Die Zecke

Die Zecke

Noch ist es Winterszeit.
Leider fehlt jegliches Eiseskleid.
Vermisst werden Schnee und Puderreif.
Der Boden wird vom Frost nicht steif.
Die ersten Fliegen summten schon
Der Komposthaufen war ihr Thron.
Sie ließen sich da Faules schmecken.
Vielleicht kriechen bald lahme Schnecken
aus ihren Bodengruben frei
und denken bloß, es wär schon Mai.
Auch Mücken tanzen in der Luft,
weil dieser Januar sie echt blufft.

Schon kommt ein Tier in meinen Sinn,
mit dem ich selten einverstanden bin.
Im Wiesengras, versteckt im Kraut
die Zecke fies nach Beute schaut.
Das warme Blut ruft sie herbei
und lässt ihr Opfer dann erst frei,
wenn bald ihr Leib zu platzen droht –
da trennt sie sich vom Flüssigbrot. Weiterlesen

Schöpfungen

WasserspiegelSchöpfungen

Du Quelle
Wallst seit langer Zeit.
Im Wasser spiegelt Ewigkeit.
Der dich einst schuf –
Was blieb denn nur
Von des Schöpfers Spur?
Sein Wasserruf
Ist längst verhallt –
Kein Echo schallt.
Du Quelle treibst
Und schreibst
Nur flüsternd leise
Wellenkreise.
Du spendest
Fließend Segen.
Auf ausgewaschenen Wegen
Findest du
Zu dir selbst.
Du Quelle
Willst immerzu beginnen
Und im Zerrinnen
Quillt vieles neu.
Alles innig berühren,
Kräfte aufspüren
Bleibt deine Mission
Im Lebenston. Weiterlesen

Weißt du…

raupenWeißt du?

Weißt du wie viel Mäuse flitzen
Durch den Garten hinterm Haus?
Weißt du wie viel Schnecken sitzen
Am Salat? – frag doch die Maus!
Weißt du wie viel Mücken schwirren
Völlig süchtig nur nach Blut?
Solche Zahlen nur verwirren –
Sei mal lieber auf der Hut!
Weißt du wie viel Blumen blühen
Vom Frühjahr bis hin zum Winter?
Wie viel Leuchtkäfer noch glühn?-
Da kommst du so recht nicht hinter.
Weißt du wie viel Blätter hängen
Wohl an einem Eichenbaum?
Wie viel Maulwürfe in Gängen
Leisten sich den dunklen Traum? Weiterlesen

Aufgegangen

AufgegangenesAufgegangen

Im Garten gibt es ruderale Flächen,
die ein Kapitel Schöpfung neu sprechen.
Wenn der Winter auf dem Rückzug ist,
schon bald ein erstes Pflänzchen sprießt.
Vieles im Garten wächst früh wieder heraus.
Stauden begrünen rund um das Haus.
Viel spannender ist aber die Keimung von Samen,
die irgendwie, irgendwo in den Boden kamen.
Durch Grubbern und Graben bleibt von dem Boden
Immer noch Nacktheit durch gärtnerisches Roden.
Es geht die Saat auf, die zuvor hier gereift
Oder vagabundierend durch die Lüfte geschweift.
Im Märzen erscheint meist ganz unverblümt,
was sich erfolgreich als Unkraut so rühmt.
Vogelmier, Löwenzahn, Franzosenkraut –
Allzu Spontanes grünfrech uns anschaut. Weiterlesen

Eine Hand voll Boden

Eine Hand voll Boden

Eine Hand voll Boden, die ist unendlich alt.
Eine Hand voll Boden ist dunkel, feucht und kalt.

Eine Hand voll Boden fällt selten ins Gewicht.
Eine Hand voll Boden, die interessiert wohl nicht.

Eine Hand voll Boden, die bläst der Wind leicht fort.
Für eine Hand voll Boden gibt es kein liebes Wort.

Eine Hand voll Boden beachten Menschen kaum.
Eine Hand voll Boden ernährt noch keinen Baum.

Eine Hand voll Boden kann so lebendig sein.
Eine Hand voll Boden da blickt kein Mensch hinein.

Eine Hand voll Boden hat Humus in Natur.
Eine Hand voll Boden schenkt Gegenwart und Futur.

Eine Hand voll Boden bleibt Teil von dieser Welt.
In einer Hand voll Boden steckt mehr als Ruhm und Geld.

Eine Hand voll Boden belebt ein Samenkorn.
In einer Hand voll Boden wird vieles noch geborn.

Eine Hand voll Boden gleicht einer Gottes Hand.
In einer Hand voll Boden steckt mehr als Ton und Sand.

Eine Hand voll Boden erzählt von Erdgeschichten.
Eine Hand voll Erde lässt sich so schnell vernichten.

Eine Hand voll Boden nur etwas besser achten –
Wenn das nur alle Menschen ab morgen doch nur machten!

In einer Hand voll Boden haucht nur ein wenig Leben.
Eine Hand voll Boden will das uns aber geben.

Warum ist es am Bach so schön?

Warum ist es am Bach so schön?

Wo Wasser fließt, da ist was los –
Da ändern sich Gestalten.
Hier rollt ein Stein, da kämmt ein Moos –
Die Welle kennt kein Halten.
Im Quellenmund rinnt es noch zart
Aus kühlem tiefen Grunde.
Doch nach dem ersten Wasserstart,
schlägt bald die Wirbelstunde.
Der Bach er tanzt, er springt und hüpft
Ist schnell und dann fast stille.
Er ist durch Blätter, Holz geschlüpft
grad wie dabei sein Wille.
Er rauscht und reißt, er stürzt und tost
Spielt frech mit seinen Kräften.
Dazwischen aber leckt und kost
Er auch mit weichen Säften. Weiterlesen

Schöpfungstage

Schöpfungstage

Die Erde dreht sich ganz erschöpft,
seit Menschen so stark schöpfen.
Tagtäglich wird sie neu geschröpft-
Dank gilt den klügsten Köpfen.

Unser Grundwasser wird  unendlich tief
Gesaugt aus reinsten Schätzen,
bis jeder Tropfen käuflich lief
in profitablen Netzen.

Kohle, Gas, Petroleum,
die sind bald ausgebeutet.
Die Industrie wächst wild herum,
solang der Rubel leuchtet. Weiterlesen