Am Brunnen

Am Brunnen

Am Brunnen vor
oder hinter dem Tore
gedichtgesprochen
oder gesungen im Chore –
am Brunne trifft man sich sehr gern.
Ein Brunnen steht oft mitten im Kern
eines Hofes, eines Dorfes, einer Stadt,
weil frisches Wasser Bedeutung hat.
Nicht selten ist des Brunnens Stelle,
Ort einer immer fließenden Quelle.
Hier baut der Mensch gern seine Hütten,
so lang hier Wasserwellen schütten.
Der Brunnen wird Symbol für Leben,
will Durstigen zu trinken geben.
Wer in den Brunnen Gifte gibt,
die höchste aller Strafen kriegt. Weiterlesen

In den Höhlen

In den Höhlen

Wenn dich eine muntere Quelle
könnt verschlucken ganz und gar,
stürzt du ab in dunkler Welle
tiefen Wassers kalt und klar.
Dort ist alles Licht verloren.
Wasser treibt hier spiegellos.
Hinter vielen dunklen Toren
werden kleine Dinge groß.
Fern vom quicklebendigen Treiben
sind die Höhlen abgerückt.
Länger musst du schon verbleiben,
bis ein Zugang dir wohl glückt.
Ganz von Finsternis umnachtet
wandern Tiere blind und bleich.
Wer den Höhlenkrebs betrachtet,
steht vor einem neuen Reich. Weiterlesen

Immer im Fluss

Immer im Fluss

Zaghaft tröpfeln, schüchtern fließen
Quellgeburt oft ärmlich klein,
aus der Tiefe kühl ergießen
Wasser will so flüchtig sein.
Kaum aus Finsternis entlassen
wird der Born im Stürzen schnell.
All die frischen Wassermassen
blinken jugendlich ganz hell.
Aus der Quelle wird der Quellbach
Sein Geschütt rinnt weiter kühl.
Leidenschaft wird langsam wach.
In den Wassern tanzt mehr Spiel.
Steine rollen, Blätter treiben
übern Ast die Welle springt.
Wasser will sich innig reiben,
wogenhaft es gerne singt.
Aus den engen Nachbarschluchten
gießt sich ein so mancher Bach. Weiterlesen

Vom Eise befreit

Vom Eise befreit

Tief beschneit liegt alles dar.
Reif verzuckert Knospenspitzen.
Schneidend kalt, die Luft klirrt klar.
Frost sticht in die letzten Ritzen.

Alles Leben scheint erfroren.
Mäuse kriegen rote Ohren.
Pflanzen halten strengste Ruh,
denn der Winter deckt sie zu.

Horch, was gurgelt, flüstert leise
unter mächtig starkem Eise
plätschert helle Melodie
klare Töne – hörst du sie? Weiterlesen

Im Vorbeigehen

Im Vorbeigehen

Dieser Quell am Wegesrand
blieb bisher noch unbekannt.
Allzu viel gibt´s nicht zu sehen,
also heißt es weitergehen.
Die kleine Quelle trägt Morast.
Dunkelbraun steckt toter Ast,
der mit seinem morschen Rumpf
ragt zur Hüfte tief im Sumpf.

Rein und sauber ohne Tadel
ohne Abfall, faulem Schlick
wohlgeboren mit viel Adel
auserkoren muss der Quick.
Quellen schön wie junge Damen
vornehm, blass und meistens kühl
fragt man sie nach ihren Namen
spürt man erstes Zartgefühl. Weiterlesen

Quellgeflüster

Quellgeflüster

Überaus vorsichtig
tasten sich
dünnhäutige Wasserfilme
an das Licht des Tages.
Sie lecken durch feinste Ritzen,
durchstöbern mit weicher Berührung
viel Herbstgerümpel
im lichter werdenden Buchenwald.
Ein morschmodriger Ast
liegt allem Fließen quer.
Pulsierende Spuren
zerspleißen zu Adern,
weichen Hindernissen aus,
um sie dann
sanft zu umspülen.
Irgendweit klingeln
kristallene Tropfen
stürzen als hellblanke Töne
in den gehöhlten Stein. Weiterlesen

Klein aber fein

27-koecherfliegenlarveKlein aber fein

Ein ziemlich zartes Larventier
wohnt gern an dunkler Stelle.
Triefnasses Laub, das zeigt auch dir
den Geburtsort: eine Quelle.
Aus einem Köcherfliegenei
schlüpft hier am kühlen Ort
ein Winzling in dem Blätterbrei,
will köchern ab sofort.
Die allerfeinste Seide nur,
das Lärvchen spinnt sie bald
zu einem dünnsten Kleide pur.
Im Wasser ist`s so kalt.
Doch schützt dies Traumgewande
den weichen Körper kaum.
Verklebt werden nun Sande
am Seidenmantelsaum. Weiterlesen

Quelle – wo bist du?

P1040105Quelle – wo bist du?

Ganz irgendwo traf ich auf diesen Stein
sah ganz so aus, als läge dort Gebein.
Nein, dieser Ort war Gottesacker nicht.
Durchs Buchendach fiel nur gedämpftes Licht.
Das Kupferschild ein wenig oxidiert,
auf dem ist „Quelle“ eingraviert.
In schönster Schreibschrift les ich das –
doch diese Stelle –
alles andere als nass.
Hat irgendwer sich einen Scherz erlaubt?
Ist aller Wasserstrahl hier fortgeraubt?
Wo plätschert hell und gütig nur die Quelle?
Wo ist der Ort der feuchten Wasserstelle?
Ich denke grübelnd lang darüber nach.
Fließt in der Nähe wohl ein kleiner Bach,
der mich – gegen den Strom – zur Quelle bringt –
wo mir des Rätsels Lösung dann gelingt?
Vielleicht floss hier vor ahnenalter Zeit
das Wasser sprudelnd voller Köstlichkeit. Weiterlesen

Im Hang

P1120212Im Hang

Aus felsenharter Brust da quillt
ein Wässerchen ganz zart verspielt.
Am kalten Stein, der quer gestellt
die Flüssigkeit sich hüpfend wellt.
Das frühe Lied der Wasserspur
kennt helle Töne nur in Dur.
Zwei Meter ist der Weg fast nackt-
dann wird der Strahl vom Moos umpackt.
Vom grünstem Blattwerk rollen Tropfen.
Nichts will die Freiheit hier verstopfen.
Was dann sich zeigt, ist wunderschön
im jungen Mai jetzt anzusehen.
Wo quellig Wasser ständig dringt,
ist es von Milzkraut weich umringt.
Das blüht zur Zeit grüngolden fein-
gestreichelt durch den Sonnenschein.
Den Buchenriesen fehlen noch Blätter.
Die Knospen sprengen bei schönem Wetter
in ein paar Tagen erstes Grün ans Licht.
Dann ändert sich das Quellgesicht. Weiterlesen

Ein Bach

Werther QuelleEin Bach

Ein Bach
wird aus der Tiefe wach.
Aus irdenem Schoß
Wasser abfloss –
die offene Stelle
eine Quelle.
Kalt und klar
seit 10 000 Jahr
rinnt ein magerer Strahl
stetig ins Tal.
Aus der Unterwelt
da hält
sich kaum ein Tier
im ersten Lichte hier.
Wer hier lebt
am Moos oder Steine klebt,
ist mit Wenigem zufrieden.
Kieselalgen werden abgerieben.
Ein morsches Blatt wird verdaut,
Totholz zerkaut.
Die Lebensraumstube
ist oft eine kühle Wassergrube
ausgewaschen aus dem Stein
aber ungemein rein. Weiterlesen