Moosgesichter

Moosgesichter

Mit der Zeit – so sagt man oft
wächst Gras über manche Sachen
Für demnächst wohl ein jeder hofft,
gibt´s deshalb wieder was zu lachen.
So verschwindet das Erlebte
mehr und mehr aus jedem Sinn.
Was gestern noch so lastend schwebte,
ist heute fort und weit dahin.
Auch über banale Gegenstände
wuchert Zeit, lässt Spuren grünen.
Die Natur nimmt es in die Hände –
braucht sich dazu kaum groß bemühn.
Naive Andenken von Reisen
Masken so bunt, doch arm an Kunst
draußen liegend bald beweisen
stehen beim Moos recht hoch in Gunst.
Auch Algen mögen gern Figuren,
geformt aus gröberem Zement.
Sie kommen dort auf grüne Touren
der feuchte Grund ihr Element. Weiterlesen

morning has frozen …

p1190163morning has frozen …

Viel Nebelgrau musste verschwinden.
Das Februarlicht wollte kaum finden
in diesen kaltgeborenen Tag.
Schneegriesel in den Lüften lag.
Dem wintermüden Gartenteich
hatte der Frost im Kältestreich
ein gläsern Gewand dünn aufgelegt.
Dort, wo ein Rest vom Stängel steht,
da schießen Sternenstrahlen weit
schmücken bizarr das Eiseskleid.
All das, was aus dem Wasser schaut,
wird von der Frosthaut zart umbaut.
Das sonst so glatte Teichgesicht
kämpft morgendlich mit Schwerterschicht,
die richtungslos ins Weite stechen,
ohne dabei je zu zerbrechen. Weiterlesen

Der Frühling lutscht

p1190005Der Frühling lutscht

Der Frühling lutscht
am Eis vom Teich
Seine Zunge leckt
und löst es weich.
Die klare Nacht
lässt Wasser frieren.
Kristalle gläsern
schön verzieren
mit neuen Mustern
Eiseshaut.
Bis alles
zauberhaft ausschaut.
Zum Mittag hin
schmilzt etwas Eis.
Das Sonnenlicht
kaum richtig heiß
doch es besiegt
auf Zeit den Frost.
Vom Frühling kommt
nun täglich Post.
Was nächtens noch
so grad erfror,
im Tageslauf
Gestalt verlor,
das ist ein Kampf
mit kalten Waffen.
Stundenweise
ja da schaffen
sie Gestalten –
bringen dem Wasser
tausend Falten.
Zufall wird hier
zum Konstrukteur
Schaffenslust
ist so gar nicht schwer.
Doch der Frühling
der lutscht weiter.
Wärme schmilzt die
kalte Kunst.
Blumen stimmen
mich bald heiter.
Meisenlied
singt erste Brunst.
Heute wird wohl
Eis noch häuten.
Denn die Nacht
wird sternenkalt.
Schneeglöckchen
im Hauche läuten
öffnen ihre
Blüten bald.

Eiszauber

p1170877Eiszauber

Mein Blick seit Tagen nur gesenkt –
was dieser Frost mir hat geschenkt,
lässt mich auf Heftigste erstaunen –
unfassbar sind für mich die Launen,
die sich mir draußen eisig zeigen.
Ich muss mich tief dazu verneigen,
um Naturkunstwerke zu studieren,
die ständig ihre Form verlieren.
Zuerst war alles feiner Reif.
Er machte welkes Blattwerk steif.
Verzuckerte die braune Haut,
die so ganz festlich plötzlich schaut.
Dann kam ein Regenband vorbei.
Die Bodenhaut war glitzerfrei.
Spät in der Nacht war es kaum dunkel
bei strahlend hellem Sterngefunkel.
bracht Mondessichel kühles Licht.
Auf Pfützen Eis in Schwertern sticht.
Die Feuchtigkeit Kristalle züchtet.
Wasser erstarrt, bevor es flüchtet. Weiterlesen

Eisprimula

p1170571Eisprimula

Der frühlingshafte, irritierende,
Wachstum stimulierende
Spätherbst ließ Primeln Blüten wecken.
In grünen Blätterherzen stecken
vorwitzig Knospenspitzen
lassen bunte Farbsäume blitzen.
Etwas mehr der Frühwintersonne
steigert noch die Öffnungswonne.
Blüten erfreuen zu jeglicher Zeit.
Ihr farbiges Kronenblätterkleid
will zur Liebe verführerisch locken.
Die Primel beginnt zu zocken.
Wenn die Wetterstimmung froh bleibt,
ja dann erlebt diese Pflanze
eine Dezemberblühchance. Weiterlesen

Brennnesseln im Silberkleid

p1160393Brennnesseln im Silberkleid

So atemfeucht schläft Nachtbeginn.
Schwanger hängt Nebel schwer im Äther
Der Tageswechsel glitt dahin.
Das Mondlicht blinkt erst später.
Die Lüfte froren nach und nach
ließen Tröpfchen zart erhärten
und mit dem Licht vom neuen Tag
schmückt sich die Welt mit Bärten.
Mit feinsten Nadeln klar aus Eis
spiegelt sich Glanz in Spitzen –
sie krusten alles zuckerweiß
auf Blättern sie dicht sitzen.
Brennnesseln gestern noch saftgrün
sind völlig neu umkleidet. Weiterlesen