Letzte Liebe

Letzte Liebe

Gut eine Woche ist es her
da schien des Sommers Wiederkehr.
Flauschig weich die warmen Lüfte
Manch Herz noch einmal kräftig hüpfte,
weil die Sonnenstrahlen Hitze brachten.
Die blutroten Heidelibellen dachten:
Dieses ist die letzte Gelegenheit
für ganz intime Zweisamkeit.
Zu Mittag sah ich Hochzeitsflüge
im Minutentakt – wenn ich nicht lüge.
Die Weibchen tupften dann die Eier
zwischen Seerosenblättern in den Weiher. Weiterlesen

Der erste Reif

Der erste Reif

Als heute der Tag sein Licht erblickt,
hat kalte Nacht ersten Reif geschickt.
Gestern stand ich an der Brennnesselflur
sah eigentlich grünendes Blattwerk nur.
Die feuchte Luft, der nächtliche Tau
die brachten eisig etwas zur Schau,
was sonst dem Auge verloren blieb.
Der Reif nun feine Zeichen schrieb.
Obwohl die Blätter leicht angefroren
so erschienen sie wie neu geboren. Weiterlesen

Der Boden isst

Der Boden isst!

Am Ende stürzt die Frucht vom Baum.
Auch endet nun der Blätter Traum,
sich endlos weich im Wind zu wiegen.
Vom Zweig gebrochen viele liegen
als Gefallene im gemeinsamen Verbund.
Boden nimmt alles in seinen Mund.
Diese Streuschicht die verschlingt er bald.
Alles Abfällige lässt ihn nicht kalt.
Was hier die Erde reichlich bedeckt,
verschiedenen Essern richtig gut schmeckt.
Zwar holen Vögel sich noch von den Früchten,
die schimmelnd schon ins Jenseits flüchten.
Auch Ratten wittern ein Abendessen,
haben nagend vor den Quitten gesessen.
Doch nun kommt das Zersetzerkollektiv –
so mancher hat seinen Gesellenbrief
im Shreddern, Raspeln oder Schneiden. Weiterlesen

Ein Überlebender

Ein Überlebender

Nach den Sommerferien wartet bereits erstes Weihnachtsgebäck
in den Regalen aller Discounter – für viele ein Schreck.
Im frühen Herbst mehren sich dann die festlichen Produkte,
auf die man früher erst in der Adventszeit verführerisch guckte.
Ist dann am Weihnachtsfest endlich das Christkind geboren,
haben wohl sehr viele den Appetit auf Spekulatius längst verloren.
Auch die Blumenindustrie wittert jedes Jahr ihr gutes Geschäft.
Sie schreibt sich schon Monate im voraus die Vermarktung ins Heft.
In jedem Haushalt sollen wieder prächtige Weihnachtssterne stehen.
Da muss man rechtzeitig in die millionenfache Produktion gehen.
Nach Weihnachten oder im frühen neuen Jahr wird der Stern Müll.
Das ist und bleibt für den Blumenhandel auch immer sein Ziel.
Der Weihnachtsstern selbst würde gern weitere Feste erleben.
Nur dazu muss der Käufer ihm aber auch eine ehrliche Chance geben. Weiterlesen

Das alte Blatt

Ein altes Blatt

Ein altes Blatt wehte der Wind
so ganz geschwind
ins Haus hinein.
Es sollte so sein.
Da lag es nun ganz regungslos
Kein Hauch gab ihm einen weiteren Stoß,
um durch die Welt zu treiben,
mit anderen Blättern sich zu reiben.
Was mach ich mit dem Blatt?
Findet der Abtransport jetzt statt?
Werfe ich das welke, braune Stück
in die Außenwelt einfach zurück?
Es kann so nicht liegen bleiben.
Wir beide müssen voneinander scheiden.
Hier bleibst du einfach unschöner Schmutz.
Der nächste Zimmerputz
wird dich abfällig bald entsorgen.
Dir bleibt kaum Zeit bis morgen.

Wenn ich dich in den Garten bringe,
verändern sich schnell viele Dinge. Weiterlesen

Vom Werden und Vergehen

Vom Werden und Vergehen

Ich hatte Pilze für dieses Jahr längst abgeschrieben.
Bei anhaltender Dürre sind sie ratlos im Boden geblieben.
Verharrten dort sehnsüchtig auf ihr Lebenselixier –
all diese seltsamen Wesen zwischen Pflanzen und Getier.
Endlich lieferten dunkle Wolken ergiebige Güsse
Vertrocknete Bäche flossen wieder hinab in die Flüsse.
In verbrannten Wiesen kehrte saftiges Grün zurück.
Auch der Regenwurm fand im Erdreich sein altes Glück.

Es regnete weiter. Selbst der wasserferne Untergrund wurde nass
und im myzelreichen Bodenhorizont tut sich endlich was.
Pilze erwachen jetzt sehr schnell zur Fortpflanzungslust.
Zu Ende geht nun auch bei den Pilzliebhabern der Sammelfrust. Weiterlesen

Herbstastern

Herbstastern

Als hätte die Flora letzte Farbe bunt aufgemischt,
ehe dem späten Sommer die Strahlkraft erlischt,
da tupfen Astern noch rosa, violette Töne,
erfinden spät im Jahr erneut das Schöne.
Es heißt, Abschied zu nehmen, Ernte einzubringen
Bei soviel Buntheit will das nicht leicht gelingen.
Am Blütentisch verweilen nur noch ein paar Kunden
Schwebfliegen lassen es sich noch einmal munden. Weiterlesen