Vogelfutter

Vogelfutter

Vogelfutter lassen solch rostige Spatzen links liegen.
Wie sie da so rumhocken da kriegen
sie bei Wind und Wetter eine verwitterte Haut,
die hübschhäßlich nach Alterspatina ausschaut.
Die beiden eisernen Gesellen sind lediglich Dekor.
Sie stellen eigentlich gar nichts vor.
Doch der Mensch glaubt,
die Natur sogar schmücken zu müssen.
Dabei sollte er eigentlich längst wissen,
eine intakte Natur braucht keinen leblosen Schmuck.
Oft wird sie verunstaltet ohne jeglichen Druck.

Bei den echten Vögeln wird die Futtersuche langsam schwer.
Sträucher und Bäume zeigen sich kahl und früchteleer. Weiterlesen

Novemberfeuer

Novemberfeuer

Wie unwirklich flirrt heut die Welt.
Herbstmüde Bäume sind aufgestellt
im frühen Morgenlicht,
in denen Feuer fast ausbricht.
Es meint, die Eichen brennen lichterloh.
Solch Farbengewalt sah ich bisher
noch nirgendwo.
Graudüsterer November verliert
sein Trauergesicht,
solange die entfernte Sonne
sich im Geäst heißglühend bricht.
So warm leuchtete noch nie
der greise Blätterverbund.
Der Birke fehlt schon längst ihr Bunt. Weiterlesen

Kaum mehr als eine Randerscheinung

Kaum mehr als eine Randerscheinung

Neben den weltgefährdenden Problemen
und denen, die wir im Alltag wahrnehmen,
neben allem, was irgendwie getan werden muss
kommen auch viele bedeutungsarme Dinge
immer hinein in den Lebenerlebnisfluss.
Wie oft ertappe ich mich immer wieder dabei,
dass ich Gegenständen mein Augenmerk verleih,
die mir auf den ersten Blick wenig zu erzählen haben –
Gegenstände ohne besondere Strukturen oder Farben.
Manchmal ist bei solch einer Art des Betrachtens etwas passiert,
dass sich jegliche Unansehnlichkeit plötzlich verliert. Weiterlesen

Winterwaffen

Winterwaffen

Mächtig aufgerüstet wurde über Nacht.
Der Frost hat Messer scharf gemacht.
Am Blattsaum sind Klingen aufgestellt.
Annähern sich nun schwierig stellt.
Hinter dem Gewirr von spitzen Lanzen
kann sich die Brennnessel gut verschanzen.
Ihre eigenen Waffen ruhen sanft.
Denn alle Blätter sind verkrampft,
seit Kälte sie eisig versteift
und sie mit Feinkristall bereift. Weiterlesen

Sanddornlese

Sanddornlese

Im Garten steht ein Sanddornstrauch
da landet nun manch hungriger Bauch.
Der Tisch ist hier noch reich gedeckt
Denn Frucht an Frucht am Zweige steckt.
Im Garten gibt´s nicht mehr viel zu holen.
Birnen und Äpfel sind verschollen.
Die meisten Beerensträucher sind längst leer
Im späten Sommer endete der Verzehr.
Kornelkirschen gab es dieses Mal viele.
Am Boden liegen Stein und Stiele.
Die Trauben vom süßen und wilden Wein
sind auch verdaut – so soll es sein.
Der Holunderbusch mit schwarzen Beeren
lockte sehr bald schon zum Verzehren. Weiterlesen

Ein Baum kann ziemlich schnell

Ein Baum kann ziemlich schnell

Ein Baum kann ziemlich schnell
sein Blätterkleid ausziehen.
Gestern war alles Laub noch sonnenhell,
als hätte es wohl lauter Gold geliehen.
Der Gingko steht an unseres Nachbarn Seiten.
Vor kurzem war sein Blattbehang noch grün.
Fast plötzlich änderten sich dann die Zeiten
Der ganze Baum nur noch im gelbsten Gelb erschien.
Was war das jetzt ein spätherbstliches Leuchten.
Von Blatt zu Blatt raschelte leis der Wind .
Nur stramme Windböen die scheuchten
die ersten Blätter von den Zweigen geschwind.
Dann kam zur Nacht nur kurz der Frost vorbei.
Er ließ so feines Eis zu weißer Zuckerhaut hier reifen.
Nun fühlen all die Blätter sich wie Blei
Ein leichter Hauch konnte sie vom Aste streifen. Weiterlesen

Galläpfelchen

Galläpfelchen

Wie Hexenwerk erschien mir das,
was ich als Kind schon oft entdeckte.
Die Unterseite eines Blattes zeigte etwas,
das meine Neugierde ziemlich weckte.
Da klebten Kugeln rund und grün,
wie von Geisterhand dort hin fixiert.
Im Herbst fingen sie sogar an zu glühen.
Ein Scharlachrot die Bäckchen ziert.
Heut nahm ich Herbstlaub in die Hand,
wollte Farbenvielfalt blicken.
Was ich dann plötzlich darin fand,
ließ Inneres bald wieder ticken.
Eine Eichengallwespe war der Grund
für das Kügelchen am Blatte.
Die Kinderstube wuchs ganz rund. Weiterlesen

Wie eines in dem anderen steckt

Wie eines in dem anderen steckt

Wie eines in dem anderen steckt,
das weckt
Neugierde beim Betrachten.
Messerschnitte machten
den Blick aufs Innere so frei
eigentlich ganz nebenbei.
Jetzt sah ich plötzlich Dinge
wie Porreeblätterringe,
die sich so schön umgreifen,
wenn sie im Herbst nun reifen.
Ganz ähnlich bei der Zwiebel:
sie legt enorm penibel
ihre Schalen dicht an dicht
bis zu der siebten Schicht. Weiterlesen

Kapuzinerkresse

Kapuzinerkresse

Kapuzinerkresse
esse
ich erst seit ein paar Jahren.
Da habe ich erfahren,
dass die schönen Blüten
nicht nur Salate vergüten.
Zuletzt durfte ich auf Tagetes kauen.
Ihre Bitterstoffe helfen verdauen.
Wenn man erstmals
die gelben Blüten schmeckt,
entdeckt
das Zungenepithel Geschmäcker
jenseits von einfach und lecker.
Auch Gänseblümchen sind ein Genuss
nicht nur als Frühlingsgruß.
Ich kenne kaum das Pflanzenreich.
Es bietet mir trotzdem so reich
an vielfältigen Aromen,
die in Blatt und Blüte so wohnen. Weiterlesen