Waschbrettgedanken

p1160060Waschbrettgedanken

Wieder mal wurde ich schwach –
ob ich darüber wein oder lach –
das steht auf einem anderen Blatt.
Ein ziemlich altes Waschbrett hat
es mir, armen Sammler angetan.
Oh Mann, o Mann!
Ich besitze es nun für ein bisschen Geld.
Es revolutioniert kaum meine Welt.
So ein großes Kerbholz hatte ich noch nicht.
Dieses Werkstück nun zu mir spricht.
In diese Holzplatte sind waagerecht
handwerklich gar nicht so schlecht
Rillenreihen heraus gestochen –
so vor etwa fünftausend Wochen.
Diese ritzte wohl damals nur ein Mann.
Was anschließend danach jedoch begann,
das war, das wissen wir sehr genau
Wascharbeit ausschließlich für die Frau. Weiterlesen

Altes Eisen

p1150889Altes Eisen

Vor ein paar Wochen hab ich zum Schluss
ein Stück verwitterten Eisenguss
vom Trödel spät noch heimgebracht.
Ich hatte dabei nur gedacht:
die alte Platte hat Patina.
Da kommt Geschichte mir ganz nah.
Der Händler wollte nicht viel haben.
Verblasst waren die bunten Farben
von einem Adler im Relief.
Der junge Mann nennt mich bald Chef.
Ich sollte ihm 10 Euro geben.
Der Seltenheit des Emblems wohl wegen.
Ich gab ihm diesen Geldbetrag
und fragte, wo das Stück einst lag.
Da erfuhr ich, es hing an einer Lok
einer polnischen Eisenbahn –
dann kam der Schock. Weiterlesen

Von guter Statur

P1150343Von guter Statur

Es gibt Fundstücke im Leben,
die uns Nachhaltiges geben.
Immer wieder kommen wir auf sie zurück
Jede Begegnung bringt neues Glück.
Vor weit mehr als zehn Jahren
auch schon damals waren
meine Füße und Sinne zum Trödel gelenkt.
Wenn einmal das Sammeln anfängt,
ist man für vieles an sich Schöne offen.
Trödeln ist ein Weg zwischen Suchen und Hoffen.
Vor dieser ach so langen Zeit
traf ich auf meine Kostbarkeit.
Inmitten von Hausrat und Werkzeugresten
zwischen verstaubten Spielzeug und Krimskramkästen
hockte dort eine geschnitzte Frau in Holz
demütig kniend ganz ohne Stolz.
In ihrem Rücken klaffte ein tiefer Spalt
Das passiert beim Trocknen von Holzstücken halt. Weiterlesen

Herbarienkunst

P1130613Herbarienkunst

In einer Trödelkiste
gänzlich aus dem Blick geraten
fand ich ein sonderschönes Bild.
Aus trocknen Pflanzenteilen
davon besonders zarten
eine junge Frau auf einer Flöte spielt.
Wie an dem Berghang
dort auf einer Lichtung
hat sie den Notenständer aufgestellt.
Nur durch die allerfeinste Schichtung
man solch ein Kunstwerk je erhält.
Dem einen scheint das Werk allzu naiv –
sowohl der Inhalt wie die Schaffensart.
Genialität geht sicher hier nicht tief.
Doch als Herbar ist es besonders zart.
Die Lebendfarben sind schon lang verblichen.
Fast alles ist am Ende gelb und braun.
Die Anmut ist noch lange nicht gewichen. Weiterlesen

Offene Gartenpforte

P1120884Offene Gartenpforte

Es gibt Tage mit Schicksalsfügungen.
Da treten Ahnungen in die Realität.
Bei einer meiner Vergnügungen
kam jeder Zufall nicht zu spät.

Ich leugne keineswegs die Sucht –
meine Frau hat sie schon oft verflucht –
dass ich nach alten Dingen spähe,
und plötzlich etwas Verrücktes sehe.
Gestern war mein Trödelausflug schon zu Ende.
So manches ging durch meine Hände.
Das eine , andere hielt ich fest,
weil mich das Teil nicht los mehr lässt.
Ich fuhr schon los mit ein paar Gaben
und wollte heute mehr nicht haben.
Dann sah ich einige neue Stände.
Mein Entschluss machte die Wende.
Ich fuhr zurück mit dem Gefühl:
da wartet vielleicht noch ein Ziel.
Es dauerte nur zwei Minuten –
da fing die Sucht stark an zu bluten. Weiterlesen

Nur ein Schmuckkästchen?

ElfenbeinNur ein Schmuckkästchen?

Seit gestern ist es in meinen Besitz gekommen.
Ich habe es von einem Trödeltisch frühmorgens mitgenommen
Es war feinzierlich und schmeichelnd gelbweiß.
Beim seinem Kauf wurde mir im Innern ein wenig heiß.
Das kleine Kästchen, was mein Interesse so abrupt fand,
war früher Mal ein Teil von einem Zahn vom Elefant.
Durfte ein überzeugter Artenschützer so etwas kaufen,
das sämtliche Prinzipien wirft über den Haufen?
Das Stück war antik, schien auch wohl richtig alt –
da bleiben Schutzgesetze immer ziemlich kalt.
Wie damals dies Elfenbein den Weg zum Schnitzer fand,
das bleibt wohl für immer im Trüben und unbekannt.
Viele der stattlichen und meist so freundlichen Tiere
über deren Erhalt ich als Biologe des öfteren reflektiere,
sind nur wegen dem Elfenbein schändlich erlegt.
Die Zähne waren so wertvoll: das hat zur Untat erregt.
Elfenbeinschmuck gibt es seit mehreren tausend Jahren
bei Kaisern, Königen, Päpsten und russischen Zaren.
Damit wurde kostbarst geschmückt oder edel verziert .
Es kümmerte kaum wenig, wer sein Leben dafür verliert. Weiterlesen

Bücherfegefeuer

alte BücherBücherfegefeuer

Als Kind lernte ich, Bücher zu ehren und zu schützen.
Vor jedem Lesen erst die Kernseife zu nutzen.
War durch Leichtsinn ein Eselsohr entstanden,
die Elternhände schneller zur Backe fanden.
Schulbücher ob gebraucht oder buchladenneu
wurden zum Schutz vor Schmutz und Flecken
mit papiernen Umschlägen versehen
zugeklebt innen an allen Ecken.
Ganz besonders viel – man sagte bei uns – Bohei
wurde betrieben mit Büchern aus der Leihbücherei.
In diesen Objekten mit Stiften herumzumalen –
dafür mussten die Eltern richtig Strafe zahlen.
Auch beim Buch – vom Freund ausgeliehen –
wurde eine Verunzierung nur selten verziehen.
Zwar waren Bücher nicht alle heilige Schriften –
sie konnten aber einigen Ärger zu Hause stiften.

Zum Abitur war es zu meiner Zeit noch Tradition,
Bücher zu verbrennen mit viel Spott und Hohn.
Man hatte sich durch die Schule gequält.
Nun wurde ein Freudenfeuer
für ausgediente Bücher gewählt. Weiterlesen