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Über viele Jahre hinweg da sammelte ich
altes Bildhaftes so wie diesen kolorierten Stich.
Im Studium lernte ich in alten Quellen lesen.
Wertvolle Bücher wurden für mich zu Wesen,
die in mir Verständnis und Wissen schufen.
Sie haben in mir Geistiges wach gerufen.
Neben den geschriebenen Worten
waren oftmals auch gedruckte Bilder zu sehen.
Sie wurde in Holz eingeschnitten
und illustrierten so manches Geschehen.
Auch Kupferplatten wurden geätzt, Steinplatten geritzt.
Bilder erschienen nun feiner als zuvor noch geschnitzt.
Auf diese Weise konnten viele Leser Welten betrachten. Weiterlesen

Backformschnitzkunstbewunderung

Backformschnitzkunstbewunderung

Gestern war wieder einmal
einer dieser Tage,
da lag eine ganz besondere Ware
auf einem Trödeltisch.
Sie war nicht mehr ganz so frisch.
Was ich dort jäh erblickte,
mich auf der Stelle entzückte,
war klein, aus Holz geschnitzt –
hat mich sofort erhitzt.
Ich sah Blumen und Tiere
darum ein feines Geziere
fast wie ein Bilderrahmen.
Doch ich fand keinen Namen,
der dieses Werk vollbracht –
solche Kunst ins Holz gemacht. Weiterlesen

Der alte Roller

Der alte Roller

Der greise Roller könnte mein Alter haben.
Vielleicht ist er mir sogar um Jahre voraus.
Sein Äußeres schminkt viele kleine Narben.
Leicht angelehnt am Zaun steht er neben dem Haus.
Der Roller kannte sicher gute, alte Zeiten
Da drehten beide Räder wohl so richtig rund.
Er durfte Kindheiten jahrzehntelang begleiten
Die Straßen damals autoleer –
nicht nur zur Mittagsstund.
Was könnte dieser Roller uns Vergangenes berichten –
als er ganz neu war und so heiß begehrt.
Er rollte wohl nicht in den allerärmsten Schichten.
Denen blieb solch ein Spielzeug meist verwehrt.
Der Lack ist ab, der Name unkenntlich verblichen.
Am Rad hockt pickelhaft der braune Rost.
Mit heute tüv-geprüften Rollern sonst verglichen,
ist dieser alte Roller nur noch Holzwurmkost. Weiterlesen

Waschbrettgedanken

p1160060Waschbrettgedanken

Wieder mal wurde ich schwach –
ob ich darüber wein oder lach –
das steht auf einem anderen Blatt.
Ein ziemlich altes Waschbrett hat
es mir, armen Sammler angetan.
Oh Mann, o Mann!
Ich besitze es nun für ein bisschen Geld.
Es revolutioniert kaum meine Welt.
So ein großes Kerbholz hatte ich noch nicht.
Dieses Werkstück nun zu mir spricht.
In diese Holzplatte sind waagerecht
handwerklich gar nicht so schlecht
Rillenreihen heraus gestochen –
so vor etwa fünftausend Wochen.
Diese ritzte wohl damals nur ein Mann.
Was anschließend danach jedoch begann,
das war, das wissen wir sehr genau
Wascharbeit ausschließlich für die Frau. Weiterlesen

Alteingeweckt

P1140025Alteingeweckt

In unserem Küchenkeller
geht manche Zeit kaum schneller.
Im Jahrzehntestaub ruht dort der Wein –
wird oft wohl kaum noch trinkbar sein.
Vielleicht macht uralt ein Bordeaux
die Geschmacksknospen im Mund noch froh.
Mit dem Wein spiel ich hier Lotterie:
denn die Prognose stimmt fast nie.
Manch Tropfen wird so hoch verehrt,
dass er die Erben später stört.
Eine zweite Küchenantiquität
im Wandregal vereinsamt steht.
In alten Gläsern erspäh ich braune Masse
verspricht mir kaum die Extraklasse.
Ich schau mir an, was drinnen steckt –
Urewigkeiten eingeweckt.
Im ersten Glas verweilen Birnen,
die nach der Lagerzeit erzürnen.
Daneben geduldigen sich Mirabellen –
die obersten mit dunklen Stellen.
In zwei Gläsern sind Pfirsiche eingemacht –
für Torten damals eine Pracht.
Als letztes find ich Kirschen konserviert,
deren Rot sich ganz im Saft verliert.
Stammt manches Glas von Muttern noch?
Die Frage kümmert mich dann doch.
Kann man das Obst nach so vielen Jahren
als Nahrung wohl noch offenbaren?
Das alte Gummi ist ganz porös,
reißt ab und macht mich fast nervös.
Dann nehme ich eine Messerklinge
und hoffe, dass es mir gelinge,
den Unterdruck nun aufzuheben.
Zielfixiert wird ich nicht aufgeben.
Da plötzlich macht das Ganze zisch.
Das offene Glas kommt auf den Tisch.
Ein Löffel der ist schnell zur Hand.
Ich nehm ein Stück erst mal vom Rand.
Ich schnupper – doch mit etwas Mut
da beiß ich zu – es schmeckt recht gut.
Das Pfirsicharoma kommt etwas herb.
Doch nicht etwa von dem Verderb.
Der Saft ist süß, gallertig dick.
Die Farbe goldig, richtig chic.
Über die Früchte Zucker gestreut
schmeckt dieses Obst sogar noch heut. Weiterlesen

Ganz außer Form

GebäckformGanz außer Form

Vor mir liegen Eisenteile,
die vor einer langen Weile
gut erfüllten ihren Zweck.
Innen garte oft Gebäck.
Wie eine Trompete dabei ganz klein
so sollte wohl das Plätzchen sein.
Zwei Schalen wurden zusammen gedrückt –
von Innen mit dem Teig bestückt.
Eine Klammer hielt die Form nun fest.
Die Ofenwärme macht den Rest.
Heut ist dies Teil ganz außer Form.
Die Zeiten änderten enorm.
Das Süße kommt aus dem Discount.
Der Kunde dort so richtig staunt.
Das Angebot scheint riesengroß
Die Industrie wird Bäckerschoß. Weiterlesen