Sandrosen

Sandrosen

Was die Natur aus sich so schafft,
mein alter Schädel nur wenig rafft.
Das Lebendige etwas näher zu begreifen,
dass kann mein Sinn schon lange schleifen.
Selbst das, in dem kein Leben haucht,
schon mehr als meinen Verstand verbraucht.
Am Ende bleibt einfach nur staunen.
Das begeistert schnell dann meine Launen.

Heut hab ich mir was mitgebracht.
Ein Mineral hat mich angelacht
An einem trüben Januarmorgentag
das gute Stück auf dem Trödel lag.
Spät im Leben steckt man in einem Kampf.
Die Besitzeslust macht immer noch Dampf.
Die Trennung vom materiellen Übergepäck
nimmt wiederum fast die Kauflust weg. Weiterlesen

Briefmarkenmelancholie

Briefmarkenmelancholie

Es war das Jahr des Wunders von Bern.
Ich erinnere mich an das Jahr noch gern.
Nicht wegen des Fußballs
sondern wegen meiner Tante Hety;
denn gerade sie
schenkte mir zu meinem Schulbeginn
ein Briefmarkenalbum – wohl mit dem Sinn,
diese zu sammeln und zu vermehren.
Nach immer den Neuen zu begehren.
Eine Lupe, eine Pinzette gehörten dazu.
Jetzt ließen mich die Marken nicht mehr in Ruh.
Von jedem Brief, jeder Karte, selbst vom Paket
wurden die Wertzeichen wieder abgeklebt.
Wasserdampf half bei der Prozedur. Weiterlesen

Muschelmeer

Muschelmeer

Warum liebe ich so die brausenden Wellen,
die im Strandsand berstend in sich zerschellen?
Weshalb erfüllt mich der unendliche Horizont,
der von tiefster Sonne so feurig besonnt?
Meia Praia heißt dieser faszinierende Flecken,
wo ausufernde Wasser Muschelschalen belecken.
Eigentlich nur tote Skelette kalkmanifestiert
sind sie durch Fluten an den Strandsand saltiert.
Ein Meer halber Schalen bezeugt altes Leben.
Im tieferen Wasser wird es Natürliches geben.
Venus- und Herzmuscheln sind aufs Engste vereint.
Dezembermorgensonne mild auf sie scheint.
Als Stillleben am Strand tost es hier richtig laut.
Die Front frischen Wassers stetig Walzen aufbaut.
Auch im Alter das Sammlerherz mitunter erwacht.
Durch schönste Conchylien die Begierde erwacht. Weiterlesen

Seeliliensterne

p1160250Seeliliensterne

Ein Kasten voller kleiner Fossilien
darunter auch einige Seelilien
kam unlängst zu mir
als lauter versteinertes Getier.
Irgendwann waren die Stücke wissenschaftlich interessant.
Was man damals an den Fundstätten so fand,
wurde taxonomisch bestimmt und archiviert,
bis sich die Aufmerksamkeit wieder verliert.
Das akribisch Gesammelte erfüllt nun keinen Zweck.
Also können Ammoniten, Brachiopoden und Crinoiden weg.
In der Kiste war weniger Spektakuläres drin.
Doch bei den kleinen Fundstücken machte es Sinn,
diese genauer zu betrachten, Nähe herzustellen.
Es gibt dazu Bücher, die vor Informationen quellen.
Da fand ich auch meine kleinen Sterne wieder.
Es waren zerbröselte Stängelglieder
von Isocriniden einem Seeliliengeschlecht.
Die Abbildungen gaben mir ziemlich recht. Weiterlesen

Bergkristallin

P1140133Bergkristallin

Als wär es allerreinstes Eis
so überhell und strahlend klar
doch scheint die Sonne noch so heiß
bleibt dies Gebilde hart und starr.
Kristalle blenden all das Licht,
treten sie bergtief erst zu Tage.
Ein Glanz, der sich auf Seiten bricht,
stellt alle Schönheit außer Frage.
Bergkristalle kennen keine Farben:
Das pure Sein in lichter Form.
Sie wirken fast wie Göttergaben
Naturgesetze sind die Norm.
Manch Bergkristall wächst unermesslich.
Zwei Meter sind längst noch kein Ziel.
Auch der bleibt klar, erscheint höchst blässlich –
kleine Kristalle, die gibt es viel. Weiterlesen

Fischgrätmuster

Solnhofen Fische 2Fischgrätmuster

Im Solnhofer Schiefer der Jurazeit
haben Sammler die Gelegenheit,
Erdgeschichte aufzuspalten.
Was sie dann in den Händen halten,
ist stundenlang nur nackter Stein.
Suchen befriedigt dann allein.
Manchmal hat Sammler etwas Glück.
Da hängt im Jura doch ein Stück
von einem Tier – lang, lang ist’s her –
Da schwamm es munter hier im Meer.
Ich suchte selbst vor vierzig Jahren
mit damals reichlich dunklen Haaren.
Seelilienreste, Ammonitenschalen
belohnten mir die Spaltungsqualen.
Am Ende einer Tagesexpedition
waren zehn Kilo der Finderlohn.
Zu Hause sank das Sammelfieber.
Ich verstaute meine Schätze lieber
im Keller hinten ins Regal –
Da lag schon eine größere Zahl.
Im Alter gilt es aufzuräumen.
Besitzerstolz jetzt einzuzäumen. Weiterlesen