Sandrosenerosion

Sandrosenerosion

Im Wüstensand gewachsen
mit vielen quergestellten Achsen
gewinnst du eine ziemlich verrückte Form.
Asymmetrisches ist eher die Norm.
Sandrose ein Widerspruch in sich –
solch Calciumsulfat ist für mich
ein Spiel der Kristalle
mit einem Sandkorn in der Falle.
Dieser Gips schmückt sich sehr dekorativ
verborgen in der Sahara tief.
Jetzt liegt davon ein kleineres Stück
auf der Trockenmauer mir im Blick.
Wenn Sandrosen dem Wasser begegnen,
Tropfen auf sie herab regnen,
dann löst sich langsam ihre Gestalt.
In unseren Witterungen werden sie nicht alt.
Zuvor in Jahrmillionen ballt
sich das Mineral zur Unverwechselbarkeit. Weiterlesen

Lebenslänglich

P1130707Lebenslänglich

Die Länge eines Lebens auf dieser Welt
ist mehr als nur ein Spiel von Zeiten.
Die kleine Art gerade nur die Stunden zählt.
Die andere kennt dafür fast Ewigkeiten.
Ein Bakterium, das sich des öfteren teilt,
lebt in seinen Nennern immer weiter fort.
Die Grannenfichte, die in Nordamerika verweilt,
5000 Jahre lang ist sie in Treue an ihrem Ort.
Lebenslänglich bekam wieder erst kürzlich
ein Mensch, der einem anderen Böses tat.
Doch seine Strafe, die ist nicht unendlich,
weil unser Rechtsystem auch Sühne innehat.
Manch einfach Tier kann fast nicht richtig sterben. Weiterlesen

Sommer ade!

Sommer ade!

Sommer ade –
Tut der kleinen Petunie so weh.
Noch mit so schönen Blüten
Da wüten
Die Herbstmanöver –
Wie jedes Jahr
Und zwar
Mit der strikten Devise
Geranie und Fleißige Liese
Müssen aus den Beeten raus.
Doch welch ein Graus
Sie sind noch so bunt
Voller Charme
und
Wollen noch leben
Doch soeben
Ist ihr Todesurteil gefällt.
Auf dieser Welt
Gehen sie als pflanzliche Kost
Ab auf den Kompost.
Neben faulen Äpfeln und gelben Laub
Küchenresten und Straßenstaub
Blüht die Petunie noch –
Bald fällt sie jedoch
in ein dunkles Loch,
wenn die nächsten Blumenreste
sind oberste Kompostgäste.
Sommer ade –
Tut ein wenig weh.
Fast wie ein letzter Gruß
Singt der Oktoberblues.

Verblüht

Verblüht

Wie stolz war er der Echte Alant –
Weichgelbe Blüten voll üppiger Kraft.
Seine großen Blätter reib ich in der Hand,
Bis frische Würzigkeit steigt aus dem Saft.
Zum Sommeranfang schießt die Pflanze groß
Entfaltet die Blätter fächerartig aus.
Dann treiben Blütenstände aus ihrem Schoß.
bringen kraftvolle Knospen hoch heraus.
Gerade aufgeblüht lockt feinster Duft
Wohl auch aus der Ferne Insekten her.
Schwebfliegen stehen steif in der Luft –
Fällt ihnen scheinbar gar nicht so schwer.
Vorbei ist seit Wochen das herzliche Blühen.
Regengewölk nässt schon seit Tagen.
Johanniswürmer längst nicht mehr glühen.
Schmetterlinge verstört nach der Sonne fragen.
Vom Blütenschmuck ist jeder Glanz genommen.
Ganz finster und schwarz steht er jetzt da.
Der Blütenboden im Nass verschwommen –
Kein Tier kommt diesem Jammer mehr nah. Weiterlesen