Alles Möhre – oder was?

Alles Möhre – oder was?

Jetzt, wo der Winter spät und kalt
braucht man was Warmes ziemlich bald.
Heut möchte ich mir Möhren kochen.
Es gab sie nicht die letzten Wochen.
Ein Sack voll Wurzeln stand im Keller,
die kamen sonst nicht auf den Teller;
denn unsere Schafe kriegten sie:
was Gutes braucht das arme Vieh.
Futtermöhren sind die gewesen,
die als unschön waren ausgelesen.
Zu groß, zu klein, zu krumm, zu dünn
damit macht Handel kaum Gewinn.
Doch unsere Schafe ja die schwören
im Winter sehr auf solche Möhren.
Heut nehme ich mir Prachtexemplare
einfach als prima Handelsware.
Die schäl ich mir in kleine Stücke,
dass mich Gemüse bald entzücke.
Die dickste Rübe, die ich schneide,
zeigt mir ganz harte Eingeweide.<!–more–
Ich betrachte ihre inneren Werte,
die mir der Anblick so bescherte.
Der harte Kern – Zentralzylinder genannt –
lag bald als Scheibe in der Hand.
Von unten beleuchtet strahlt die Möhre
so als ob sie eine Sonne wäre.
Gelbe Flammen schießen durch Karottenrot.
Der Anblick, der sich mir hier bot,
erschien mir fast mysterienhaft –
wie eine Möhre das nur schafft.
Wenn ich dann mein Gemüse kaue
und diese Strukturen bald verdaue,
da bleibt mir dennoch diese Bild.
Meine Fantasie noch länger spielt
mit diesem Eindruck aus der Mitte
von einer Möhre nach dem Schnitte.