Von oben betrachtet

Von oben betrachtet

Von oben betrachtet präsentiert sich ein wirres Spiegelmosaik –
doch gehört hier vieles näher gerückt in den Augenblick.
Blendet man in Gedanken alle blinkenden Flächen weg,
dann wäre diese Landschaft – wie früher- ein schöner Fleck.
Ich schwebe gerade hoch über Siziliens Südküste,
was mich schon allein innerlich aufregen müsste.
Doch, was sich mir unten am Boden vielhundertfach zeigt,
führt dazu, dass mein Blutdruck noch höher steigt.
Was da unter dem Glasdächerverbund gerade heranreift,
sind Tomaten vielleicht oder Erdbeeren, die morgen so mancher greift,
wenn er seinen Einkaufwagen mit allerlei Essbaren füllt –
jedes einzelne Stück davon oft mit Plastik ganz umhüllt. Weiterlesen

Immer früher Frühling

Immer früher Frühling

Als der warme Dauerregen mal Pause machte,
die letzte Januarsonne zur Mittagszeit lachte,
da öffneten sich endlich die Winterlingsblüten,
die tagelang verschlossen ihr Geheimnis noch hüteten.
Die Luft war schon seit langem fast unheimlich mild.
Vordrängende Frühlingsblüher bestimmten das Bild.
Schneeglöckchen, Schneeglanz und Krokusse zeigten
erste Blüten. Sie eröffneten winterlos nun den Reigen
der ganzen bunten Frühlingsblumenschar
in einem vom Klima so desorientierten Jahr.
Um prächtige sattgelbe Blüten tanzen gerade beschwingt
einige Zuckmücken, die fröhlich hüpfend zwischen den Lüften sind. Weiterlesen

Januarblüten

Januarblüten

Der Januar
ist längst nicht mehr das,
was er früher mal war.
Freute man sich früher
über Frost und Schnee,
ist das, was ich mitten im Winter seh,
fast für diese Zeit viel zu bunt.
Eine zartlila Lenzrose
öffnet gerade ihren Blütenmund.
Andere aus ihrer Verwandtschaft
stehen ebenfalls voll im Saft.
So treffe ich purpurne, violette Blüten,
die mir einen wunderbaren Anblick bieten. Weiterlesen

Eisvogel

Eisvogel

Einen Eisvogel wollte ich schon
immer einmal aus der Nähe sehen.
Heute sollte dies geschehen.
Sein stahlblaues Gefieder
zeigt sich leider aus keramischem Ton.
Das wusste ich aber vorher schon.
Doch mit einer Schneekrone geschmückt
war der Anblick irgendwie verrückt.
Am Schnabel hing ein eisiger Ball,
der stand kurz vor seinem Fall –
als sei der komische Vogel auch noch verkühlt.
Die Fantasie wieder mit mir spielt.
Lassen wir diesen Eisvogel einfach zurück. Weiterlesen

Einfach nur hängen lassen

Einfach nur hängen lassen

Einfach nur hängen lassen im Wind –
die Blüten der Haselnüsse sind
oft im Januar schon pollenreif.
Doch nun kommt Frost, bringt manchmal Reif.
Da heißt es: erst einmal Pause machen.
Die nächsten milderen Brisen entfachen
erneut millionenfachen Pollenschwarm
beim kleinsten Wechsel von frostig zu warm.
Männliche Haselblüten werden Kätzchen genannt.
Wer das das zuerst machte, bleibt unbekannt. Weiterlesen

Die Wanne ist voll…

Die Wanne ist voll…

Die Wanne ist voll mit frischem dünnen Eis.
Früher war sie mal warm, manchmal sogar heiß.
Als Kind wurde ich in die Wanne gesteckt.
Trübes Wasser bald nach Kernseife schmeckt.
Ein Badezimmer gab es damals noch nicht.
Doch sauber wurde am Ende der Wicht.
Später war die Zinkwanne lange arbeitslos.
Wir Kinder erwachsen – für die Wanne zu groß.
Für die Wäsche gab es längst Elektromaschinen.
Da brauchten die Wannen nicht mehr zu dienen.
Manche wanderten in den Schrott waren dann weg
Für die restlichen ergab sich später oft neuer Zweck. Weiterlesen

