Kaum mehr als eine Randerscheinung

Kaum mehr als eine Randerscheinung

Neben den weltgefährdenden Problemen
und denen, die wir im Alltag wahrnehmen,
neben allem, was irgendwie getan werden muss
kommen auch viele bedeutungsarme Dinge
immer hinein in den Lebenerlebnisfluss.
Wie oft ertappe ich mich immer wieder dabei,
dass ich Gegenständen mein Augenmerk verleih,
die mir auf den ersten Blick wenig zu erzählen haben –
Gegenstände ohne besondere Strukturen oder Farben.
Manchmal ist bei solch einer Art des Betrachtens etwas passiert,
dass sich jegliche Unansehnlichkeit plötzlich verliert. Weiterlesen

Bosmina longirostris

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Bosmina longirostris

Nur ein halber Millimeter
misst der Krebs, dies Weihertier.
Winzig größer sind die Väter
Mütter schaffen 0,4. (mm)
Doch sie treiben massenhaft
oben in der Wasserhaut.
Mit der Filterbeine Kraft
wird Geschwebe dort verdaut.
Rüsselartig ausgezogen
wächst der Kopf zur Nase fast.
Diese ist recht krumm gebogen
bis zu dem Antennenast.
Nur ein Auge dient zum Sehen
ist ein großer schwarzer Fleck. Weiterlesen

Kinderreich

Kinderreich

Frosch, Libelle, Wasserfloh –
fertig ist der Tümpelzoo.
Nur wenig Wasser reicht schon aus
fürs fröhlich feuchte Freudenhaus.
Mit warmer Sonne reich beschienen
das lockt die Mücken, Wasserbienen.
Bald auf dem Wasser herrlich tanzen
die jungverliebten Wasserwanzen.
Den Grasfrosch drückt schon früh die Lust.
im Februar nimmt er zur Brust
sich seine Fröschin hier am Teich
und flirtet bis zum ersten Laich.
Auch Molche spielen Kavaliere
zur Hochzeit lasterhafte Tiere.
Mit Düften werben sie die Braut,
die so betört, nur ihn anschaut. Weiterlesen

Eiskunstwerke

Eiskunstwerke

Den Winter hielt ich für vermisst.
Seit Tagen buntes Blühwerk sprießt,
als ständ der Lenz längst in der Tür
begleitet mit viel Fluggetier.
Doch über Nacht da kam die Kälte,
die plötzlich Eis in Räume stellte.
Die klare sternenreiche Nacht
hat Winterschönheit uns gebracht.
Ich lauf zum Teich hinten im Garten
und kann den Anblick kaum erwarten.
Vorm Jahr stand ich hier höchst verzückt,
war durch den Frost so hochbeglückt.
Ich hielt damals die Eiskunstwerke
als kaum zu toppen – denn die Stärke
und Vielfalt dieser Eisgestalten
wollten an Schönheit das entfalten,
was so nicht steigerungsfähig schien –
doch diesem Trugschluss sei verziehn. Weiterlesen

Nebulöses

Nebulöses

Von Erlenhänden eingefasst
hält sich versteckt der kleine Weiher.
Als leichteste von aller Last
schwebt über ihm ein Nebelschleier –
weich über schwarze Spiegelhaut.
Wo feuchte Dünste flauschig küssen,
solange bis es Wasser taut,
wo Spinnenfäden lange wissen,
wie Tröpfchen hängen perlgesäumt,
da kann Natur verweilen.
Im fahlen Morgenschwaden klebt
manch nachtgekühlter Wassergruß.
Verschlafener Binsen wirkt verträumt.
Beträufelt schwimmt die Wassernuss. Weiterlesen

Der Frühling lutscht

p1190005Der Frühling lutscht

Der Frühling lutscht
am Eis vom Teich
Seine Zunge leckt
und löst es weich.
Die klare Nacht
lässt Wasser frieren.
Kristalle gläsern
schön verzieren
mit neuen Mustern
Eiseshaut.
Bis alles
zauberhaft ausschaut.
Zum Mittag hin
schmilzt etwas Eis.
Das Sonnenlicht
kaum richtig heiß
doch es besiegt
auf Zeit den Frost.
Vom Frühling kommt
nun täglich Post.
Was nächtens noch
so grad erfror,
im Tageslauf
Gestalt verlor,
das ist ein Kampf
mit kalten Waffen.
Stundenweise
ja da schaffen
sie Gestalten –
bringen dem Wasser
tausend Falten.
Zufall wird hier
zum Konstrukteur
Schaffenslust
ist so gar nicht schwer.
Doch der Frühling
der lutscht weiter.
Wärme schmilzt die
kalte Kunst.
Blumen stimmen
mich bald heiter.
Meisenlied
singt erste Brunst.
Heute wird wohl
Eis noch häuten.
Denn die Nacht
wird sternenkalt.
Schneeglöckchen
im Hauche läuten
öffnen ihre
Blüten bald.

Der Teich steht still

p1150247Der Teich steht still

Der Teich steht still –
ob ich das will
oder auch nicht –
schwindendes Licht
schläfert die Lebensfreude ein.
Es reift der Wein
tief ins rubinenhafte Rot
Der Herbst sucht sich sein Lot.
Meine Frösche gehen auf Tauchstation.
An Sommerresttagen
kommen sie noch schon
ins goldene Sonnenspiel zurück –
genießen gern so spätes Glück.
Mosaikjungfern haben fast ausgetanzt.
Wer sich bis dato nicht fortgepflanzt,
wird die Zukunftstür hinter sich schließen.
Aus dicken Schwertlilienschoten schießen
klobige Samen heraus
rotbraun lackiert. Weiterlesen