Quelle – wo bist du?

P1040105Quelle – wo bist du?

Ganz irgendwo traf ich auf diesen Stein
sah ganz so aus, als läge dort Gebein.
Nein, dieser Ort war Gottesacker nicht.
Durchs Buchendach fiel nur gedämpftes Licht.
Das Kupferschild ein wenig oxidiert,
auf dem ist „Quelle“ eingraviert.
In schönster Schreibschrift les ich das –
doch diese Stelle –
alles andere als nass.
Hat irgendwer sich einen Scherz erlaubt?
Ist aller Wasserstrahl hier fortgeraubt?
Wo plätschert hell und gütig nur die Quelle?
Wo ist der Ort der feuchten Wasserstelle?
Ich denke grübelnd lang darüber nach.
Fließt in der Nähe wohl ein kleiner Bach,
der mich – gegen den Strom – zur Quelle bringt –
wo mir des Rätsels Lösung dann gelingt?
Vielleicht floss hier vor ahnenalter Zeit
das Wasser sprudelnd voller Köstlichkeit. Weiterlesen

Im Hang

P1120212Im Hang

Aus felsenharter Brust da quillt
ein Wässerchen ganz zart verspielt.
Am kalten Stein, der quer gestellt
die Flüssigkeit sich hüpfend wellt.
Das frühe Lied der Wasserspur
kennt helle Töne nur in Dur.
Zwei Meter ist der Weg fast nackt-
dann wird der Strahl vom Moos umpackt.
Vom grünstem Blattwerk rollen Tropfen.
Nichts will die Freiheit hier verstopfen.
Was dann sich zeigt, ist wunderschön
im jungen Mai jetzt anzusehen.
Wo quellig Wasser ständig dringt,
ist es von Milzkraut weich umringt.
Das blüht zur Zeit grüngolden fein-
gestreichelt durch den Sonnenschein.
Den Buchenriesen fehlen noch Blätter.
Die Knospen sprengen bei schönem Wetter
in ein paar Tagen erstes Grün ans Licht.
Dann ändert sich das Quellgesicht. Weiterlesen

Ein Bach

Werther QuelleEin Bach

Ein Bach
wird aus der Tiefe wach.
Aus irdenem Schoß
Wasser abfloss –
die offene Stelle
eine Quelle.
Kalt und klar
seit 10 000 Jahr
rinnt ein magerer Strahl
stetig ins Tal.
Aus der Unterwelt
da hält
sich kaum ein Tier
im ersten Lichte hier.
Wer hier lebt
am Moos oder Steine klebt,
ist mit Wenigem zufrieden.
Kieselalgen werden abgerieben.
Ein morsches Blatt wird verdaut,
Totholz zerkaut.
Die Lebensraumstube
ist oft eine kühle Wassergrube
ausgewaschen aus dem Stein
aber ungemein rein. Weiterlesen

Quellfrischer Fingerzeig im Eckenbachtal

QuellschneckenQuellfrischer Fingerzeig im Eckenbachtal

Zehn kleine Schnecken kleben
an meinem Zeigefinger.
Seit Ewigkeiten leben
die klitzekleinen Dinger
in dieser Quelle nah am Rand
von einem Waldesstück.
Was ich dort sonst noch fand,
ist einfach Wasserglück.
Im tiefen Grund gekühlt
schüttet die Wasserspende.
Die kleine Welle spült
mir gerade nass die Hände.
In kalter Wasserstube
liegt brüchiges Gestein.
Am Rande eine Grube.
da suhlt schon mal ein Schwein.
Geäst in kurzen Trümmern
dazu noch Falllaubfracht
das Moos beginnt zu schimmern,
wenn Frühlingssonne lacht.
Hier plätschert leis das Leben –
schon tausend Jahre lang.
Seide zum Köcherweben
Netze zum Beutefang,
brauchen hier Köcherfliegen.
Die Strudelwürmer meiden Licht
Am glatten Stein sie schmiegen:
schwarze Leiber dicht an dicht. Weiterlesen

Die kleine Quelle

QuellchenDie kleine Quelle

Sie ist so unspektakulär.
Gibt immer nur sparsam ihr Wasser her.
Sie murmelt tief im Walde versteckt
Quillt durch Gestein und erscheint fast verdreckt.
Im Wasserbettchen liegt Unrat reich –
Da wird das alte Buchenblatt weich.
Auch moderndes lang totes Holz
Macht diesen Ort nur wenig stolz.
Moosbäckchen bringen immerhin
Auf Stein gewachsen zartes Grün.
Die Quelle hat kaum was anzubieten
Ein ärmlicher Lebensraum voller Nieten.
Und dennoch wird sich die Nähe lohnen;
Denn in dieser Quelle aufs Innigste wohnen
Seltsame Arten recht fein verteilt –
Die eine mags ruhig – die andere sehr eilt.
Fast zehntausend Jahre sind seither verflossen
Die Quelle sie tröpfelt – hat niemals gegossen.
Stets neue Wellen speisen nach und nach,
Was weiter nach unten ergänzt sich zum Bach. Weiterlesen

Schöpfungen

WasserspiegelSchöpfungen

Du Quelle
Wallst seit langer Zeit.
Im Wasser spiegelt Ewigkeit.
Der dich einst schuf –
Was blieb denn nur
Von des Schöpfers Spur?
Sein Wasserruf
Ist längst verhallt –
Kein Echo schallt.
Du Quelle treibst
Und schreibst
Nur flüsternd leise
Wellenkreise.
Du spendest
Fließend Segen.
Auf ausgewaschenen Wegen
Findest du
Zu dir selbst.
Du Quelle
Willst immerzu beginnen
Und im Zerrinnen
Quillt vieles neu.
Alles innig berühren,
Kräfte aufspüren
Bleibt deine Mission
Im Lebenston. Weiterlesen

Quellzoologie

SchmetterlingsmückeQuellzoologie

Die ersten Worte deren Silben
Gehören winzig kleinen Milben.
Sie krabbeln flink und achtfach munter
Mal weißlichgrün mal etwas bunter.
Ganz ohne Beine mit glitschgem Fuß
Zeichnet die Quellschnecke zum Gruß.
Ein Deckel schließt ihr Häuschen zu –
So hat sie vorerst ihre Ruh.
Auf Augenhöhe kann sie tuscheln
Mit freundlichen Quellerbsenmuscheln.
Die buddeln flach in Schlamm und Sand
Gerieft ist zart die Schalenwand.
Ein Hakenkäfer dieser Wicht
Schön langsam auf dem Steine kriecht.
Ein schwarzer Punkt – ganz ohne Eile –
Dem widme ich grad diese Zeile.
Der Alpenstrudelwurm ist platt.
Er meuchelt sich im Dunklen satt. Weiterlesen