Tintenfischtragödien

Tintenfischtragödien

Auf Mittelmeerinseln Fischmärkte locken:
Frutti di mare so weit das Auge reicht.
Manche Tierschicksale jedoch Seelen schocken,
noch bevor der Tod ihre Augen bleicht.
Nachtgefangener Fisch frisch gegrillt serviert –
davon träumt manch Reisender – er verliert
sich dabei ganz in seinen besonderen Genuss.
Die tausende Fischleichen machen kaum Verdruss.
Dass Fischer nachhaltig Fischerei betreiben,
das will niemand ihnen an ihrer Stelle verneiden.
Viele Besucher des Marktes erleben Artenvielfalten,
die sie zuvor wohl für unmöglich haben gehalten.
Mancher Fang erzeugt auch Ekelreaktionen,
die die Gefühlsetagen wenig schonen. Weiterlesen

Euterausbeuter

glückliche RinderEuterausbeuter

Milkalila bunte Kühe,
dass der Absatz süßer blühe –
Milch macht nicht nur Müde munter.
Milch zieht Euter tiefer runter.
Wenn ich heute Kühe sehe,
ich die Augen nur verdrehe.
Vorne glotzen stumpf die Tiere
hinten jedoch da verliere
ich beinahe den Verstand:
wie die Milch das Euter spannt.
Die Mutterkuh kann kaum noch laufen
muss beim Stehen nun schon schnaufen.
Zweimal am Tag wird sie erlöst –
wenn ihre Milch zum Tank hin düst.
15 000 Liter pro Kuh, pro Jahr
fließen aus dem Euter,
das ein Stück Tier einmal war.
Wie krank ist eigentlich unser System,
aus dem ich meine Milch entnehm? Weiterlesen

Schwein gehabt …

Schwein gehabt …

Am Montagmorgen um halb acht
Kreuzte ein Viehtransporter mich.
Eine lebendige Schweinefracht
Näherte dem Schlachthof sich.
Eng eingepfercht im Laderaum
Durch Lüftungsschlitze oxidiert
Da endet Schweinchens Lebenstraum
Blassrosa Körper ängstlich friert.
In einer Stunde ist wohl alles vorbei
Elektroschockiert – zu Tode tranchiert
Es hängen die Hälften gedärmefrei
Am Haken – dann wird portioniert
Im Akkord das arme Schwein.
Die Ware sofort gleich etikettiert
Vom Filetstück bis zum Eisbein
In Folie dicht eingeschweißt
Mit Stickstoff noch begast
Wird nun zum Supermarkt gereist,
damit du am Fleische sparst.

Das Schwein als Kreatur betrachtet
Kommt selten vor im Mästungsstall.
Der Landwirt nur auf Zuwachs achtet
Und auf den Seuchenfall.
Wie wird denn hier wohl Glück definiert
Für designierte Schnitzel?
Wer schaut ins Aug dem klugen Tier
Vor seinem Gaumenkitzel?
Wer streichelt Schweinen sanft den Bauch?
Wer redet mit den Wesen?
Wer respektiert Gefühle auch
Kann Schweinewünsche lesen?

Das Schweinefleisch muss billig sein –
Deshalb muss es rasch wachsen.
Der Artenschutz bleibt hier nur Schein.
Oktoberfest mit Haxen
Das ist für uns die Qualität,
die manchem Schwein im Leben fehlt.
„Da hab ich aber Schwein“ gehabt –
Das ist ein furchtbar Leid.
Des Schlachters Blut am Stiefel pappt
Für Trauer fehlt jede Zeit.