Lapislazuli

Lapislazuli

Lapislazuli –
was für eine Wortmelodie!
Ich kenne kaum ein Blau,
das so fulminant strahlt ,
was gemörsert als Pulver
den schönsten Himmel auf Erden malt.
Wie komme ich dieser Farbe
nur adjektivisch nah?
Was hier bei der Mineralisierung
im Gestein geschah,
vollendet natürliches Blau.
Manch schillernder Pfau
zeigt auf seinem Schmuckfederrad,
diese Farbsensation
im Meer von Buntheit
gerade diesen Ton. Weiterlesen

Alles nur Fassade?

Alles nur Fassade?

Manch äußeres Erscheinungsbild
eine übergroße Rolle spielt.
Dieses Haus ist rokokoverziert
die schöne Front mit Stuck drapiert.
Jedes Fenster ist individuell gestylt,
das sich als Kunstwerk so mitteilt.
Dem einen scheint solches maniriert –
der andere fühlt sich inspiriert.
Äußerer Glanz bleibt oft Fassade,
wenn er dann bröckelt, ist das schade.
Dieses Haus wurde im Krieg zerbombt.
Der Wiederaufbauwunsch kam prompt. Weiterlesen

In der Gosse gelandet

In der Gosse gelandet

In der Gosse gelandet
ist heute Morgen mein Blick.
Ein Rest vom gestrigen Regenstück
bleibt nun eiskalt gefangen
in kristallener, gläserner Pracht
seit letzter Nacht.
Auf einmal ist die Gosse so schön.
Es gibt Verzaubertes zu sehen.
Schwebendes Eis bizarr konstruiert
sich mit Asphaltdekor hier liiert.
Was gestern noch Pfütze war,
erscheint nun recht sonderbar.
Wasser fror zuerst mit Gewalt
schuf Stränge, Schwerter recht bald. Weiterlesen

Sandrosen

Sandrosen

Was die Natur aus sich so schafft,
mein alter Schädel nur wenig rafft.
Das Lebendige etwas näher zu begreifen,
dass kann mein Sinn schon lange schleifen.
Selbst das, in dem kein Leben haucht,
schon mehr als meinen Verstand verbraucht.
Am Ende bleibt einfach nur staunen.
Das begeistert schnell dann meine Launen.

Heut hab ich mir was mitgebracht.
Ein Mineral hat mich angelacht
An einem trüben Januarmorgentag
das gute Stück auf dem Trödel lag.
Spät im Leben steckt man in einem Kampf.
Die Besitzeslust macht immer noch Dampf.
Die Trennung vom materiellen Übergepäck
nimmt wiederum fast die Kauflust weg. Weiterlesen

Frostkunstgeometrien

Frostkunstgeometrien

Es sind mal gerade drei Wochen her,
da wollten Seerosenblätter sich entfalten.
Selbst der erste Krötenhochzeitsverkehr
ließ auf Frühlingsgefühle hin schalten.
Doch zu früh gefreut, denn es wurde bitter kalt.
Primeln und Krokusblüten Opfer vom Frost
Narzissenknospen erstarrten, machten halt.
Der Winter schickte ihnen nur eisige Post.

Am Gartenteich wuchsen Kristallkonfigurationen.
In magischen Nächten entstanden gläserne Eisdecken.
Sonnenstrahlenfeuer schmolz diese Kompositionen,
um zur Nacht hin wieder Kreativität neu zu entdecken.
So entstanden stündlich Variationen von Wasserstarrheit.
Auch die Orte stärkster Schöpfung wechselten zwanglos.
Was eben beeindruckte, ist später zerflossene Vergangenheit.
Ist das irgendwie noch Kunst oder Laune der Natur bloß?

Das Potential für die Gestaltung, das Maß an Formenvielfalt
scheint grenzenlos und nicht vorhersehbar für Ort und Zeit.
Nichts zwingt Naturkräfte zum Äußersten. Schönheit bleibt kalt.
Kristalle artikulieren sich zu flüchtiger Endlichkeit.
Jeder Morgen macht neugierig. Wie hat der Zufall Struktur geschaffen?
Was für Assoziationen setzen die Eiskonstrukte bei mir frei?
Die messerscharfen Kristalllanzen werden tauend erschlaffen.
Was macht die bildende Hand des Frostes hier am Teich morgen neu?

Pfingstrosenglück

Pfingstrosenglück

Verinnerlichte Schönheit zu beschreiben
und dabei in Worten zu bleiben,
fällt bisweilen recht schwer:
denn das Anmutige ist des Geschriebenen mehr.
Zu Pfingsten stehe ich vor einem kleinen Beet,
in dem die Päonie seit Jahren nun steht.
Je länger sie an dieser Stelle wohnt,
die Pfingstrose es mit Blütenreichtum belohnt.
Eher enttäuscht war ich noch vor einigen Jahren,
wenn da zwischen dem Blattwerk nur einzelne Knospen waren,
die sich bald als Rosenschönheiten zeigten
und sich zu Pfingsten so edel verneigten.
In diesem Jahr kann ich die Blüten kaum zählen.
Die Pflanze will mich damit fast schon quälen.
Viel Sonne mit Wärme haben die Pfingstrosen verwöhnt.
Das hat ihre Ausstrahlung nochmals verschönt.
Leider bleibt dieses Meisterwerk nur für kurze Zeit.
Dann welkt alle Pracht durch die Endlichkeit.

Mir fehlen eigentlich die Worte für die Farbeneleganz,
für den edlen Duftstrom und den feinsilbrigen Glanz,
der das Blütengesicht so herrlich verzaubern will
Was bring ich da nur für Worte ins Spiel? Weiterlesen