Der Boden isst

Der Boden isst!

Am Ende stürzt die Frucht vom Baum.
Auch endet nun der Blätter Traum,
sich endlos weich im Wind zu wiegen.
Vom Zweig gebrochen viele liegen
als Gefallene im gemeinsamen Verbund.
Boden nimmt alles in seinen Mund.
Diese Streuschicht die verschlingt er bald.
Alles Abfällige lässt ihn nicht kalt.
Was hier die Erde reichlich bedeckt,
verschiedenen Essern richtig gut schmeckt.
Zwar holen Vögel sich noch von den Früchten,
die schimmelnd schon ins Jenseits flüchten.
Auch Ratten wittern ein Abendessen,
haben nagend vor den Quitten gesessen.
Doch nun kommt das Zersetzerkollektiv –
so mancher hat seinen Gesellenbrief
im Shreddern, Raspeln oder Schneiden. Weiterlesen

Vom Werden und Vergehen

Vom Werden und Vergehen

Ich hatte Pilze für dieses Jahr längst abgeschrieben.
Bei anhaltender Dürre sind sie ratlos im Boden geblieben.
Verharrten dort sehnsüchtig auf ihr Lebenselixier –
all diese seltsamen Wesen zwischen Pflanzen und Getier.
Endlich lieferten dunkle Wolken ergiebige Güsse
Vertrocknete Bäche flossen wieder hinab in die Flüsse.
In verbrannten Wiesen kehrte saftiges Grün zurück.
Auch der Regenwurm fand im Erdreich sein altes Glück.

Es regnete weiter. Selbst der wasserferne Untergrund wurde nass
und im myzelreichen Bodenhorizont tut sich endlich was.
Pilze erwachen jetzt sehr schnell zur Fortpflanzungslust.
Zu Ende geht nun auch bei den Pilzliebhabern der Sammelfrust. Weiterlesen

Verflechtungen

Verflechtungen

Wenn Algen auf Pilze,
Pilze auf Bakterien zugehen,
kann etwas Neues
aus ihnen entstehen.
Irgendwann wurden diese Liaisonen perfekt,
haben Flechten für sich
diese Welt entdeckt.
Die neuen Wesen wachsen nun
an fast allen Stellen.
All ihre Zellen
stammen aus zwei verschiedenen Quellen.
So sind Flechten
irgendwie halbe Pflanzen.
Als halbe Pilze besitzen sie Zwitterformat.
Manche Grün- oder Blaualge hat
sich über eine Pilzbekanntschaft
zur Flechte vereint. Weiterlesen

Frische Pilze zu Weihnachten

Frische Pilze zu Weihnachten

Nach so zermürbenden Dürrezeiten
regnete es in gefühlten Ewigkeiten.
Der Boden ist wie ein Schlammpudding nass.
Nur noch überlaufen kann jedes Regenwasserfass.
Heute morgen reißt endlich die Wolkenfront auf.
Ein freundlicher Tag nimmt seinen Lauf.
Mit dem Hund geht es in den nahen Wald.
Die Luft fächelt weder warm aber auch nicht kalt.
Herbstlaub liegt am Boden – so schwer wie noch nie.
Von den nackten Ästen tropft letzte Zeremonie.
Mir zu Füßen liegt ein verstorbener Stamm
dicht übersät von frischen Pilzen – fast wie ein Kamm
sehe ich die Lamellen übereinander gelegt. Weiterlesen

Erdsterne

Erdsterne

Zu den Himmelsternen kann ich nicht einfach greifen
Doch hinten im fernen Garten da reifen
seit Wochen nicht wenige Erdsterne heran.
Diese Bauchpilze ziehen mein Interesse an.
In klaren Nächten hoch oben unendlich weit
funkeln viele Sterne fast wohl eine Ewigkeit.
Ihre Herkunft kann ich kaum richtig deuten.
Das überlass ich lieber forschenden Leuten.
Ganz anders zeigt sich mir da schon die Bodenwelt.
Ein Erdstern gerade in seinem Gewebe zerfällt.
In der Mitte liegt ein dünnhäutiger Ball.
Der öffnet sich einmal mit sehr leisem Knall.
Sporen fliegen dann hinaus in die weite Welt,
damit dieser Erdstern hoffentlich Nachwuchs erhält.
Wie Sterne sich vermehren, dazu kann ich nichts sagen.
Ich müsste erneut wieder Wissende fragen.
Den Erdsternen bin ich erstmals begegnet.
Es hat diesen Sommer hier genügend geregnet,
dass der Bauchpilz mir zeigt seine hübsche Rosette –
hinten im Garten an unspektakulärer Stätte. Weiterlesen

Fladenmetamorphose

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Als Plenter fiel er auf die Weide
so ganz nach unserer Kühe Art.
Nähe zum Fladen ich vermeide.
Solch Exkrement Interesse spart.
An Sommertagen tausend Fliegen
bedienen sich am braunen Brei.
Sie können kaum genügend kriegen.
Die ersten Fladen gibt´s im Mai.
Heut überrascht mich dieser Haufen.
Er trägt ein Silberhaartoupet.
Die Strähnen kreuz und quer verlaufen
Vom Fladen kaum ich noch was seh.
Der Haufen Kot ein Garten Eden
hier quirlen Pilze im Rekord. Weiterlesen

Fruchtkörperlose Zeiten

p1150857Fruchtkörperlose Zeiten

So trocken war der Boden lange nicht,
dass lehmige Erde rissig zerbricht.
Was wir bis dato Rasen nannten,
zeigt sich als Wüste der Verbrannten.
Das Gras liegt welk und braun dazu.
Auf Weiden hungert manche Kuh.
September ist sonst Sammelzeit
für Pilze, die als Köstlichkeit
mit ganz besonderen Aromen
manchem Gericht schmackhaft beiwohnen.
Doch Sammelkörbe bleiben leer
Nichts wird es aus dem Pilzverzehr.
Suchen ist keinen Pfifferling wert –
auch wenn dies Schwammerl so begehrt.
Nicht mal Boviste, braune Kappen
können die Erntehände schnappen.
Geklagt wird, dass die Pilze fehlen.
Was nicht da ist, kann keiner stehlen. Weiterlesen