Die Kunst der Landwirtschaft

Die Kunst der Landwirtschaft

Auf dem Kartoffelacker sind Häufefurchen versprungen.
Ist hier altes Ackerhandwerk misslungen?
Sonst sind die Reihen doch bäuerlich akkurat
bei Spargel, Erdäpfeln und Getreidesaat.
Oder war am Ende der Bauer irgendwie high –
zauberte im Wahn diese Zacken herbei?
War ihm die Geradlinigkeit einfach zuwider
oder schoss ein Krampf durch die ackernden Glieder.
Hier bleibt der Augenblick länger gefangen.
denn die gewohnte Symmetrie geht abhanden.
Landwirtschaft und Kunst sind ein ungleiches Paar.
Die mittelalterliche Bewirtschaftung, wie sie einst war,
brachte dem Menschen eine eigene Kultur
im Einklang – eher ungewollt – mit der Natur. Weiterlesen

Tod einer Fliege

p1150911Tod einer Fliege

Wie oft ist das wohl schon passiert-
dass eine Fliege falsch adressiert
in meine Kreise flugs eindringt,
mich dabei nur zur Weißglut bringt,
da sich das Zweiflügelgetier
immer wieder gerade bei mir
auf die Hand setzt –
das kitzelt sehr
da kommen schnell Mordgelüste daher.
Sie mit der Hand zu fangen,
um sie zu zerdrücken –
das will mir einfach nicht glücken.
Immer wieder ist das kleine Biest schneller
mein zuschnappender Handteller
bleibt jedes Mal leer.
Das fuchst mich sehr. Weiterlesen

Das Ende einer Hühnergeschichte

p1150354Das Ende einer Hühnergeschichte

Heute hatten wir in unserem Hühnerstall einen Todesfall. Die seit über drei Monaten erkrankte Lakenfelder-Henne lag tot im Auslauf und hatte ihre Augen verschlossen.
Ihr Ende kam alles andere als unerwartet. Nach wochenlangen operativen Eingriffen in ihren Rachenraum nach Verabreichung von Antibiotika hatten wir lange die Hoffnung, es könnte noch eine Besserung eintreten. Weil aber die Wucherungen immer wieder neu ausgebildet wurden und sich auch an anderen Stellen ausbreiteten, wurde die Skepsis hinsichtlich eines Heilerfolges größer und größer.
Irgendwie hatten wir den Eindruck, als würde sich eine Art Krebsgewebe metastasenhaft vom Hals in Richtung Speiseröhre bewegen. Das leidende Tier konnte in den letzten Wochen kaum noch Körner herunterschlucken. Aufgeweichtes Brot oder ein glitschiger Regenwurm waren nach ein paar anstrengenden Schluckbemühungen dann doch auf dem Weg zum Magen. Trotz intensiver Nahrungsfürsorge magerte das etwa acht Jahre alte Tier zusehend ab. Es war schon bald leichter als jedes ihrer Küken, die vorgestern drei Monate alt wurden und alles Kükenhafte abgelegt haben. Neben der Erkrankung der alten Henne ist sicher das schon hohe Alter des Huhns Ursache für den eingetretenen Tod. Das Tier konnte sich wohl kaum noch wehren gegen die Wucherungen im Halsbereich. So grausam es klingt, unser Huhn ist trotz reichlicher und hochwertiger Nahrung letztlich verhungert. Ich interpretiere diesen Tod als relativ natürlich. Das Tier konnte sich nicht mehr helfen – wir waren am Ende auch machtlos. Wie viele Hühner haben eigentlich mehrfach Küken, leben im Harem eines Hahnes und haben im Laufe ihres Lebens eine bestimmte gesellschaftliche Position im Hühnervolk erreicht? Weiterlesen

Eine kranke Hühnergeschichte

P1150353Eine kranke Hühnergeschichte

Als wir aus dem Urlaub zurückkamen, meinte unser Sohn, ein Huhn würde seit etwa zwei Wochen glucken. Wir dachten sofort, das ist eines der Zwerghühner. Die wollen eigentlich immer im Sommer und sitzen ständig auf Nestern, in denen ein paar Eier liegen. Als ich am nächsten Tag mal nachschaute, wer da Nachwuchs ausbrüten wollte, war ich doch ziemlich überrascht. Die letzte der Lakenfelderhennen – schon fortgeschritten alt – saß auf einem Hühnernest fest entschlossen zu brüten. In den nächsten Tagen beobachtete ich sie. Wenn die alte Dame mal kurz zum Fressen ihre Brutstätte verließ, setzen sich Kolleginnen von ihr auf die angebrüteten Eier und fügten ein frisches hinzu. Sowie das Nest besetzt war, setze sich die alte Glucke auf ein benachbarter Nest, einfach um weiter zu brüten. Ihr eigentliches Nest drohte dann auszukühlen. Ich musste dann geschwind die Eier unter ihrem Bauch entfernen und sie aus dem falschen Nest vertreiben. Danach kroch sie wieder auf das richtige Nest und wärmte die wachsenden Embryonen. Ich hatte immer wieder die Sorge, dass die Eier in der wärmelosen Zeit Schaden nehmen und die Entwicklungsstadien absterben. An einigen Tagen musste ich diese Korrekturmaßnahmen durchführen – immer mit dem bösen Gefühl, dass ich zu spät kommen würde und der Bruterfolg längst passe war. Wann der Schlupftag kommen würde, wusste ich nicht genau. Wenn ich über das Gelege so resümierte, kam ich zu folgender Bilanz: Die Eier waren nicht immer bebrütet. Eine ungewisse Zahl an Eiern sind während der Brutphase noch dazu gelegt. Ich hatte das Gefühl, dass einige Eier kaum zum Schlüpfen kommen würden. Waren die anderen überhaupt alle befruchtet? Was passieret mit den später dazu gelegten, wenn die ersten Küken schlüpfen? Weiterlesen

