Schöne Scheiße!

Schöne Scheiße!

Diese Redensart hat man schon mal auf der Lippe
und ist meist nicht so ernst gemeint – wie ich tippe.
Solch ein meist selbstironischer Fluch
sagt in seiner Kürze genug.
Spät in der vorletzten Nacht
hat die Himmelklarheit spät noch Frost gebracht.
Bei meinem früh morgendlichen Gang
hier und da etwas Reifzucker sprang
mir in die Augen und zwang
mich, näher hinzusehen,
um genau auszuspähen,
was der Frost so sonderlich schmückt
und meinen Rücken tiefer hinab drückt. Weiterlesen

Der Garten ruht

p1170805Der Garten ruht

Der Garten ruht
sich ziemlich aus.
Der Gärtner hockt
nun warm im Haus.
Der Boden fröstelt
Nacht für Nacht.
Das Eis hat Härte
ihm gebracht.
Es blüht nur wenig
noch im Beet.
Was dort verfroren
kläglich steht,
sind nur noch
Pflanzentrümmer.
Die Kälte macht`s
noch schlimmer.
Am Gartenteich
ist nichts mehr weich.
Die Eiseshaut
am Tage nicht taut. Weiterlesen

Eisprimula

p1170571Eisprimula

Der frühlingshafte, irritierende,
Wachstum stimulierende
Spätherbst ließ Primeln Blüten wecken.
In grünen Blätterherzen stecken
vorwitzig Knospenspitzen
lassen bunte Farbsäume blitzen.
Etwas mehr der Frühwintersonne
steigert noch die Öffnungswonne.
Blüten erfreuen zu jeglicher Zeit.
Ihr farbiges Kronenblätterkleid
will zur Liebe verführerisch locken.
Die Primel beginnt zu zocken.
Wenn die Wetterstimmung froh bleibt,
ja dann erlebt diese Pflanze
eine Dezemberblühchance. Weiterlesen

Eisrosen

p1140434Eisrosen

Voller Optimismus sind noch die Rosen
nicht so empfindlich wie die Mimosen.
Selbst wenn der November trauernd geht,
so manche Rose noch im Blütenfeuer steht.
Sogar einige Knospen, die Zeit noch brauchen,
wollen aus ihren duftigen Mund
noch Sinnliches hauchen.
Hält sich der späte Herbst mit Kälte zurück,
gibt es vor Weihnachten rosafarbenes Glück.
Letzte Nacht,
da hat der Winter einen kurzen Abstecher gemacht.
Die schirmenden Wolken
am Himmel auseinandergebracht.
So fiel viel Kälte auf Wiese, Feld und Garten.
Im frostigen Hauche die Blumen erstarrten.
Wie von Zauberhand wuchsen kristallene Spitzen.
Sie wollten auf Stängeln, Blättern und Blüten sitzen. Weiterlesen

Brennnesseln im Silberkleid

p1160393Brennnesseln im Silberkleid

So atemfeucht schläft Nachtbeginn.
Schwanger hängt Nebel schwer im Äther
Der Tageswechsel glitt dahin.
Das Mondlicht blinkt erst später.
Die Lüfte froren nach und nach
ließen Tröpfchen zart erhärten
und mit dem Licht vom neuen Tag
schmückt sich die Welt mit Bärten.
Mit feinsten Nadeln klar aus Eis
spiegelt sich Glanz in Spitzen –
sie krusten alles zuckerweiß
auf Blättern sie dicht sitzen.
Brennnesseln gestern noch saftgrün
sind völlig neu umkleidet. Weiterlesen

Zaungeflecht

p1160363Zaungeflecht

Wirkt ziemlich schlecht
dies Zaungeflecht.
Wer Akkurates liebt,
ja der vergibt
dem Handwerk nicht.
Der Draht verbricht
in krumme Schlingen.
Wird kaum gelingen,
den Zaun zu straffen.
Flüchtig geschaffen
fehlt immer die Zeit
für bessere Arbeit.
Mehr war wohl nicht drin –
machte auch keinen Sinn.
Draht bleibt
grob verleibt,
zusammen geklaubt –
jeder Feinheit beraubt. Weiterlesen

Zwölf Jahresringe

P1130806Zwölf Jahresringe

Heut hat der Reif
mit Eis schön eingedeckt
Neugierde wird kalt geweckt.
Der feine Frost
zeichnet perfekt,
hebt zart hervor,
was sonst versteckt.
Bei jedem Reif kristallisieren
die kleinsten Tröpfchen
sie verlieren
die Formarmseligkeiten
von Flüssigkeiten.
Durch das Erstarren
verharren
winterkühle
Moleküle
in gläsernen Gebilden –
manchmal mit wilden
Architekturen.
Frostspuren,
die meist nur –
so will es die Natur –
bald vergehen.
Wir sehen
schon ihr Ende bald.
Es bleibt ja nicht kalt.

Heut hat der Reif
zwölf Jahresringe ausgeschmückt. Weiterlesen