Der vierte Advent

Zum vierten Advent

Alle Jahre wieder
kommt die Blütenpracht
oft in vollster Blüte
zeigt sie sich –
Freude lacht.
Lilafarbene Kränze
umschmücken die Kaktee,
Weiße Haare glänzen
fast wie gefallener Schnee.
Zuverlässig treiben Knospen
im Dezember rosig vor –
bilden Kreise am Scheitel,
wagen sich langsam empor.
Stachel wachen vor Blüten,
wehren Nähe spitz und scharf,
Jeder muss sich gut hüten,
wissen, was er hier wohl darf. Weiterlesen

Alles Möhre – oder was?

Alles Möhre – oder was?

Jetzt, wo der Winter spät und kalt
braucht man was Warmes ziemlich bald.
Heut möchte ich mir Möhren kochen.
Es gab sie nicht die letzten Wochen.
Ein Sack voll Wurzeln stand im Keller,
die kamen sonst nicht auf den Teller;
denn unsere Schafe kriegten sie:
was Gutes braucht das arme Vieh.
Futtermöhren sind die gewesen,
die als unschön waren ausgelesen.
Zu groß, zu klein, zu krumm, zu dünn
damit macht Handel kaum Gewinn.
Doch unsere Schafe ja die schwören
im Winter sehr auf solche Möhren.
Heut nehme ich mir Prachtexemplare
einfach als prima Handelsware.
Die schäl ich mir in kleine Stücke,
dass mich Gemüse bald entzücke.
Die dickste Rübe, die ich schneide,
zeigt mir ganz harte Eingeweide.<!–more–
Ich betrachte ihre inneren Werte,
die mir der Anblick so bescherte.
Der harte Kern – Zentralzylinder genannt –
lag bald als Scheibe in der Hand.
Von unten beleuchtet strahlt die Möhre
so als ob sie eine Sonne wäre.
Gelbe Flammen schießen durch Karottenrot.
Der Anblick, der sich mir hier bot,
erschien mir fast mysterienhaft –
wie eine Möhre das nur schafft.
Wenn ich dann mein Gemüse kaue
und diese Strukturen bald verdaue,
da bleibt mir dennoch diese Bild.
Meine Fantasie noch länger spielt
mit diesem Eindruck aus der Mitte
von einer Möhre nach dem Schnitte.

Frostkunstgeometrien

Frostkunstgeometrien

Es sind mal gerade drei Wochen her,
da wollten Seerosenblätter sich entfalten.
Selbst der erste Krötenhochzeitsverkehr
ließ auf Frühlingsgefühle hin schalten.
Doch zu früh gefreut, denn es wurde bitter kalt.
Primeln und Krokusblüten Opfer vom Frost
Narzissenknospen erstarrten, machten halt.
Der Winter schickte ihnen nur eisige Post.

Am Gartenteich wuchsen Kristallkonfigurationen.
In magischen Nächten entstanden gläserne Eisdecken.
Sonnenstrahlenfeuer schmolz diese Kompositionen,
um zur Nacht hin wieder Kreativität neu zu entdecken.
So entstanden stündlich Variationen von Wasserstarrheit.
Auch die Orte stärkster Schöpfung wechselten zwanglos.
Was eben beeindruckte, ist später zerflossene Vergangenheit.
Ist das irgendwie noch Kunst oder Laune der Natur bloß?

Das Potential für die Gestaltung, das Maß an Formenvielfalt
scheint grenzenlos und nicht vorhersehbar für Ort und Zeit.
Nichts zwingt Naturkräfte zum Äußersten. Schönheit bleibt kalt.
Kristalle artikulieren sich zu flüchtiger Endlichkeit.
Jeder Morgen macht neugierig. Wie hat der Zufall Struktur geschaffen?
Was für Assoziationen setzen die Eiskonstrukte bei mir frei?
Die messerscharfen Kristalllanzen werden tauend erschlaffen.
Was macht die bildende Hand des Frostes hier am Teich morgen neu?