Brennnesseln im Silberkleid

p1160393Brennnesseln im Silberkleid

So atemfeucht schläft Nachtbeginn.
Schwanger hängt Nebel schwer im Äther
Der Tageswechsel glitt dahin.
Das Mondlicht blinkt erst später.
Die Lüfte froren nach und nach
ließen Tröpfchen zart erhärten
und mit dem Licht vom neuen Tag
schmückt sich die Welt mit Bärten.
Mit feinsten Nadeln klar aus Eis
spiegelt sich Glanz in Spitzen –
sie krusten alles zuckerweiß
auf Blättern sie dicht sitzen.
Brennnesseln gestern noch saftgrün
sind völlig neu umkleidet. Weiterlesen

Zwölf Jahresringe

P1130806Zwölf Jahresringe

Heut hat der Reif
mit Eis schön eingedeckt
Neugierde wird kalt geweckt.
Der feine Frost
zeichnet perfekt,
hebt zart hervor,
was sonst versteckt.
Bei jedem Reif kristallisieren
die kleinsten Tröpfchen
sie verlieren
die Formarmseligkeiten
von Flüssigkeiten.
Durch das Erstarren
verharren
winterkühle
Moleküle
in gläsernen Gebilden –
manchmal mit wilden
Architekturen.
Frostspuren,
die meist nur –
so will es die Natur –
bald vergehen.
Wir sehen
schon ihr Ende bald.
Es bleibt ja nicht kalt.

Heut hat der Reif
zwölf Jahresringe ausgeschmückt. Weiterlesen

Ausgereift

P1080387Ausgereift

So sternenklar die letzte Nacht
hat sie den Frost zurückgebracht.
Der Wasserdunst vom Frühjahrshauch
hängt kristallin an Baum und Strauch.
Das welke Gras im Reifekleid
säumt Glitzerband fast wie Geschmeid.
Die Kapselschale fruchtentleert
scheint juwelenhaft beschwert.
Die ausgemergelten Jahresringe
des Weidepfahls mit Zickzackklinge
schärfen sich mit Eiseszahn
Wohl aufgestellt in runder Bahn.
Das flach versandte Morgenlicht
Sich hier und da im Reife bricht. Weiterlesen

Reifliche Überlegungen

ReiflichesReifliche Überlegungen

Novembernächte tief vernebeln.
Nasse Luft will uns fast knebeln
Licht entschwindet ganz diffus.
Ein jedes spürt den kalten Kuss.
Wenn sich der Dunst ganz spät noch löst,
Das Wasser fein zu Boden stößt,
Wie Klarheit Kälte mit sich bringt,
der frühe Tau als Raureif blinkt.
Kristalle wachsen ganz wie Zauber
Erscheinen diamantensauber
Mit völlig unverletzten Spitzen,
die hoch auf Blätternerven sitzen.
Die Reifeshaut zieht maskengleich
Starr über Rosengesichter.
Was vorher noch gewebeweich,
Ist eishart voll Lichter.
Die Morgensonne spiegelt grell –
Das Reifliche erstrahlt so hell. Weiterlesen

Angereift

ReiflichesAngereift

Über die letzte Nacht
Hat Sternenklarheit
Zauberhaften Frost gebracht.
Brennnesselblätter
Funkeln zart angereift
im Novemberwetter.
Gestern noch
war das überjährige Gras
noch restgrün
Und regennass.
Im kühlen Morgenlicht
Bricht
die Sonne sich.
Blanke Kristalle
Verzuckern
der Halme Strukturen
Eine Distelrosette
Zeigt ihre glitzernden Zähne,
So als hätte
Sie sich
auf der frostkalten Haut
silbrige Sägen aufgebaut. Weiterlesen

Der erste Reif

Der erste Reif

Der erste Reif
friert späte Blüten steif.
Auf lilabunter Aster
klebt kristallin ein Raster
Das braune Kirschbaumblatt
sich allerfeinst
umzuckert hat.
An roter Rose sitzen
Ganze zarte Nadelspitzen.
Verwelkte Nelken schmücken
Sich eisig
mit kleinsten Stücken.
Hortensien illuster blinken,
eh Blätter abwärts sinken.
Die Sonne schafft
Mit letzter Kraft,
Den weißen Zauber
zu beenden.
Die Strahlen senden
Warmes Licht,
Das bricht
Des Eises Haut.
Zu Wasser taut
Der weiße Schmuck
Das geht
Ruckzuck.
Hier endet nun
Das Zauberspiel.
Es brauchte nicht viel,
um Schönheit
zu kreieren.
Verzieren
kann der Reif so schön –
bis auf ein frostig
Wiedersehn.