Der vierte Advent

Zum vierten Advent

Alle Jahre wieder
kommt die Blütenpracht
oft in vollster Blüte
zeigt sie sich –
Freude lacht.
Lilafarbene Kränze
umschmücken die Kaktee,
Weiße Haare glänzen
fast wie gefallener Schnee.
Zuverlässig treiben Knospen
im Dezember rosig vor –
bilden Kreise am Scheitel,
wagen sich langsam empor.
Stachel wachen vor Blüten,
wehren Nähe spitz und scharf,
Jeder muss sich gut hüten,
wissen, was er hier wohl darf. Weiterlesen

Alles Möhre – oder was?

Alles Möhre – oder was?

Jetzt, wo der Winter spät und kalt
braucht man was Warmes ziemlich bald.
Heut möchte ich mir Möhren kochen.
Es gab sie nicht die letzten Wochen.
Ein Sack voll Wurzeln stand im Keller,
die kamen sonst nicht auf den Teller;
denn unsere Schafe kriegten sie:
was Gutes braucht das arme Vieh.
Futtermöhren sind die gewesen,
die als unschön waren ausgelesen.
Zu groß, zu klein, zu krumm, zu dünn
damit macht Handel kaum Gewinn.
Doch unsere Schafe ja die schwören
im Winter sehr auf solche Möhren.
Heut nehme ich mir Prachtexemplare
einfach als prima Handelsware.
Die schäl ich mir in kleine Stücke,
dass mich Gemüse bald entzücke.
Die dickste Rübe, die ich schneide,
zeigt mir ganz harte Eingeweide.<!–more–
Ich betrachte ihre inneren Werte,
die mir der Anblick so bescherte.
Der harte Kern – Zentralzylinder genannt –
lag bald als Scheibe in der Hand.
Von unten beleuchtet strahlt die Möhre
so als ob sie eine Sonne wäre.
Gelbe Flammen schießen durch Karottenrot.
Der Anblick, der sich mir hier bot,
erschien mir fast mysterienhaft –
wie eine Möhre das nur schafft.
Wenn ich dann mein Gemüse kaue
und diese Strukturen bald verdaue,
da bleibt mir dennoch diese Bild.
Meine Fantasie noch länger spielt
mit diesem Eindruck aus der Mitte
von einer Möhre nach dem Schnitte.

Frostkunstgeometrien

Frostkunstgeometrien

Es sind mal gerade drei Wochen her,
da wollten Seerosenblätter sich entfalten.
Selbst der erste Krötenhochzeitsverkehr
ließ auf Frühlingsgefühle hin schalten.
Doch zu früh gefreut, denn es wurde bitter kalt.
Primeln und Krokusblüten Opfer vom Frost
Narzissenknospen erstarrten, machten halt.
Der Winter schickte ihnen nur eisige Post.

Am Gartenteich wuchsen Kristallkonfigurationen.
In magischen Nächten entstanden gläserne Eisdecken.
Sonnenstrahlenfeuer schmolz diese Kompositionen,
um zur Nacht hin wieder Kreativität neu zu entdecken.
So entstanden stündlich Variationen von Wasserstarrheit.
Auch die Orte stärkster Schöpfung wechselten zwanglos.
Was eben beeindruckte, ist später zerflossene Vergangenheit.
Ist das irgendwie noch Kunst oder Laune der Natur bloß?

Das Potential für die Gestaltung, das Maß an Formenvielfalt
scheint grenzenlos und nicht vorhersehbar für Ort und Zeit.
Nichts zwingt Naturkräfte zum Äußersten. Schönheit bleibt kalt.
Kristalle artikulieren sich zu flüchtiger Endlichkeit.
Jeder Morgen macht neugierig. Wie hat der Zufall Struktur geschaffen?
Was für Assoziationen setzen die Eiskonstrukte bei mir frei?
Die messerscharfen Kristalllanzen werden tauend erschlaffen.
Was macht die bildende Hand des Frostes hier am Teich morgen neu?

Mangoldreif

Mangoldreif

Nicht viel Gemüse überlebt,
wenn Frost sein Eis im Winter webt.
Den Sellerie kneift Kälte kaum.
Für Melde ist längs aus der Traum.
Der Grünkohl zeigt sich frisch im Blatt.
Ihn macht der Winter selten matt.
Was mich schon wundert, ist der Mangold –
eine Pflanze blieb, eher ungewollt,
im Beete stehen einsam verwaist.
Jetzt war ihr Outfit kühl vereist.
Die letzte Nacht brachte viel Reif.
Der Boden fror im Froste steif.
Heut trägt der Mangold zartes Kleid
von eiskristalliner Kostbarkeit. Weiterlesen

Körnerfresser

Körnerfresser

Jeden Tag meist zur gleichen Zeit
mach ich mich wieder zum Füttern bereit.
Der Hühnerstall liegt ein paar Schritte vom Haus.
Ich laufe zum Stall immer nur geradeaus.
Vom Federvieh werde ich gackernd empfangen
Denn da werd ich ins Kornfass tief hinein langen,
um dann Getreide weit zu verstreuen.
Hastiges Picken wird mich dann wohl erfreuen.
Da kein Mangel herrscht, fehlt jeder Futterneid.
Alle Hühner fressen voller Zufriedenheit.

Doch da sind noch zwei Haustiere der besonderen Art,
ein älterer Ganter, den das Schicksal traf hart.
Vor Jahren verlor er seine Frau durch Fuchsattentat
Eine Virus raubt ihm ein Auge – so dass er eines nur noch hat.
Den Theo füttere ich. Er meldet sich sehr laut.
Er wird erst wieder ruhig, wenn er Körner schnell kaut. Weiterlesen

Vom Eise befreit

Vom Eise befreit

Tief beschneit liegt alles dar.
Reif verzuckert Knospenspitzen.
Schneidend kalt, die Luft klirrt klar.
Frost sticht in die letzten Ritzen.

Alles Leben scheint erfroren.
Mäuse kriegen rote Ohren.
Pflanzen halten strengste Ruh,
denn der Winter deckt sie zu.

Horch, was gurgelt, flüstert leise
unter mächtig starkem Eise
plätschert helle Melodie
klare Töne – hörst du sie? Weiterlesen

Harte Zeiten

p1180410Harte Zeiten

Seit Tagen klirrt die Luft gefroren.
Vom Schnee ein Rest der wirkt verloren.
Laubbäume harren gänzlich nackt
Bei Sternenklarheit richtig sackt
im Januar die Temperatur –
harte Zeiten für die Natur.
Der Maulwurfhaufen nun felsenhart,
kein Vogel mehr am Boden scharrt.
Den Teich verschließt längst dickes Eis
Schneegriesel färbt die Haut zart weiß.
Was macht ein Regenwurm im Winter?
Da komme ich noch rasch dahinter.
Er vergräbt sich tiefer in die Erden
hat frostfrei weniger Beschwerden.
Dort unten ruht er sich dann aus –
verlässt für Wochen nicht sein Haus.
Die Milben können so nicht flüchten.
Acht Beine können´s nicht verrichten.
Damit ihr Gewebe nicht vereist,
die Lösung Frostschutzmittel heißt. Weiterlesen