Schillernde Erstbegegnung

Schillernde Erstbegegnung

Wirklich nichts deutete darauf hin,
dass dieser Tag ein besonderer werden könnte.
Haustierversorgung – wie jeden Morgen – stand mir im Sinn,
Ein Tag, der Hühnern frisches Gras und Kohlblätter gönnte.
Die Federtragenden erwartungsvoll mir entgegenrannten,
weil sie ihren Fütterer wirklich gut kannten.
Dann wollte ich auch den Schafen was Gutes geben,
da sah ich an der Stallaußenwand einen großen Falter mal eben.
Er hielt seine Flügel über dem Hinterleib geschlossen
und hat sanft mit seinem Rüssel immer auf den Stein gestoßen.
Später hab ich gelernt, er hat an dieser Stelle geleckt.
Hier reiben sich die Schafe und das hat gut ihm geschmeckt.
Dann kam der Augenblick, den werde ich nie vergessen
Die Flügel gingen auf – ich hab mich hingesessen
und schaute auf ein Blau in der schillerndsten Farbe –
etwas, das ich zuvor niemals im Garten so gesehen habe. Weiterlesen

Garten & Kunst

Garten & Kunst

Ein schöner Garten? – da scheiden sich oft die Geister.
Welche Tugenden machen den Gestalter letztlich zum Meister?
Aus jedem Garten spricht der Charakter der Akteure Bände.
Hier treffen Träume, Visionen, Ideale auf handelnde Hände.
Da gibt es Schöngärten, die sind in allem extrem kontrolliert.
Unerlaubt Wachsendes sofort seine Existenzberechtigung verliert.
Alles ist gepflegt, durchgestylt und farblich genau arrangiert:
eine perfekte Idylle, eine stimmige Komposition, nur die Seele verliert.
Andere Gärten sind unedler doch strotzen sie nur so von Ökologie.
Heimisches Blühwerk verschwistert mit Beikräutern: entspannte Biologie.
Hier wird gesät, geerntet und kompostiert. Für ehrfürchtige Schönheit
ist solch ein Garten eigentlich und vorsätzlich nie generiert. Weiterlesen

Morbides Flair

Morbides Flair

Gerade in schneelosen Winterzeiten
da bereiten
einige übertote Gartenreste
überraschende Augenfeste.
Fein skelettierte Pappelblätter
durch gnadenloses, feuchtes Wetter
liegt am Boden – es fällt etwas Licht,
das sich durch poröses Laubwerk bricht.
Nun stehe ich vor einer Blumenrabatte,
die vor Monaten buntestes Leben hatte.
Gebrochene Stängel neben verwirkten Samen
zeigen: Zersetzung kennt kein Erbarmen. Weiterlesen

Lapislazuli

Lapislazuli

Lapislazuli –
was für eine Wortmelodie!
Ich kenne kaum ein Blau,
das so fulminant strahlt ,
was gemörsert als Pulver
den schönsten Himmel auf Erden malt.
Wie komme ich dieser Farbe
nur adjektivisch nah?
Was hier bei der Mineralisierung
im Gestein geschah,
vollendet natürliches Blau.
Manch schillernder Pfau
zeigt auf seinem Schmuckfederrad,
diese Farbsensation
im Meer von Buntheit
gerade diesen Ton. Weiterlesen

Alles nur Fassade?

Alles nur Fassade?

Manch äußeres Erscheinungsbild
eine übergroße Rolle spielt.
Dieses Haus ist rokokoverziert
die schöne Front mit Stuck drapiert.
Jedes Fenster ist individuell gestylt,
das sich als Kunstwerk so mitteilt.
Dem einen scheint solches maniriert –
der andere fühlt sich inspiriert.
Äußerer Glanz bleibt oft Fassade,
wenn er dann bröckelt, ist das schade.
Dieses Haus wurde im Krieg zerbombt.
Der Wiederaufbauwunsch kam prompt. Weiterlesen

In der Gosse gelandet

In der Gosse gelandet

In der Gosse gelandet
ist heute Morgen mein Blick.
Ein Rest vom gestrigen Regenstück
bleibt nun eiskalt gefangen
in kristallener, gläserner Pracht
seit letzter Nacht.
Auf einmal ist die Gosse so schön.
Es gibt Verzaubertes zu sehen.
Schwebendes Eis bizarr konstruiert
sich mit Asphaltdekor hier liiert.
Was gestern noch Pfütze war,
erscheint nun recht sonderbar.
Wasser fror zuerst mit Gewalt
schuf Stränge, Schwerter recht bald. Weiterlesen

Sandrosen

Sandrosen

Was die Natur aus sich so schafft,
mein alter Schädel nur wenig rafft.
Das Lebendige etwas näher zu begreifen,
dass kann mein Sinn schon lange schleifen.
Selbst das, in dem kein Leben haucht,
schon mehr als meinen Verstand verbraucht.
Am Ende bleibt einfach nur staunen.
Das begeistert schnell dann meine Launen.

Heut hab ich mir was mitgebracht.
Ein Mineral hat mich angelacht
An einem trüben Januarmorgentag
das gute Stück auf dem Trödel lag.
Spät im Leben steckt man in einem Kampf.
Die Besitzeslust macht immer noch Dampf.
Die Trennung vom materiellen Übergepäck
nimmt wiederum fast die Kauflust weg. Weiterlesen

Frostkunstgeometrien

Frostkunstgeometrien

Es sind mal gerade drei Wochen her,
da wollten Seerosenblätter sich entfalten.
Selbst der erste Krötenhochzeitsverkehr
ließ auf Frühlingsgefühle hin schalten.
Doch zu früh gefreut, denn es wurde bitter kalt.
Primeln und Krokusblüten Opfer vom Frost
Narzissenknospen erstarrten, machten halt.
Der Winter schickte ihnen nur eisige Post.

Am Gartenteich wuchsen Kristallkonfigurationen.
In magischen Nächten entstanden gläserne Eisdecken.
Sonnenstrahlenfeuer schmolz diese Kompositionen,
um zur Nacht hin wieder Kreativität neu zu entdecken.
So entstanden stündlich Variationen von Wasserstarrheit.
Auch die Orte stärkster Schöpfung wechselten zwanglos.
Was eben beeindruckte, ist später zerflossene Vergangenheit.
Ist das irgendwie noch Kunst oder Laune der Natur bloß?

Das Potential für die Gestaltung, das Maß an Formenvielfalt
scheint grenzenlos und nicht vorhersehbar für Ort und Zeit.
Nichts zwingt Naturkräfte zum Äußersten. Schönheit bleibt kalt.
Kristalle artikulieren sich zu flüchtiger Endlichkeit.
Jeder Morgen macht neugierig. Wie hat der Zufall Struktur geschaffen?
Was für Assoziationen setzen die Eiskonstrukte bei mir frei?
Die messerscharfen Kristalllanzen werden tauend erschlaffen.
Was macht die bildende Hand des Frostes hier am Teich morgen neu?