Ertrunkene Tälern

Ertrunkene Täler

Von oben herabschauen sollte man oft nicht –
doch manches erscheint dort in einem anderen Licht.
Ich war mal wieder einer von vielen Überfliegern
mit Wanderschuhen an den unteren Gliedern.
Die Insel Madeira war das fernbegehrte Ziel.
Doch die flache Februarmorgensonne fiel
kurz nach dem Abflug auf eine bizarre Wasserfläche,
über die ich aus luftiger Höhe an dieser Stelle spreche.
Ein eher kleiner Stausee wurde gerade überflogen.
Er war wie mit Silberglanz überzogen.
Frühe Wolkengeburten oder duftige Nebelschlieren
sich etwas im Spiegelbild schmutzig verlieren.

Drei ertrunkene Täler wurden zum Stausee gezwungen –
erstickt sind hier die atmenden Lungen
der springenden Bäche,
die eilig den Quellen entfliehen.
Im Stausee nur müde Wellen vom Winde her ziehen.
Naturoriginalität der Wasserläufe ist hier entstellt.
Trinkwasser oder Wasserkraft das bringt nun Geld.
Drei Täler bilden einen See – Touristen finden das schön.
Sie können sich an der Idylle
immer wieder kaum satt sehen.
Was einst hier zehntausend Jahre ohne Kummer lebte,
genau wie wir in eine glückliche Zukunft strebte,
das ertrank abrupt in einem See,
den ich von oben herab gerade seh.

Aus der Mitte

P1130469Aus der Mitte

Aus der Mitte streben Kreise
machen sich bald auf die Reise.
Um an Weite zu gewinnen,
muss ein erster Schritt gelingen.
Wer gern in der Mitte lebt,
selten zu den Rändern strebt.
Wie ein Tropfen zu Wasser fällt,
sich die Oberfläche wellt,
um größere Ringe zu beschreiben,
müssen sie ins Uferlose treiben.
Wenn wir einen Kirchturm erspähen,
wollen wir die Stadt dazu sehen.
In deren Herz zieht es uns hinein.
Dort soll es wohl am schönsten sein.
Tief in der Mitte ruht die Frucht,
die man durch alle Schalen sucht.
Die Mitte kann so gut beschützen.
Das Kind springt mitten in die Pfützen.
Mitten im Jahr steht die Sonne im Zenit
bringt allergrößte Wärme mit.
Mitten im Leben wollen wir stehen,
selbst wenn wir schon am Stocke gehen. Weiterlesen