Goldene Zeiten

p1160973Goldene Zeiten

Goldene Zeiten
heute mir bereiten
nicht nur einen besonderen Kunstgenuss
Mit dem Hochbarock ist lange Schluss.
Von der Kirche ist nur noch der Prunk geblieben.
Die neue Zeit hat darüber geschrieben.
Die Kathedrale innerlich verwaist zum Schauspielhaus
mit Audioführer ein Ein und Aus
für Touristen, die staunen und fotografieren,
die solch Manieriertes nur schwerlich kapieren.
Die Kirche ist eigentlich ein Friedhof der Macht.
Wer hier liegt begraben in üppigster Pracht,
der lebte schon damals auf Kosten der Armen.
Auch der Gott hierin kannte kein Erbarmen.
Die handwerkliche Kunst überlebt die Epochen
sowie die einbalsamierten Knochen. Weiterlesen

Gebetet

Gebetet

Ich hatte es plötzlich in der Hand:
Ein ziemlich altes Betebuch –
Im Haufen voller Trödeltand
Geschmückt mit weichem Sammettuch.
Die Vorderseite reich bestückt
Mit Kreuz und Ornament.
fand ich dies Buch so reich geschmückt,
wie man es kaum noch kennt.
Messing und Bein sind rustikal
Ins Leder eingebunden
1869 ist die Zahl,
da hat einst stattgefunden
der Druck im alten Prag.
Mir kommt tschechisch so böhmisch vor
Was ich darin auch lesen mag.
Hier bin ich dummer Tor.

Wem war dies Buch sein eigen nur?
Wer betete im Wort?
Die alte Religionskultur
Setzt sich nun nimmer fort.
So endet dieses schöne Stück
– An dem hing so viel Glauben –
als alter Ramsch – ich hatte Glück
ich durft es dann entstauben.
Mit Andacht schau ich auf die Kunst,
Die dieses Werk verzieret.
Ich ahne dabei die Inbrunst,
In die sich der verlieret,
wenn er den Weg zu Gott sich sucht –
andächtig werden Träume.
Gebete gehen dann die Flucht
In irreale Räume.