Septemberfrühling

Septemberfrühling

Der Tag, als endlich doch der Regen kam –
nachdem die Dürre fast schon alles Leben nahm –
liegt nun gut drei, vier Wochen wohl zurück.
Das ersehnte Wasser war wie purstes Glück.
Auch Tage später fielen noch etliche Tropfen
Sie konnten den Mangel zwar nicht richtig stopfen.
Doch eine Handbreit Tiefe wurde vom Boden wassergetränkt
Das hat uns danach wieder Schöpfung neu geschenkt.
Der Weg zum Wäldchen hin schien längst nur tot zu sein.
Die Gräser strohtrocken, superwelk der Brennnesselrain.
So schlimm hab ich Natur verdurstet nicht gesehen.
Doch sollte hier fast Wundersames dann geschehen. Weiterlesen

Gartenvertriebene

Gartenvertriebene

Gärten sind schon merkwürdige Flächen
Die Anzahl der Pflanzenarten brechen
sicherlich regionale Rekordmarken:
ein Segen durch Spaten und auch durch Harken.
Manches Gewächs kommt als wildes vorbei.
Ein anderes ist durch Züchtung fast neu.
Wiederum welche sind aus der Heimat hier.
Viele reisten um den halben Globus zu mir.
Im Garten sind Flüchtlinge aus der Natur.
Zugereiste ferner Länder gastieren nicht nur.
Sie breiten sich aus, als wären sie immer schon da.
Was früher weit weg war, ist heute ganz nah.
Der Garten gibt Asyl – mal besser, mal schlecht.
Nicht jeder neuen Pflanze ist der Wuchsort wohl recht.

Immer wieder überraschen einige Pflanzen,
die in der Wildnis aus der Reihe tanzen. Weiterlesen

Ausgereift

p1150382Ausgereift

Vom Engelwurz sind himmelwärts
die Samen hin gerichtet.
Ganz heiß pumpt heut das Sommerherz,
dass Trockenheit verdichtet.
Vorbei die Zeit von Duft und Tanz
Blüten weckten Begehren.
Die Samenfrucht ist reif so ganz
will sich demnächst vermehren.
Bald lockert sich der dünne Stiel,
hält Samen noch als Frucht.
Ein kleiner Ruck im Windesspiel
der Freiheit für ihn sucht.
Der Samen fällt zur Erde hin
will keimen und groß sprießen.
In ihm steckt Anfang und Beginn. Weiterlesen

Taunass

P1150460Taunass

Über Nacht hat kühler Feuchtehimmel
ein jedes Blatt mit Perlenschmuck geküsst.
So wie ein Edelsteingewimmel
der Tropfen Sonnenstrahl aufs Hellste grüßt.
Ein schnöder Grashalm gänzlich unbekannt
kann früh mit Wasserkugeln prahlen.
Was gestern lag so stumpf am Wegesrand
darf tausendfach im frischen Morgenlichte strahlen. Weiterlesen

Drei Narzissen

P1140066Drei Narzissen

Drei Narzissen
sprießen
im Niemandsland
hinter dem Wegesrand.
Sie stehen dort einsam und leer.
Niemand mehr
weiß von ihrem Beginn.
Wie kamen sie hierhin?
Ihre eigentlichen Verwandten
die standen
im feuchten Auengrün.
Narzissenmeere blühen
gelb im Perlenbachtal
in Überzahl.
Diese aussätzigen Blüten
hüten
ihre Herkunft verschwiegen.
Ihre schmucken Münder wiegen
in kalter Aprilen Luft
fast ohne Duft. Weiterlesen

Novembersommer

P1120998Novembersommer

Zum Wandern lud der Sonntag ein
Mild streichelt mich der Sonnenschein.
Die Luft erwärmt novemberfremd.
Für draußen brauch ich nur mein Hemd.
Die wilde Flora fern vom Garten
die soll auf mich nicht länger warten.
Eigentlich zieht die Natur sich längst zurück
Nachtfröste brechen Pflanzengenick.
Doch in diesem Jahr am Wegessaum
erblüht noch mancher späte Traum.
Dem Gänseblümchen – das wundert nicht –
bei frohem Wetter die Knospe bricht.
Vom Greiskraut strahlen gar zwei Sorten
mal gelb, mal orange an ihren Orten.
Beim Klee sehe ich drei Blütenfarben.
Hornklee will es gelb stets haben.
Rot-und Weißklee erfreuen sich
ganz eng heran nähere ich mich. Weiterlesen