Zaungeflecht

p1160363Zaungeflecht

Wirkt ziemlich schlecht
dies Zaungeflecht.
Wer Akkurates liebt,
ja der vergibt
dem Handwerk nicht.
Der Draht verbricht
in krumme Schlingen.
Wird kaum gelingen,
den Zaun zu straffen.
Flüchtig geschaffen
fehlt immer die Zeit
für bessere Arbeit.
Mehr war wohl nicht drin –
machte auch keinen Sinn.
Draht bleibt
grob verleibt,
zusammen geklaubt –
jeder Feinheit beraubt. Weiterlesen

Spurenspiele

P1130421Spurenspiele

Unendlichkeit im Wellenrauschen
das Herz des Meeres das rollt im Takt.
Ich könnte endlos weiter lauschen.
Der Strandsand ist so weich und nackt.
Die Wellen branden in Gezeiten
mal weiter auf die Dünen zu.
Wenn sie den Rückzug dann bereiten,
lassen sie Ufer weit in Ruh.
Am Wasserrand da seh ich Spuren –
erst ultrafein mit feinstem Strich.
Kommt Wasserrücklauf dann auf Touren,
zeigen Gerinne breiter sich.
Am Ende fließt in tiefen Betten
der Wellenrest zurück ins Meer.
Er furcht in wunderbaren Stätten
Am Boden bleibt, was hier zu schwer.
Mit jeder Woge stirbt solch ein Bildnis.
Die Ebbeflut schafft neue Pracht. Weiterlesen

Zwölf Jahresringe

P1130806Zwölf Jahresringe

Heut hat der Reif
mit Eis schön eingedeckt
Neugierde wird kalt geweckt.
Der feine Frost
zeichnet perfekt,
hebt zart hervor,
was sonst versteckt.
Bei jedem Reif kristallisieren
die kleinsten Tröpfchen
sie verlieren
die Formarmseligkeiten
von Flüssigkeiten.
Durch das Erstarren
verharren
winterkühle
Moleküle
in gläsernen Gebilden –
manchmal mit wilden
Architekturen.
Frostspuren,
die meist nur –
so will es die Natur –
bald vergehen.
Wir sehen
schon ihr Ende bald.
Es bleibt ja nicht kalt.

Heut hat der Reif
zwölf Jahresringe ausgeschmückt. Weiterlesen

Ephemere Eiskreationen

P1130673Ephemere Eiskreationen

Heute gab es kalte Kunst fast mit Ansage.
Regenwütig waren viele der letzten Tage,
dass überall Pfützen und Lachen
auf Wegentief mich feucht ansprachen.
Dann riss die Wolkenlast, bis Winterhimmel kam.
Die Luft war nicht mehr falsch – so milchig warm.
Ich wusste, heute Nacht beißt wieder einmal Frost.
In winterlosen Zeiten schon ein kleiner Trost.
Der Morgen zeigt sich pudrig voll mit feinstem Reif
Der neue Grashalm glitzert hell und ziemlich steif.
Der Matsch vom Feldweg gibt sich knochenhart.
Die Pfützen schmückt eine Eiseshaut so gläsern zart.
Schon öfter hab ich solche Kunst enorm bestaunt.
Auch heute Nacht war die Natur sehr gut gelaunt.
Ist solche Schöpfung eigentlich kreativ? Weiterlesen

Himmlisches

P1130098Himmlisches

The sky is red –
ein feuerrotes Himmelbett.
Seit ewig färbt der Sonnenball
die Erde rot beim Niederfall.
Gefühleglut wird ausgelöst,
wenn Untergang die Sinne stößt.
Ist alles wieder grau in grau,
dann fühlen wir wieder genau
oft Schwermut oder gar Tristesse.
Grau liefert selten Farbenstress.
Der Himmel heut wölkchenbetupft
im Feuerlicht Sehnsüchte ruft.
Im warmen Ton vom Wolkenbauch
mischt sich viel Wasserdampf wie Rauch. Weiterlesen

Netzhäute

NetzeNetzhäute

Wenn Gärten heimischer doch wären,
gäb es dort weniger Koniferen.
Beim Nachbarn langweilen sie seit Jahren:
Nadelgehölze die Pflege ersparen.
Wie ein Haufen dauergrüner Biomasse
verschönern sie das Bild zur Straße.
Über manchen Vorgarten brech ich den Stab.
Er hat den Charme vom Reihengrab.
Gestern gab es fast zehn Stunden Regen.
Da wollt ich mich heut früh bewegen.
Die Morgensonne stand noch tief,
was flaches Licht durchs Grüne rief.
Vor Nachbars Garten blieb ich stehen.
Es gab was Tolles dort zu sehen.
Ein breiter, plumper Nadelstrauch
war wie ein eingehüllter Bauch. Weiterlesen

Ausgereift

P1080387Ausgereift

So sternenklar die letzte Nacht
hat sie den Frost zurückgebracht.
Der Wasserdunst vom Frühjahrshauch
hängt kristallin an Baum und Strauch.
Das welke Gras im Reifekleid
säumt Glitzerband fast wie Geschmeid.
Die Kapselschale fruchtentleert
scheint juwelenhaft beschwert.
Die ausgemergelten Jahresringe
des Weidepfahls mit Zickzackklinge
schärfen sich mit Eiseszahn
Wohl aufgestellt in runder Bahn.
Das flach versandte Morgenlicht
Sich hier und da im Reife bricht. Weiterlesen