Algarve

Algarve

Kalkiges Gestein im Clinch mit dem Meer
bringt phänomenalen Küstenzauber her.
Ewiglich frisst sich hier Wellenkraft
tief in die Felsen, bis sie es schafft,
diese zu höhlen und gänzlich zu bohren,
Grotten zu bauen mit riesigen Toren.
Als hätte der Atlantik Orakel gebaut
Mystisch, fast heilig manch Höhle ausschaut.
Türkisblaues Wasser schwappt unentwegt,
brandet an die Wände, bis es sich zerlegt
in sanftere Wellen, die die Seiten berühren,
um hier nur zu weicheren Formen zu führen.
Zerlegter Felsen zertrümmert zu Sand.
Ich beuge mich nieder und streichle den Strand.
Zerschundene Felsen durch Gezeiten geprägt
hat weiches Wasser schroff hier zersägt. Weiterlesen

Muschelmeer

Muschelmeer

Warum liebe ich so die brausenden Wellen,
die im Strandsand berstend in sich zerschellen?
Weshalb erfüllt mich der unendliche Horizont,
der von tiefster Sonne so feurig besonnt?
Meia Praia heißt dieser faszinierende Flecken,
wo ausufernde Wasser Muschelschalen belecken.
Eigentlich nur tote Skelette kalkmanifestiert
sind sie durch Fluten an den Strandsand saltiert.
Ein Meer halber Schalen bezeugt altes Leben.
Im tieferen Wasser wird es Natürliches geben.
Venus- und Herzmuscheln sind aufs Engste vereint.
Dezembermorgensonne mild auf sie scheint.
Als Stillleben am Strand tost es hier richtig laut.
Die Front frischen Wassers stetig Walzen aufbaut.
Auch im Alter das Sammlerherz mitunter erwacht.
Durch schönste Conchylien die Begierde erwacht. Weiterlesen

Vor Anker liegen

Vor Anker liegen

Vor Anker liegen,
sich sicher wiegen,
schenkt Ruhe und Frieden.
Beschieden
ist das nur einem Teil.
Dem ist die Welt heil.
Ausgebootet
in Armut gelotet
lebt eine dritte Welt
fast ohne Geld.
In diesem Hafen
schlafen
Fischerboote zumeist.
Leider beißt
kaum noch ein Flossentier
im Wasser hier.
Gleich nebenan
ziehen Luxusyachten in den Bann.
Sauber und gepflegt
werden sie gehegt
vom Personal
für den Fall,
dass der Besitzer will auf die See
mit Champagner zum Tee. Weiterlesen

Haubenlerchen

Haubenlerchen

Eigentlich war es ein Stück Unland.
Denn niemand zur Zeit wohl fand
eine Nutzung für dieses karge Erdenstück.
Nicht nur ein Vogel fand hier sein Glück.
Weit nach Südeuropa musste ich reisen,
um solch eine Brache ehrlich zu preisen.
Stand an diesem Ort irgendwann ein Haus?
Wann kamen die Planierraupen heraus?
Wurde alles dem Erdboden gleich gemacht –
damit die Natur wieder kommt und langsam lacht?
Spärlich sprießt etwas an Vegetation.
Doch Nacktheit der Erdhaut überwiegt schon.
Solche lückenhaften Bodenstellen
entwickeln sich ähnlich wie Quellen.
Aus der freien Erde quillt Lebensraum –
für manche Arten erfüllt sich ein Traum.

Ein paar Haubenlerchen traf ich an diesem Ort.
In meinen Erinnerungen flogen sie schon lange fort.
Als Kind sah ich sie in unserem Baugebiet –
dort, wo man zu der Zeit noch Häuser vermied. Weiterlesen

Ruinierte Kunst

Ruinierte Kunst

Dachlos ein alter Schuppen steht
vom nahen Meer ganz windumweht.
Ein Stück vom Hafen ruht sich aus.
Nutzlos erscheint der Rest vom Haus.
Seit Jahren schläft hier das Objekt
Gemäuer, das beinah erschreckt.
Sein Putz bricht ab, die Haut ergraut.
Wer weiß noch, wann es wurd erbaut?
Weil es wohl niemanden hier stört,
sich keiner über Kunst beschwert,
da haben Sprayer Wand für Wand
spontan gestaltet Hand in Hand.
In bunten Lettern wird geschrieben.
Das Alte wird zeitabgerieben.
Das Neue leuchtet frisch und grell Weiterlesen

Fundstück – von Rosa Cota

Rosa CotaFundstück
von Rosa Cota

Ein merkwürdiger Trödelfund
wirkte naiv und ziemlich bunt.
Er sah aus wie ein plumpes Boot
Der Boden innen feuerrot.
Im Boot da knieten zehn Gestalten –
die meisten ihre Hände falten.
Da waren alte Männer, Frauen,
die ernsthaft in die Weite schauen.
Ein junger Engel in der Mitten
und Kinder, die die Ohren hielten.
Dazu stand auch noch ein Altar –
ob dies wohl eine Kirche war?
Ein Kreuz lag vorne in dem Boot
darauf ein Christus leiblich tot.
War dies ein Höllenfegefeuer?
Das Ganze reichlich ungeheuer.
Das Kunstwerk war geformt aus Ton.
Am Boden lag hier Gottes Sohn.
Was sollten die Gestalten hoffen?
Für mich blieb alles ratlos offen. Weiterlesen