiterlesen