Gerhard Laukötter's Blog

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Winterwaffen Mächtig aufgerüstet wurde über Nacht. Der Frost hat Messer scharf gemacht. Am Blattsaum sind Klingen aufgestellt. Annähern sich nun schwierig stellt. Hinter dem Gewirr von spitzen Lanzen kann sich die Brennnessel gut verschanzen. Ihre eigenen Waffen ruhen sanft. Denn alle Blätter sind verkrampft, seit Kälte sie eisig versteift und sie mit Feinkristall bereift.

Herbstastern Als hätte die Flora letzte Farbe bunt aufgemischt, ehe dem späten Sommer die Strahlkraft erlischt, da tupfen Astern noch rosa, violette Töne, erfinden spät im Jahr erneut das Schöne. Es heißt, Abschied zu nehmen, Ernte einzubringen Bei soviel Buntheit will das nicht leicht gelingen. Am Blütentisch verweilen nur noch ein paar Kunden Schwebfliegen lassen es sich noch einmal munden.

Herbstschatten Oktobersonnenstrahlen – ein letztes Mal Sandalen – goldgelbe Quitten brechen – Wespen längst nicht mehr stechen. Späte Libellen tanzen. Sie haben kaum noch Chancen für einen Hochzeitsflug. Natur lebt auf Entzug. Herbstblutige Blätter fallen in kürzeren Intervallen. Sie decken Boden zu. Auch der kommt nun zur Ruh. Wolkenbäuche schieben den Regen, den sie lieben, von Westen in den Osten Plusterige Amseln kosten Fallobst, das Esser braucht, damit die Zukunft taugt.

In der Gosse gelandet In der Gosse gelandet ist heute Morgen mein Blick. Ein Rest vom gestrigen Regenstück bleibt nun eiskalt gefangen in kristallener, gläserner Pracht seit letzter Nacht. Auf einmal ist die Gosse so schön. Es gibt Verzaubertes zu sehen. Schwebendes Eis bizarr konstruiert sich mit Asphaltdekor hier liiert. Was gestern noch Pfütze war, erscheint nun recht sonderbar. Wasser fror zuerst mit Gewalt schuf Stränge, Schwerter recht bald.

Die Wanne ist voll… Die Wanne ist voll mit frischem dünnen Eis. Früher war sie mal warm, manchmal sogar heiß. Als Kind wurde ich in die Wanne gesteckt. Trübes Wasser bald nach Kernseife schmeckt. Ein Badezimmer gab es damals noch nicht. Doch sauber wurde am Ende der Wicht. Später war die Zinkwanne lange arbeitslos. Wir Kinder erwachsen – für die Wanne zu groß. Für die Wäsche gab es längst Elektromaschinen. Da brauchten… Weiterlesen

Nachtfrostkunst Das erste Eis fror über Nacht hat Willkürkunst schön mitgebracht: zwei Millimeter starke Wasserhaut, die wie ein Zauberwerk ausschaut. Wo Binsenhalme lustlos ragen, bekommen sie starrharte Kragen. Wie Sternenstrahlen blinkt es hell. Sonnenlicht verspiegelt grell. Neben all den spitzen Schwertgestalten möchte auch Zarthäutiges walten.

Nebeltücher Wer webt hier nächtens weiße Bänder? Wer haucht den Atem durch die Luft? Wer schafft solch schwebende Gewänder? – die feine Kunst, die jäh verpufft, wenn Sonnenstrahlen sie durchdringt. Der Schleier dann zusammenfällt, als würd der Nebel ausgewringt – und wieder blank wird diese Welt. Nebel erfüllen weich den Raum. Dass Wasser schwebt, man sieht es kaum. Wie klein muss erst ein Tröpfchen werden, das es nicht fällt gleich auf die… Weiterlesen

In Memoriam Lithax obscurus Zum Gedenken an eine kleine Köcherfliegenart Seit ein paar Wochen steht Aufräumen im täglichen Programm. Das frühere Arbeitsleben verschwindet nach mehr als sechs Jahren beruflicher Tatenlosigkeit immer stärker im Nebel der Vergessenheit. Um Kinder und Kindeskinder vom Ballast des spätreifen Lebens zu befreien, muss ich mich in einem weiteren Schritt von Dingen lösen, die mir vor zwanzig Jahren noch enorm viel bedeutet haben. Als Biologe in der Naturschutzbildungsarbeit… Weiterlesen

Deine Spuren im Sand Deine Spuren im Sand ja die fand ich so im Vorbeigehen hab sie fast übersehen. Zart getupftes Spurenband blieb aber nicht unerkannt. Ein Rüsselkäfer trippelte, unter jedem Fußdruck riffelte der lose Sand schön musterhaft bis eine Spur war schnell geschafft. Woher der Käfer heute kam, blieb offen, denn der Wind nahm ständig Sandkörner vor seinen Lauf schüttete diese auf deine frischen Schrittemulden.

Frostkunstgeometrien Es sind mal gerade drei Wochen her, da wollten Seerosenblätter sich entfalten. Selbst der erste Krötenhochzeitsverkehr ließ auf Frühlingsgefühle hin schalten. Doch zu früh gefreut, denn es wurde bitter kalt. Primeln und Krokusblüten Opfer vom Frost Narzissenknospen erstarrten, machten halt. Der Winter schickte ihnen nur eisige Post. Am Gartenteich wuchsen Kristallkonfigurationen. In magischen Nächten entstanden gläserne Eisdecken. Sonnenstrahlenfeuer schmolz diese Kompositionen, um zur Nacht hin wieder Kreativität neu zu entdecken. So… Weiterlesen