Gartenvertriebene

Gartenvertriebene

Gärten sind schon merkwürdige Flächen
Die Anzahl der Pflanzenarten brechen
sicherlich regionale Rekordmarken:
ein Segen durch Spaten und auch durch Harken.
Manches Gewächs kommt als wildes vorbei.
Ein anderes ist durch Züchtung fast neu.
Wiederum welche sind aus der Heimat hier.
Viele reisten um den halben Globus zu mir.
Im Garten sind Flüchtlinge aus der Natur.
Zugereiste ferner Länder gastieren nicht nur.
Sie breiten sich aus, als wären sie immer schon da.
Was früher weit weg war, ist heute ganz nah.
Der Garten gibt Asyl – mal besser, mal schlecht.
Nicht jeder neuen Pflanze ist der Wuchsort wohl recht.

Immer wieder überraschen einige Pflanzen,
die in der Wildnis aus der Reihe tanzen. Weiterlesen

Im Fenster vom Ufer

TeichuferIm Fenster vom Ufer

Ein kleines Uferfenster
nicht einen Meter groß
was ich darin erblicke,
das ist schon fast famos.
Ein Grashalm lautlos zittert.
Die Samen sind bald frei.
Ein Seggenblatt zerknittert
daneben klingensteif
schießen die Irisblätter
gehörig aus dem Sumpf.
Fettglänzende Samenleiber
sind prall und gänzlich stumpf.
Die Lotuslippenblüten
verstreuen ihr Buttergelb.
Auch ihnen reifen Tüten,
die Zukunft für sie hält.
Das Mädesüß ist aufgestiegen.
Noch knospen Blüten rund.
Drei Tage noch dann werden fliegen
Insekten ohne Stund.
Am Boden reizen Tupfer rot.
Fruchtig sind Walderdbeeren.
Was sich mir an Aroma bot,
lässt sich wohl kaum noch mehren. Weiterlesen

Auf die Reihe gekriegt

GemüsebeetAuf die Reihe gekriegt

So etwas kann Natur wohl nicht.
Der Gärtner bringt es jetzt ans Licht.
Schau ich auf mein Gemüsebeet,
dort alles in der Reihe steht.
Salat, Schwarzrettich, Ruccola
stehn allesamt gradlinig da.
Es ist und bleibt des Säers Wille –
im Alter meist mit Kurzsichtsbrille,
dass jedes Korn bekommt die Stelle
in exakt gezogener Bodenrille.
Der Gärtner liebt Gradlinigkeit.
Zum Wildwuchs ist er kaum bereit.
Zwischen Kulturen streng gereiht
das Unkraut kurz nur dort gedeiht.
Denn täglich droht hier die Attacke
mit scharf gemachter Gartenhacke.
Wüchse alles wie im Eden,
würden wir über Gärten
hier nicht reden.
Beim Kunterbunt aus allen Pflanzen
darf jede aus der Reihe tanzen. Weiterlesen

Wolfs Wiederkehr

Heulwolf, BrehmWolfs Wiederkehr

Aus dem Radio kam die frohe Kunde:
Ein Schaf wurde als Beute gejagt.
Wiedereinwilderung der ersten Stunde?
Haben es einige Wölfe gewagt,
über die Landesgrenze zu dringen?
DNS- Spuren am Beutetier testieren,
dass bald ein heulendes Singen
durch Wölfe kann melodieren.
Endlich mal gute Nachrichten,
dass wir auf ein fabelhaftes Tier
nicht länger bei uns verzichten:
Isegrim ist heim – wieder hier.
Nun wird in Wald und Flur
Wieder natürlich gejagt.
Jetzt fehlt eigentlich nur
Meister Petz – wie gesagt:
Alle wilden Räuber sollten
Doch unsere Jäger ersetzen. Weiterlesen

Die Saat geht auf …

GerstensaatDie Saat geht auf

Als hätte eine Geisterhand –
Als Sämaschine auch bekannt
Die Gerstenkörner fein liniert
Geometrie dabei studiert –
Ein Ackerfeld wird zärtlich grün
Seit hier exakte Bahnen ziehn.
Die Pflänzchen schieben Blätter vor
Gradlinigkeit tritt ganz empor.
Das Feld ist eben, ziemlich platt,
Geräte pflegten es sehr glatt.
Jetzt darf hier Gerste reihig keimen
Am Standort lässt sich alles timen.
Wo sonst jetzt Herbstlaub sinkt und fällt,
herrscht Frühlingsstimmung auf dem Feld.
Nichts darf die Klarheit hier verwirren.
Kein Samenkorn darf sich verirren.
Sie wachsen nur in Reih und Glied
Wie jeder auf dem Bilde sieht .
Vor hundert Jahren warf der Bauer
Das Saatgut etwas ungenauer.
Die Wurftechnik war ausgefeilt.
Das hat die Samen gut verteilt. Weiterlesen

Rotkehlchen

RotkehlchenRotkehlchen

Es war mal wieder höchste Zeit –
Die Wildnis nach Kultur laut schreit.
Im grünen Gartenhinterland
Ein Wald aus Brennnesseln längst stand.
Das ganze war kräftig durchsetzt
Von Kratzdisteln, die keiner schätzt.
Ich holte meine Sense raus
Und machte Feinden den Garaus .
Im Nu lagen die bösen Pflanzen
Scharf abgetrennt vom Wurzelganzen.
Als ich mit dem Sensen fast fertig war,
ein Rotkehlchen ich plötzlich sah.
Es saß auf einem Weidenpfahl
Und schaute zu mir allemal. Weiterlesen

Beziehungslos

KrokusBeziehungslos

Da stand sie nun die Frühlingsblume
Am Uferrand von einem Bach.
Aus einer blattbedeckten Krume
Wird schönstes Violett hier wach.
Fünf leuchtend bunte Krokussterne
Stehn einsam hier auf weiter Flur.
Ich verweil, betrachte gerne
Die bunte Laune der Natur.
Beziehungslos erscheint die Pflanze.
Ihr Standort mutet ziemlich fremd.
Doch dieser Krokus nutzt die Chance,
Weil er die Gegend länger kennt.
Vorfahren wohnten wohl in Gärten.
Erfreuten dort manch Menschenherz. Weiterlesen