Pilzragout

ZiegenbartPilzragout

Im September sprießen sie, wenn
Regenfeuchte auf Spätwärme trifft.
Nun kommt die Pilzezeit, denn
Fruchtkörper locken mit Aroma und Gift –
Pilze überall gegenwärtig
und doch die unbekannten Wesen,
mit glattem Hut oder bärtig
oder im Kreise als Hexenbesen.
Gestern auf der Wanderung
durch den Siebengebirgswald –
es war weder warm noch kalt,
waren sie aus dem Boden geschossen:
die ganz kleinen und die megagroßen.
Nur ein paar kannte ich wieder.
Bei einem bückte ich mich nieder.
Sah dort ein zartes Pilzindividuum,
das machte mich freudig und stumm.
Fast wie ein Korallengeflecht
ragten sie dort – ich staunte nicht schlecht.
Die richtige Buchseite hat gesagt:
Der schöne Pilz war ein kammförmiger Ziegenbart. Weiterlesen

Wann ist ein Bach ein Bach?

Wann ist ein Bach ein Bach?

Im Siebengebirge nah am Rhein
Fand nun zum dritten Male
Ein Jugendcamp statt – dazu lud ein
Der VVS Verschönerungsverein.
In vier Modulen gab’s viel zu tun.
Natur und Kultur zu erlernen.
Von Stiefeln oder Wanderschuhn
War manches zu entfernen.
Im Modul eins ging es zum Bach,
um Wildnis zu erkunden.
Wir schauten gründlich alles nach
Getier wurd viel gefunden.
Im Walde oben quellennah
War Gutes zu berichten.
Der Bach floss kühl und wasserklar –
Doch nicht gern unter Fichten.
Manch Strudelwurm und Köcherfliege
Die zeigten sich so munter.
Auch Bachflohkrebse zur Genüge
Schwammen mal rauf und runter.
Der wilde Bach er blieb so nicht
änderte sich in Kürze.
Verbaut wurd bald sein Fließgesicht
durch Mauern und durch Stürze.
Das Bett ward faul steckt voller Schlamm
Hat kaum noch Kraft zum Fließen.
Oft bändigt hier ein harter Damm –
Ließ Wellen nicht mehr schießen.
In Rommersdorf wurd es sehr eng.
Hier floss er gar zur Rinne.
Wie ein Kanal gradlinig streng
Verlor er alle Sinne.
Am Ende landet er im Rohr
Verschwand tief unter Asphalt.
Das kam im Ort mehrmals noch vor:
Luft gab`s vom Gullispalt
An manchen Stellen hat er Glück:
Da wellt er fröhlich offen.
Renaturiert im kleinen Stück
darf er hier wieder hoffen.
Sein letzter Weg bis in den Rhein
war wieder voller Tücken.
Ganz lang verrohrt musst er nun sein.
Es fehlt an Raum und Brücken.
Der Möschbach gab sein Wasser her –
Verschwand so ganz im Rheine.
Die letzten Meter waren schwer
bachtraurig – wie ich meine.
Im Wald so wild und plätschernd schön –
Dann baulich schwer geschändet.
Das Jugendcamp hat das gesehn
Und SOS gesendet.