Hirschzungenvermehrung

Hirschzungenvermehrung

Unter vielen großen Bäumen,
die das Wachstum sichtlich zäumen,
liegt ein Schattenreich der Pflanzen.
Viele Farne haben Chancen
ihre Blätter zu entfalten
und die Schicht hier zu gestalten.
Mancher Farn wird fast zur Plage.
Denn sein Dickichtwuchsgehabe
macht den Wald zum Sperrgebiet.
Kaum einer noch Wege zieht.
Blüten kennen Farne nicht.
Ihr Geheimnis kommt ans Licht,
wenn wir ihre Blätter drehen
und auf braune Massen sehen. Weiterlesen

Bäumemeer

Bäumemeer

Fast wie mit Adleraugen durfte ich sehen
ins Meer von Bäumen aus luftigen Höhen.
Nie zuvor stand ich so hoch über den Kronen,
fühlte mich kreiselnd fast schon so wie Drohnen.
Jeder Baum zeigte mir seinen eigenen Kopf
Zweige umwogten mähnenhaft den Schopf.
Noch ist vom Herbst das Laub kaum koloriert.
Leuchtendes Gelb sich ränderlich verliert.
Bald färben sich synchron unendlich viele Blätter –
warten bunt auf Altweibersonnenwetter. Weiterlesen

Quelle – wo bist du?

P1040105Quelle – wo bist du?

Ganz irgendwo traf ich auf diesen Stein
sah ganz so aus, als läge dort Gebein.
Nein, dieser Ort war Gottesacker nicht.
Durchs Buchendach fiel nur gedämpftes Licht.
Das Kupferschild ein wenig oxidiert,
auf dem ist „Quelle“ eingraviert.
In schönster Schreibschrift les ich das –
doch diese Stelle –
alles andere als nass.
Hat irgendwer sich einen Scherz erlaubt?
Ist aller Wasserstrahl hier fortgeraubt?
Wo plätschert hell und gütig nur die Quelle?
Wo ist der Ort der feuchten Wasserstelle?
Ich denke grübelnd lang darüber nach.
Fließt in der Nähe wohl ein kleiner Bach,
der mich – gegen den Strom – zur Quelle bringt –
wo mir des Rätsels Lösung dann gelingt?
Vielleicht floss hier vor ahnenalter Zeit
das Wasser sprudelnd voller Köstlichkeit. Weiterlesen

Krebse auf dem Holzweg

KellerasselnKrebse auf dem Holzweg

Was machen Krebse nur im Wald?
Sie lieben Wasser warm und kalt.
Ich finde sie an allen Küsten,
wo sie mit Scheren arg sich brüsten.
Auch Tümpel, Weiher das sind Stellen,
da schweben Krebse durch die Wellen.
Ob Hüpferling, ob Wasserfloh
sie schwimmen dort und sind sehr froh.
Doch auch im Wald am Fuß von Buchen
kann ich sehr viele Krebse suchen.
Dem Meer kehrten sie einst den Rücken
wollten an Land die Welt beglücken.
Sie wohnen gern in feuchter Erde
im Falllaub, Totholz hockt die Herde
von Kellerasseln dicht an dicht.
Sie scheuen nur das grelle Licht.
Morsches ist ihre Lieblingsspeise.
Im Asselmagen beginnt die Reise
vom Pflanzenrest zum Humus hin. Weiterlesen

Rüsselkäferspurenrätsel

BorkenkäferRüsselkäferspurenrätsel

Beim Wandern liegt ein Baumstamm quer.
Das ist wohl allzu lang nicht her.
Der Sturm knockte ihn hier k. o.
Das Schicksal spielt nun einmal so.
Ich wollte drüber, weitergehen
da blieb ich doch noch etwas stehen.
Der Stamm hatt keine Rinde mehr
doch feinste Spuren allzu sehr.
Wie Hieroglyphen sah ich Zeichen
schön verteilt wie Holztattoos.
Manche schienen sich zu gleichen.
Wer hinterließ hier seinen Gruß?
Borkenkäfer kamen mir in den Sinn
Sie fressen gern im Baum versteckt.
Stecken Eier in die Borke drin,
den Tieren Holzschnitzel gut schmeckt.
Dies Fraßbild hat mich fasziniert.
Ich wollt den Täter besser kennen. Weiterlesen

Baumleichenschau

TotholzkörperBaumleichenschau

Seit Jahren liegt sie hier schon da.
Die Leiche, die ein Baum mal war.
Wie ein Skelett ruhn Stamm und Ast
Entrindet ganz von allem Bast.
Beerdigung währt Ewigkeiten
Totengräber brauchen Zeiten,
als wären sie vom andren Stern
Ihr Humusziel: unendlich fern.
Vom Baum verblieb nur totes Holz
Gebrochen Größe, Wipfelstolz.
Am Boden – fast wie aufgebahrt
Liegt Buchentorso unverscharrt.
Die kleinen Äste fehlen schon
Die haben Assel und ihr Sohn
Mandibelscharf recht gut zerkaut
Ihr Kot wurde noch oft verdaut,
bis dass jedweder Buchenast
in humuskleinste Teilchen passt. Weiterlesen

Richtig abgestaubt

P1000958Richtig abgestaubt

Der Sommer war ein ziemlich nasser
Gewaltig floss das warme Wasser
Auf Feld und Flur und Waldeserde,
Damit es dort morastig werde.
Nicht jeden stimmten Güsse froh,
weil nach Gewitter Hitze floh.
Dies Auf und Ab der Temperaturen
Verstörte Mensch samt Kreaturen.
Wie ich unlängst im Wald spazierte,
den Blick zum Boden oft riskierte,
da sah ich sie in großer Zahl:
denn Pilze wuchsen überall.
Hier Zunderschwamm, da Schwefelkopf,
Maronenröhrling für den Topf,
Ein Knollenblätterpilz
war auch dabei
Mit wirklich hübschem Konterfei. Weiterlesen

Im Reich der Pilze

Im Reich der Pilze

Ein Sonntagsspaziergang mit dem jungen Hund –
Akzeptables Wetter war sicher ein Grund –
So ging es an Weiden entlang hin zum Wald,
Da erblickte ich Tausende Hüte schon bald.
Aus Baumstümpfen schossen sie kräftig empor.
Auch aus dem Boden lugten viele hervor.
Gelbbraune Schwefelköpfchen und Hallimasch
sah ich in Fülle und merkte rasch,
dass Pilze zur Zeit auf dem Vormarsch wohl sind,
Ist der Herbst etwas feucht und wärmend der Wind.
Im toten Holze gefällt es den Fungi sehr
Hier klappt die Zersetzung – es geht gar nicht schwer.
Pilze helfen beim Abbau dem toten Baum
Sie lösen dort Zellulose wie sonst einer kaum.
Trichterlinge, Täublinge und Zunderschwamm
Wachsen im Boden oder im morschenden Stamm.
Schleim- wie auch Schlauchpilze bleiben ein Leben lang klein –
Wollen auch nicht so behütet sein.
Wie der Maronenröhrling – der seinen Körper uns zeigt,
Bis später sein Schirm sich zu Boden neigt.
Die meisten der Pilze hab ich nicht erkannt.
So blieben auch Namen hier ungenannt.
Trotzdem kam ich heute den Pilzen sehr nah,
denn ich hatte viel Zeit und war für sie da!
Aus dem Reiche der Pilze gab es viele zu sehen.
Auf meinem Wege blieb ich öfter lang stehen.
Mein Hund fand im Wald manch aufregenden Duft –
Die unzähligen Pilze waren für ihn aber nur Luft.