Tropfenküsse

Tropfenküsse

Ewig und drei Tage her ist der Tag,
an dem am Himmel etwas Graues lag.
Heute am Morgen war es endlich so weit
Feiner Nieselregen beendet die Trockenheit.
Ich spürte den ersten Regenstaub –
Noch raschelte knisternd vergängliches Laub.
Am Tage zuvor hatten die Winden gelacht
In der milden Brise haben sie gedacht,
der Sommer würde wohl nie vergehen.
Sie haben auch muntere Bienen gesehen.
Im Morgengrauen kam die Kaltfront daher
hatte Wolkendickicht gar regenschwer. Weiterlesen

Späte Winden

Späte Winden

Zehn Tage noch dann der November graut
Doch wenn mein Blick in den Vorgarten schaut,
dann glaube ich nicht an düstere Tristesse
Ein Windenmeer lockt vielmehr mein Interesse.
In wunderbar pastellierten Tönen
wollen hier Ranken die Augen verwöhnen.
Ganz groß, dabei hauchzart sind die Trichter,
in die fallen hinein nun die Sonnenlichter
Man glaubt, man schwebt im Sommertraum.
Doch herbstlich ist ja schon längst der Raum.
Wie kommt es nur zu den so späten Blüten?-
Sie müssen ein besonderes Geheimnis hüten.
Fürwahr da gibt es eine kurze Geschichte,
über die ich heute hier gern berichte.
Beim Aufräumen von einem maroden Bienenhaus
kam Liegengebliebenes wieder heraus. Weiterlesen

Nebeltücher

Nebeltücher

Wer webt hier nächtens weiße Bänder?
Wer haucht den Atem durch die Luft?
Wer schafft solch schwebende Gewänder?
– die feine Kunst, die jäh verpufft,
wenn Sonnenstrahlen sie durchdringt.
Der Schleier dann zusammenfällt,
als würd der Nebel ausgewringt –
und wieder blank wird diese Welt.

Nebel erfüllen weich den Raum.
Dass Wasser schwebt, man sieht es kaum.
Wie klein muss erst ein Tröpfchen werden,
das es nicht fällt gleich auf die Erden? Weiterlesen

Oktoberlibellen

Oktoberlibellen

Viel Birnenlaub fällt buntgegerbt
Herbstastern lila grüßen
Der wilde Wein heiß durchgefärbt
Walnuss rollt mir zu Füßen.
Die Sonne bricht durch Wolkenspalt
erhellt den müden Garten.
Bald tanzt die erste Lichtgestalt
und kann es kaum abwarten,
bis noch ein Tier hier kurvt und kreist.
Oktoberlibellen balzen spät.
Stare sind noch nicht abgereist
Ein Rabenvolk laut mit sich kräht.
Am Teich ist heute recht viel los. Weiterlesen

Vor dem Fall

Vor dem Fall

Das meiste ist längst weggefegt.
An manchem Ast wird noch bewegt,
was lang den Baum in Grün bekleidet,
sich mehr und mehr nun unterscheidet
von einstiger, frischer Jugendzeit.
Zum Fallen ist das Blatt bereit.
Das Sonnenlicht dunstweich getönt
den Abschied heute sehr verschönt.
Blätterleiber sanft durchstrahlt
werden im Leuchten bunt durchmalt.
Ob Orangengelb oder lichtes Braun
die Blätter sind hübsch anzuschauen. Weiterlesen

