Renaturierung

Renaturierung

Ein Baumstamm, zersägt und portioniert
am Ende dann zum Zaunpfahl wird.
Damit das Viehzeug nicht ausbricht,
macht Stacheldraht die Weide dicht.
Am Anfang ist der Pfahl ganz nackt,
bis die Natur ins Schicksal packt.
In Wind und Wetter nach vielen Tagen
fängt die Zersetzung an zu nagen.
Verwittert zeigt das Holz bald Risse
Manch Vogel hinterlässt hier Schisse.
Krempen aus Eisen rosten im Regen.
Doch Moose und Flechten bringen Segen.
Sie wachsen über morschigen Grund.
Der Weidepfahl wird lebensbunt. Weiterlesen

…gelb die Stoppelfelder

… gelb die Stoppelfelder

In meinen Erinnerungen
ist es mir nicht gelungen,
über ein Stoppelfeld zu gehen,
ohne Ferienkinder zu sehen.
Ende Juni war es an vielen Stellen so weit.
Die frühreife Gerste zeigte sich erntebereit.
Die Halme leuchteten in blondem Gold
Der Mähdrescher sich nur die Körner holt.
Dann wird das Stroh zu Ballen gepresst
Nur wenig später ein Hänger verlässt
ein frei geräumtes wieder offenes Feld.
Dem Taubenschwarm dies so richtig gefällt.
Ein paar Körner verstreut als Dreschverlust
die nehmen sich die Vögel rasch zur Brust.
Zu Beginn des Sommers streicht ein Herbstgefühl
durch endlose Reihen von Stiel zu Stiel.
Der Mähbalken traf nur auf eine Art,
so dass man mit Wehmut und Trauer spart.
Getreide lebt auch sonst nur ein Jahr.
Das Korn ist die Zukunft –
wie es immer schon war.

Seh ich ein Stoppelfeld, denke ich an die Zeit,
die ich als Kind verlebte in Heiterkeit.
Bevor der Acker gepflügt, gehörte das Feld den Kindern.
Die wollte auch keiner an den Freuden hindern,
einen Drachen in die Lüfte steigen zu lassen.
Junge Hände durften die Wickel fest fassen.
Zog der Drachen die Schnur ordentlich stramm,
gab man ihm mehr Meter, bis am Ende dann
der Papiervogel kaum noch zu erkennen war. Weiterlesen

Ganz in Gold

Mutter GottesGanz in Gold

Maria strahlt im feinsten Gold
trägt gütig ihren Sohn im Arm.
Das Mutterglück erscheint uns hold
und Morgensonne macht sie warm.
Um beide Köpfe blinkt ein Schein –
soll Heiliges bedeuten.
Ganz nahe fließt vorbei der Main.
Er hört die Glocken läuten.
Hoch auf dem Kirchenschiff der Thron –
die Mutter Gottes auf dem Dach –
dies Szenario irritiert mich schon.
Erinnerungen werden wach.
Maria galt als Auserwählte,
die seltsam plötzlich schwanger ward.
Was ihren Leib göttlich beseelte,
blieb wundersam und sonderbar. Weiterlesen

Raupen

img060Raupen

Bis in die Puppen fressen
Jegliche Figur vergessen
Der Bauch quillt dick und rund
Is(s)t dennoch meist gesund.
Raupen schnetzeln tief im Kohl
Fühlen sich dort pudelwohl.
Raupen lieben Salatblätter
Werden davon immer fetter.
Raupen nagen selbst an Nesseln,
an die sie sich mit Seide fesseln.
Im Erdenreich sind Engerlinge
Beim Wurzelfraß stets guter Dinge.
Viele Raupen sind nicht schön –
andre ganz hübsch anzusehn.
Im Innern ihrer Raupenhaut
Sich Neues bald zusammenbaut
Wenn im Puppenbett sie ruhn,
haben sie oft gut zu tun.
Heißt es doch, sich ganz zu ändern
Von der Mitte zu den Rändern. Weiterlesen

Sandzeichen

InselsandSandzeichen

Wolkenfetzen von Südwest
Jagen wild über den Strand.
Steifes Windgebläse läst
tanzen weißen Dünensand.
Grell schlägt plötzlich Sonnenlicht
Auf gebleichte Muschelschalen.
Doch die nächste Wolke bricht
Alle Kraft der warmen Strahlen.
Vor den Dünen bleib ich stehen.
Sand hat Zeichen hier gelegt.
Mit dem nächsten starken Wehen
Wird die Front nach vorn bewegt.
Ganz wie zarte flache Wellen
Schichten sich hier Körner auf.
Ruhe zeigen diese Stellen
Selbst beim Sand im Dauerlauf. Weiterlesen