Eiskunstwerke

Eiskunstwerke

Den Winter hielt ich für vermisst.
Seit Tagen buntes Blühwerk sprießt,
als ständ der Lenz längst in der Tür
begleitet mit viel Fluggetier.
Doch über Nacht da kam die Kälte,
die plötzlich Eis in Räume stellte.
Die klare sternenreiche Nacht
hat Winterschönheit uns gebracht.
Ich lauf zum Teich hinten im Garten
und kann den Anblick kaum erwarten.
Vorm Jahr stand ich hier höchst verzückt,
war durch den Frost so hochbeglückt.
Ich hielt damals die Eiskunstwerke
als kaum zu toppen – denn die Stärke
und Vielfalt dieser Eisgestalten
wollten an Schönheit das entfalten,
was so nicht steigerungsfähig schien –
doch diesem Trugschluss sei verziehn. Weiterlesen

Wurmgestein

Wurmgestein

Das wilde Meer in seiner Flut
wirft an den Strand so manches Gut.
Zu allermeist spült es die Schalen
von Muscheln her in großen Zahlen.
Tote Krebse und verblichne Quallen
auf Ufersand letztendlich prallen.
Hochinteressant sind all die Sachen,
die Rätsel ihrer Herkunft machen.
Ein Flaschenglas weich rund geschliffen
hab ich schon öfter aufgegriffen.
Was füllte diese in frühen Zeiten,
bevor begann das Wellenreiten?
Wer trank aus ihr mit seinem Mund –
was war fürs Schlucken wohl der Grund? Weiterlesen

Wer auf Kraut baut…

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Sauerampfer

Wer auf Kraut baut…

Wer einen Garten nutzen kann,
der erntet auch mal dann und wann.
Meist glückt die erste Frühlingssaat.
Der Gärtner freut sich am Spinat.
Für den Frühlingsquark sind von Interesse
die zarten Sprosse von der Kresse.
Wenn Fischsalat gelingen will,
braucht Kompositeur wohl etwas Dill.
Ein Tomatensalat schmeckt gar nicht übel,
fügt man hinzu gewiegt die Zwiebel.
Für Backkartoffeln ein Gewinn
sind Blätter frisch vom Rosmarin.
Dem Fleischklops, dem wird gut getan,
schenkt man ihm etwas Majoran.
Wie doch die Bohne glücklich schaut,
vermählt man sie mit Bohnenkraut.
Fast jedes Fleisch liegt gut im Bauch,
fügt man ihm zu vom Knobilauch. Weiterlesen

reNATURierungen

BachsündenreNATURierungen

Was gerade war,
wird wieder krumm gemacht –
ein Witzbold ist, wer dabei lacht.
Wasser sollte schnell weg nur fließen –
nun soll Natur hier wieder sprießen.
Einst gab’s ein Bett aus Stein-Beton.
Jetzt startet die Rückbauaktion.
Mann baute Wehre, um zu stauen –
nun muss man Fischtreppen rum bauen.
Was Aue war, das wurde drainiert.
Landwirtschaft war etabliert.
Jetzt fehlen Überflutungsflächen.
Sie gehörten einst dem Fluss, den Bächen.
Fließwasserkörper lag stramm im Bett
Der Zuschnitt war überall komplett
im Einheitsmaß, Trapezprofil
dem Wasserabfluss half das viel.
Die Ufer waren gut zu mähen
und Pflege ließ sich gut ansehen.
War irgendetwas krumm und wild,
das passte nicht ins Strömungsbild.
Das Wasserleben voll Depressionen
denn keiner wollte hier mehr wohnen. Weiterlesen

Das Korn ist reif

KornfeldDas Korn ist reif

Das Korn wird reif, der Erntetag
ist wohl zum Schneiden nah.
Ein Schatten auf dem Felde lag
deutet nur an, was hier geschah.
Kornblumen fehlen wie Kamillen
auch Ackerwinde klettert nicht.
Seit Herbizide lautlos killen,
ist roter Mohn nicht mehr in Sicht.
Was waren Kornfelder so fröhlich
im bunt durchtupften Sommerkleid.
Das Ernteholen machte selig.
Die Garben standen griffbereit.
Wenn Korn wurde dann eingefahren –
stapelt die Ladung schwindlig hoch –
ich half schon mit in jungen Jahren
und fürchtete mich etwas doch.
Für harte Arbeit gab’s gut Essen.
Auch klarer Korn war nicht sehr weit.
Ich werde die Zeiten nie vergessen.
Man schaffte viel in Einigkeit. Weiterlesen