Erdsterne

Erdsterne

Zu den Himmelsternen kann ich nicht einfach greifen
Doch hinten im fernen Garten da reifen
seit Wochen nicht wenige Erdsterne heran.
Diese Bauchpilze ziehen mein Interesse an.
In klaren Nächten hoch oben unendlich weit
funkeln viele Sterne fast wohl eine Ewigkeit.
Ihre Herkunft kann ich kaum richtig deuten.
Das überlass ich lieber forschenden Leuten.
Ganz anders zeigt sich mir da schon die Bodenwelt.
Ein Erdstern gerade in seinem Gewebe zerfällt.
In der Mitte liegt ein dünnhäutiger Ball.
Der öffnet sich einmal mit sehr leisem Knall.
Sporen fliegen dann hinaus in die weite Welt,
damit dieser Erdstern hoffentlich Nachwuchs erhält.
Wie Sterne sich vermehren, dazu kann ich nichts sagen.
Ich müsste erneut wieder Wissende fragen.
Den Erdsternen bin ich erstmals begegnet.
Es hat diesen Sommer hier genügend geregnet,
dass der Bauchpilz mir zeigt seine hübsche Rosette –
hinten im Garten an unspektakulärer Stätte. Weiterlesen

Besuch einer Zucchini

Besuch einer Zucchini

Heut hab ich bei einer Zucchini hereingeschaut.
Von außen kannte ich bloß ihre Haut.
Geschmort wirkte sie immer ohne Halt.
Essigsauer kannte ich sie kühlschrankkalt.
Um bei ihr hereinzukommen,
hab ich mir ein scharfes Messer genommen.
Einen glatten Schnitt machte mir die Klinge
und ich erblickte gleich viele feine Dinge.
Drei Stuben besitzt meine Zucchini nur.
Mehr gibt es hier nicht, so will es die Natur.
In den Kammern wachsen Samen heran –
werden vielleicht neue Pflanzen irgendwann.
In zwei Reihen reift Zukunft in großer Zahl.
Doch diese Zucchini sie köchelt einmal
in einer Suppe mit andren Gemüsen vereint. Weiterlesen

Ein Kirschenblatt

Ein Kirschenblatt

Ein Kirschenblatt
liegt platt
im Gartenteich.
Sogleich
kommen Schnecken
aus allen Ecken
raspeln mit scharfer Zunge
das nicht mehr ganz so junge
Teil vom Kirschengeäst
ein Schlemmerfest
für Schlamm- und Tellerschnecke.
Auf der Kirschblattdecke
liegt überall Kot:
Zeichen fehlender Hungersnot.
Vom Blatt wird nicht viel bleiben
durch Einverleiben.
Viele Tiere fressen
gern beim Falllaubessen.
Alles Gewebe, alle Haut
werden verdaut. Weiterlesen

Blattblut

Blattblut

Die süßen Trauben sind schon längst verspeist,
Drosselmitesser ebenfalls verreist.
Doch kann der Rebstock noch einmal verschenken,
wenn wir dabei an seine Herbstblätter nur denken.
Was im Oktober mittendrin im Blatt passiert,
wie sich das Bild von Tag zu Tag noch mehr verziert,
das ist schon einer Betrachtung wert –
Schönheit sich schwelgerisch vermehrt.
Ich halte Rebblätter so ganz direkt ins Sonnenlicht,
bis sich Gestrahle in den Zellen bricht.
Grüne Gewebeteile springen urplötzlich grell ins Rot.
So fröhlich bunt färbt selten sich sonst Tod.
Die alten Blätter scheinen innerlich zu bluten.
An vielen Stellen will hier Rot breit fluten.
Aus einem winzig kleinen ersten Areal
schießt bald das Feuer wild als heißer Strahl.
Zwischen Grün und Rot scheint es an Farben nichts zu geben. Weiterlesen

Abschlussball

Abschlussball

Der Ballsaal wird prachtvoll erleuchtet.
Vögel musizieren vom Rande her.
Morgendunst hat Schilf befeuchtet.
Die Sonne schlürft die Tropfen leer.
Wo aufgespielt, da will man tanzen
Ein Mückenschwarm hüpft auf und ab.
Auf wenn verwelkt, vergilbt die Pflanzen
kommt jetzt die Laune bald auf Trab.
Die Wasserjungfern, die Libellen
stürmen liebestoll nun das Parkett.
Über den an sich ruhigen Wellen
wird Rendezvous bald ziemlich nett.
In wilden Kurven, steilen Stürzen
jagt Libellenmann die Jungfer heiß. Weiterlesen