Hühnerkükenglücksgefühle

P1100665Hühnerkükenglück

Irgendwann im Sommer ist es soweit:
eine Henne wird gluckig, ist zum Brüten bereit.
Sie wärmt das Gelege nun über Tag und bei Nacht
Nach drei Wochen langer Sitzung ist es dann vollbracht.
Mit dem Eizahn wird von innen die Schale gesprengt.
Das Küken lebte dort ziemlich eingeengt.
Aus flauschigen Federn piept es sogleich.
Sie erkunden sofort schon das Erdenreich.
Die Mutter ist besorgt macht die Flügel breit.
Die Küken schlüpfen drunter unters Flügelkleid.
Die Henne hat als Mutter ihre Sprache moderiert –
ganz neue Töne für die Kinder werden ausprobiert.
Da ist eine helles Locken, damit zeigt sie an,
dass sie einen leckeren Fund hat getan.
Den legt sie den Kleinen vor den Schnabel hin.
Selbst ihn zu fressen, kommt ihr nicht in den Sinn.
Die Küken wachsen schnell – denn ihre Mutter sorgt gut.
Sie hat von der Kinderliebe reichlich im Blut. Weiterlesen

Problemlos einkaufen?

ProspektProblemlos einkaufen?

Wenn unprivilegierte Durchschnittsbürger einkaufen gehen,
nicht allzu viel von Ökologie, Nachhaltigkeit, Umweltschutz verstehen,
sind ihre Einkaufskörbe oft gänzlich gefüllt mit großen Problemen.
Viele Artikel des täglichen Bedarfs weltweites Übel in Kauf nehmen.

Zum Morgen braucht der normale Mensch meist Kaffee –
der Arbeitslohn von Pflückern beschämt jedoch und tut weh.
Vorm Aromarösten weltreisen tonnenweise frische Bohnen,
weil sie in Brasiliens Bergwelt hoch oben erst wohnen.
Will ich lieber eine Tasse schwarzen Tee brühwarm genießen –
ein Cocktail an Pflanzenschutzmittel den Sud eher verdrießen.
Bis dass dieser Tee so goldig in meiner Tasse lacht,
hat er von Ceylon her eine lange Frachtreise gemacht.
Regionale Milch gibt’s reichlich im Land, sie fließt im Überfluss
EU-Dauersubventionen bleiben ein ärgerliches Politmuss.
Frische Brötchen beileibe keine Bäckermeisterleistung –
Jedoch überall zu zugreiflichen Dumpingpreisen –
Fabrikfließbänder dafür pausenlos kreisen.
Das zertifizierte Frühstücksei, das Stück gerade für 10 Cent
sich in Legehennenmassentierhaltung wohl bestens auskennt.
Zum dotterweichen Ei passt sehr gut mild geräucherter Schinken.
Die Angebotspreise dafür gerade wieder mal sinken.
Nicht einmal einen Quadratmeter Raum zum tiergerechten Leben,
will der Landwirt dem Schinkenerzeuger Schwein
für seine gut drei Monate noch geben. Weiterlesen

Die schmucke Schildkröte

SchildkröteDie schmucke Schildkröte

Mitten im Park an einem algigen Teich
lag sie in der Sonne wie in der Wüste der Scheich.
Der Körper im Panzer aus einem Guss.
So knackt wohl keiner die harte Nuss.
Die gelbbauchige Schmuckschildkröte
entledigt sich so aller Nöte.
In Mailands Park da geht sie fremd.
Trug früher sie ihr Kinderhemd,
da trieb sie sich noch anders rum
zum Beispiel im Aquarium.
Als Kind war sie im Zoogeschäft,
wo Katz miaut und Welpe kläfft.
Dort kaufte sie bald irgendwer.
Das Krötchen klein noch gar nicht schwer.
Im Wohnzimmer im kleinen Becken
ließ es sich Trockenfutter schmecken.
Auch gab es sonntags Mückenlarven,
die den Geschmack der Kröte trafen. Weiterlesen

…und es ist Fleisch geworden

Truthahn… und es ist Fleisch geworden

Wie ich so vor dem Teller sitze,
Ein Stückchen Fleisch in guter Hitze
Gegart, dass es recht mürbe ist –
Den Spender man dabei vergisst.
Vielleicht war es ein Truthahntier,
Von dem ich gerade esse hier.
Wie ist dies Fleisch entstanden nur –
Ist es so zart ganz von Natur?
Der Vogel eben aus dem Ei
Der piept noch leise, ist dabei,
die Mutter zu sich hin zu locken,
um im Gefieder warm zu hocken.
Dies wird ihm leider ganz verboten.
Die Wärmelampen, infraroten
übernehmen ganz den Gluckenjob.
Die frühe Kindheit wird zum Flop.
Das Futter klebt zum Granulat,
das jede Struktur verloren hat.
Was sich darinnen wohl befindet,
die Rezeptur die Mastart bindet.
In Nahrung steckt auch Medizin
Antibiotik mittendrin.
So etwas frisst das kleine Tier –
Drei Monate später sind es wir. Weiterlesen