Start verschoben

Start verschoben

Start verschoben!
Dieser Befehl kam von ganz oben.
Eigentlich waren alle Samen flugbereit.
Doch dann änderte sich ihre Departurezeit.
Etwas Mairegen hat schon genügt,
dass diese Fallschirmflotte
erst mal am Boden liegt.
Es brauchte nur etwas frischen Wind –
gar nicht mal wie das himmlische Kind –
der hätte die wundervollen Flugkörper
einfach mit sich gerissen.
Kinderpustebacken früh schon wissen,
wie toll Löwenzahnsamen
fliegen, gleiten und schweben. Weiterlesen

Herbstschatten

Herbstschatten

Oktobersonnenstrahlen –
ein letztes Mal Sandalen –
goldgelbe Quitten brechen –
Wespen längst nicht mehr stechen.
Späte Libellen tanzen.
Sie haben kaum noch Chancen
für einen Hochzeitsflug.
Natur lebt auf Entzug.
Herbstblutige Blätter fallen
in kürzeren Intervallen.
Sie decken Boden zu.
Auch der kommt nun zur Ruh.

Wolkenbäuche schieben
den Regen, den sie lieben,
von Westen in den Osten
Plusterige Amseln kosten
Fallobst, das Esser braucht,
damit die Zukunft taugt. Weiterlesen

Im Regen

Im Regen

Ich steh vor einem Erdbeerblatt,
das gerade Wasser aufgefangen hat.
Der Juli war so lang tropfenleer
Nun klebt der Regen nass und schwer.
Nach all dem Staub im Sommerwind
erscheint dies Blatt fast wie ein Kind,
das eben frisch ins Bad getaucht,
weil es das reine Wasser braucht.

Nach der Entbehrung ohne Regen
will sich Erlösung endlich legen
auf das gestresste Erdbeerblatt –
ob es überhaupt Gefühle hat?
Kann eine Pflanze dankbar sein?
Wir glauben das wohl so zum Schein.
Wir projizieren Emotionen,
die bei uns tief im Innern wohnen
auch sogar in Pflanzen, nicht nur in Tiere,
in Kletterrose, Vogelmiere.
Die Pflanze selbst reagiert plausibel
auf Trockenheit oft sehr sensibel.
Wird jedoch ihr Durst genug gestillt,
zeigt sie zufrieden uns ihr Bild.

Tropfenküsse

Tropfenküsse

Ewig und drei Tage her ist der Tag,
an dem am Himmel etwas Graues lag.
Heute am Morgen war es endlich so weit
Feiner Nieselregen beendet die Trockenheit.
Ich spürte den ersten Regenstaub –
Noch raschelte knisternd vergängliches Laub.
Am Tage zuvor hatten die Winden gelacht
In der milden Brise haben sie gedacht,
der Sommer würde wohl nie vergehen.
Sie haben auch muntere Bienen gesehen.
Im Morgengrauen kam die Kaltfront daher
hatte Wolkendickicht gar regenschwer. Weiterlesen

Umwölkt

P1130603Umwölkt

Kaum etwas ist veränderlicher
als eine Wolke auf der Flucht.
Ihre Körperform immer unsicher
die Endgestalt wird stets gesucht –
ohne dass sie je gefunden wird –
weil sie sich ständig selbst verliert.
Zwischen dem, was mancher Himmel nennt,
und unserem Boden, wo wir stehen,
ein Wolkenmeer die Sonne trennt,
die wir milchglasig dann nur sehen.

Die Geburt der Wolke liegt im Meer.
Da kommt unendlich Wasser her.
Verdunstet hebt es in den Äther
die Wolke wächst ein wenig später.
Aus Kleinem schwillt was Riesengroßes
und aus dem Inneren dieses Schoßes
entleert sich all die Wolkenflut.
Das tut der Erde mehr als gut.

