Zur Ewigkeit erstarrt

Zur Ewigkeit erstarrt

Selten habe ich eine derart lebendige Felswand gesehen.
Ein Vulkan musste bersten – wie auf Madeira geschehen.
Millionen Jahre sind seither verstrichen.
Das Gestein ist nur wenig in seiner Farbigkeit verblichen.
Kein Grashalm, kein Mooskissen, kein Flechtenbart
kann ich aus der Ferne erkennen
– der Fels scheint zu hart.
Selbst der raue Wind und die tosende Gischt
haben keine Weichheit in die Steilwand gewischt.
Wie hat an dieser Stelle damals die Lava nur pulsiert –
drei Schlote aus der Tiefe das Relief nun verziert.
Was damals glühend, heißere wie flüssiger Stahl,
steht seitdem erstarrt als Naturdenkmal. Weiterlesen

Ponta de Sao Lourenzo

Ponta de Sao Lourenzo

Im Landeanflug auf das ferne Inselziel
sah ich bereits vom Spannenden sehr viel.
Aus dem Guckloch des Fliegers
auf den Auslöser gedrückt
hat mich der Anblick mehr als verzückt.
Von Wellen umtost, zerklüftet im Kliff
hat das Meer dieses Inselstück
fast wütend im Griff.
Tage später liefen meine Füße gerade hier,
wo ich im Schwindel meinen Mut fast verlier.
Steifschroff die Wände aus Lavagestein
stürzen oft senkrecht vor meinem Gebein.
Nichts läuft hier gerade, immer nur auf und ab
unzählige Stufen halten den Kreislauf auf Trab.
Grandiose Buchten , in denen die Gischt zerstäubt
haben meine Sinne minutenlang betäubt.
Wie anders ist diese Erde doch hier nur gebaut –
wenn zu Hause mein Blick in die Landschaft schaut,
seh ich Wiesen, Äcker und schon mal auch Wald.
Das Auge, das kennt das, Erstaunen bleibt kalt.
Hier bin ich fast plötzlich in einer neuen Welt.
Jeder Lavakrümel, jedes Pflänzchen mir sichtlich gefällt.
Meine Blicke sind gierig den Schritten voraus.
Eigentlich will ich schon längst nicht mehr
wieder zurück nach Haus.
Ich fühl mich wie im Kino mit
Cinemascope, Dolby-Surround
Ponta de Sao Lourenzo
im wogenden Meeressound.