Im Fenster vom Ufer

TeichuferIm Fenster vom Ufer

Ein kleines Uferfenster
nicht einen Meter groß
was ich darin erblicke,
das ist schon fast famos.
Ein Grashalm lautlos zittert.
Die Samen sind bald frei.
Ein Seggenblatt zerknittert
daneben klingensteif
schießen die Irisblätter
gehörig aus dem Sumpf.
Fettglänzende Samenleiber
sind prall und gänzlich stumpf.
Die Lotuslippenblüten
verstreuen ihr Buttergelb.
Auch ihnen reifen Tüten,
die Zukunft für sie hält.
Das Mädesüß ist aufgestiegen.
Noch knospen Blüten rund.
Drei Tage noch dann werden fliegen
Insekten ohne Stund.
Am Boden reizen Tupfer rot.
Fruchtig sind Walderdbeeren.
Was sich mir an Aroma bot,
lässt sich wohl kaum noch mehren. Weiterlesen

Steinbutt

SteinbuttSteinbutt

Da liegt er nun im Stein begraben
Ein kleiner Fisch ganz platt gedrückt.
Millionen Jahre ja die haben
Ein letztes Bild hier fest gefügt.
Ich will die Art gar nicht erst wissen.
Für mich soll er ein „Steinbutt“ sein.
Er schmiegt im harten Ruhekissen.
Sein Schuppenkleid bleibt noch sehr fein.
Wo ist er damals her geschwommen?
Wie tickte früher seine Zeit?
Ich hab den Stein einfach genommen
Als eine alte Kostbarkeit.
Er lässt mich weit nach hinten schwingen
In menschenlose Glücklichkeit. Weiterlesen

Sieben Milliarden

Sieben Millliarden

Auf dem frühen Weg zur Arbeit erfuhr ich sie:
Die abnorme Zahl der humanen Fortpflanzungbiologie.
Wenn um zwölf Uhr mittags uns die Stunde schlägt,
Sich auf Erden der 7 milliardenste Homo bewegt.
Die Bibel sagt: Macht euch die Erde untertan!
Das hat die Menschheit wohl reichlich getan.
Mit sieben Milliarden ist noch lange nicht Schluss:
In Afrika und Asien schießt der Geburtenüberschuss.
Gutes Wasser wird knapp in der dürren Welt.
Für Nahrung fehlt Armen das nötige Geld.
Naturschöne Wildnis weicht immer mehr
Für Landwirtschaft, Siedlung, Gewerbe, Verkehr.
Der Mensch raubt sich selber die Lebensnatur
Der Verlust an der Vielfalt stört wenige nur.
Überbevölkerung gilt als lässliche Sünde
vermehrt größte Armut – und fetteste Pfründe. Weiterlesen

Warum ist es am Bach so schön?

Warum ist es am Bach so schön?

Wo Wasser fließt, da ist was los –
Da ändern sich Gestalten.
Hier rollt ein Stein, da kämmt ein Moos –
Die Welle kennt kein Halten.
Im Quellenmund rinnt es noch zart
Aus kühlem tiefen Grunde.
Doch nach dem ersten Wasserstart,
schlägt bald die Wirbelstunde.
Der Bach er tanzt, er springt und hüpft
Ist schnell und dann fast stille.
Er ist durch Blätter, Holz geschlüpft
grad wie dabei sein Wille.
Er rauscht und reißt, er stürzt und tost
Spielt frech mit seinen Kräften.
Dazwischen aber leckt und kost
Er auch mit weichen Säften. Weiterlesen

Federn lassen

Federn lassen

Noch ganz früh zu grauer Stund,
bellt im Umkreis noch kein Hund.
Ein Hahnenschrei aus unsrem Stall
Bekommt von fern den Echohall.
Ein dritter, vierter kräht im Chor
Den Morgengruß mir tief ins Ohr.
Kaum hat der eine ausgeschmettert,
da wird von drüben her gewettert.
Die Hennen singen gurgelnd leise
Ein Zeterlied auf ihre Weise.
Jetzt im August kommt Mauserzeit
Da gibt’s ein neues Federkleid.
Der stolze Hahn schaut bös gerupft.
Hat loses Zeug schon selbst gezupft.
Die Hennen wollen nicht mehr legen,
weil sie ihr Outfit stärker pflegen. Weiterlesen