Heut ist eine Wolke nah am Schwarz.
Hier endet meistens dann der Spaß.
Die Nachbarwolke strahlt noch weiß.
Die Juniluft drückt schwül und heiß.
Bald werden Wolken explodieren. Weiterlesen

Es nieselt

WassertropfenEs nieselt

Heute haben sich die Regentropfen
in feinste Tupfer aufgeteilt.
Sie können kaum mehr nieder klopfen.
Viel Niesel in den Lüften weilt.
Es fühlt der Morgenwind sich an,
als ob ein feuchtes, kaltes Tuch
so schaurig streicht durchs Angesicht.
Auch wenn ich voller Sehnsucht hier
nach schönem Blau am Himmel such,
die Wolkenwand gönnt mir kaum Licht.
So frühlingsfrohe Krokusblüten
halten den Kelchmund arg verschlossen.
Die wassersatte Februarluft
klebt triefend nass am Violetten –
bis dann die Last dahin geflossen.
Heut herrscht nur Frühlingsmelancholie.
Von bunterfüllten Farbgesichtern
perlt dann und wann ein Sehwermutstropfen. Weiterlesen

Überflüssig

P1130411Überflüssig

Überflüssig erscheint der warme Januarregen.
Seit Tagen Wolkenfetzen über das Land her fegen
Regenrinnen die Fluten oft nicht mehr schlürfen.
Unzählige Tropfen nicht mehr in das Erdreich dürfen.
Der Ackerboden mag gar kein Wasser mehr trinken
Mit jedem Schritt beginne ich, tiefer im Schlamm zu versinken.
Im Boden herrscht überall große Überschwemmungsnot
Überflüssiges Wasser bringt manchem Bodentier den sicheren Tod.
Sind alle Porenkanäle restlos gefüllt und getränkt,
ist bald aller Sauerstoff, jede Luftblase verschenkt.
Wer aus kalten Bodenwassersein O2- Bedarf bezieht,
so vor dem Erstickungstode entflieht.

Auch Mohrrüben gibt es auf diesem Felde im Überfluss.
Die Erntemaschine war wohl nicht richtig in Schuss.
Der Regen hat die Rüben seit Wochen fein sauber gewaschen.
Doch keiner will dieses Gemüse essen – nicht einmal naschen.
So liegen diese leckeren bunten Erntegaben
Überflüssig herum – denn niemand möchte sie haben.

Überflüssig wird, wenn es weiter vom Himmel schüttet, der kleine Bach.
Im Sommer fließt er als Rinnsal – seine Wassertiefe handflach. Weiterlesen

Dezemberregen

DezemberregenDezemberregen

Nächte zehren mehr vom Tageslicht.
Kein Blatt dem nackten Zweig noch bricht.
Viel warmer Wind streicht durch die Fluren
nestelt verstreut an Herbstfallspuren.
Die Luft tiefgrau im Regenhemd
bald wieder Wasser nieder schwemmt.
Bis an den Hals ist Boden nass.
Seit Tagen quillt das Speicherfass.
Wohin ich meine Füße lenke,
da füllt sich rasch die Abdrucksenke.
Noch ist kein Ende abzusehen.
Die Wolkenleiber schwanger blähen.
Dezemberregen füllt die Bäche
verschlammt die triste Ackerfläche.
Alte Traktorspuren saufen ab
und Erde wird matschiger Papp.
Das wird wohl nichts mit weißen Flocken.
Wer kann den Winter nur vorlocken? Weiterlesen

Dauerregen

RegenrohrDauerregen

Seit siebzehn Stunden weint der Himmel immerzu.
Alle Regentonnen füllten sich im Nu.
Jedes Wasserfass wird nun zu einer Quelle.
Es flutet daraus eine Dauerwelle.
Der Boden dürstete schon lange Zeit
Des Todes Freund ist lange Trockenheit.
Dieser ewig lange Dauerregen
ist für die Natur wie Gottes Segen.
Nach so viel Qual durch Höllenhitzetage
da ändert tiefer Druck die Wetterlage.
Die heiße Luft wird derbe abgekühlt
und Sommerstaub in alle Welt hinweggespült.
Es sieht so aus, als fielen Tropfen ohne Ende.
Das Wolkenmeer zerfließt zu einer Riesenspende
Der Tag will nicht sein Wassergrau verlieren.
Manch steter Tropfen geht wohl an die Nieren. Weiterlesen