Morbides Flair

Morbides Flair

Gerade in schneelosen Winterzeiten
da bereiten
einige übertote Gartenreste
überraschende Augenfeste.
Fein skelettierte Pappelblätter
durch gnadenloses, feuchtes Wetter
liegt am Boden – es fällt etwas Licht,
das sich durch poröses Laubwerk bricht.
Nun stehe ich vor einer Blumenrabatte,
die vor Monaten buntestes Leben hatte.
Gebrochene Stängel neben verwirkten Samen
zeigen: Zersetzung kennt kein Erbarmen. Weiterlesen

Der Boden isst

Der Boden isst!

Am Ende stürzt die Frucht vom Baum.
Auch endet nun der Blätter Traum,
sich endlos weich im Wind zu wiegen.
Vom Zweig gebrochen viele liegen
als Gefallene im gemeinsamen Verbund.
Boden nimmt alles in seinen Mund.
Diese Streuschicht die verschlingt er bald.
Alles Abfällige lässt ihn nicht kalt.
Was hier die Erde reichlich bedeckt,
verschiedenen Essern richtig gut schmeckt.
Zwar holen Vögel sich noch von den Früchten,
die schimmelnd schon ins Jenseits flüchten.
Auch Ratten wittern ein Abendessen,
haben nagend vor den Quitten gesessen.
Doch nun kommt das Zersetzerkollektiv –
so mancher hat seinen Gesellenbrief
im Shreddern, Raspeln oder Schneiden. Weiterlesen

Die weiteren Leben

Die weiteren Leben

Warum der tote Baum hier liegt –
wohl niemand eine Antwort gibt.
War es der Sturm, der ihn zerbrach?
Oder kam der besondere Tag,
an dem durchforstet dieser Wald
mit Motorsäge fiel er bald.
Dieser Baum war höchstens mittelalt,
als solch ein Schicksal für ihn galt.
So tot, wie er als Baum nun war,
kam neues Leben – was dann geschah
hat vielen erst die Chance gegeben
im morschen Stamm für sich zu leben.
Das Leichenholz ist begrünt vom Moos.
Auch sonst ist sichtbar hier viel los.
Es sprießen Pilze in großer Zahl
Ihr Name ist mir ganz egal.
Würd ich den Stamm gut untersuchen,
fänd ich in solchen Totholzbuchen
eine große Schar von Kleingetier: Weiterlesen

Das alte Blatt

Ein altes Blatt

Ein altes Blatt wehte der Wind
so ganz geschwind
ins Haus hinein.
Es sollte so sein.
Da lag es nun ganz regungslos
Kein Hauch gab ihm einen weiteren Stoß,
um durch die Welt zu treiben,
mit anderen Blättern sich zu reiben.
Was mach ich mit dem Blatt?
Findet der Abtransport jetzt statt?
Werfe ich das welke, braune Stück
in die Außenwelt einfach zurück?
Es kann so nicht liegen bleiben.
Wir beide müssen voneinander scheiden.
Hier bleibst du einfach unschöner Schmutz.
Der nächste Zimmerputz
wird dich abfällig bald entsorgen.
Dir bleibt kaum Zeit bis morgen.

Wenn ich dich in den Garten bringe,
verändern sich schnell viele Dinge. Weiterlesen

Renaturierung

Renaturierung

Ein Baumstamm, zersägt und portioniert
am Ende dann zum Zaunpfahl wird.
Damit das Viehzeug nicht ausbricht,
macht Stacheldraht die Weide dicht.
Am Anfang ist der Pfahl ganz nackt,
bis die Natur ins Schicksal packt.
In Wind und Wetter nach vielen Tagen
fängt die Zersetzung an zu nagen.
Verwittert zeigt das Holz bald Risse
Manch Vogel hinterlässt hier Schisse.
Krempen aus Eisen rosten im Regen.
Doch Moose und Flechten bringen Segen.
Sie wachsen über morschigen Grund.
Der Weidepfahl wird lebensbunt. Weiterlesen

Faules Ende

Faules Ende

Der Kürbis ist eine Beerenfrucht,
die wirklich seinesgleichen sucht.
Er rankt sich forsch durch seine Welt.
und was ihm besonders gut gefällt,
ist wohl ein Platz ganz in der Sonne
nur unweit von der Regentonne.
Die Pflanze hat enorm Appetit –
Ein Komposthaufen hält sie fit.
Da spreitet sie die rauen Blätter.
Die gelben Blüten kommen später.
Doch was am meisten imposant:
die Früchte, Beeren wohl genannt.
Hunderte Sorten zierlich bis phänomenal
Beim Kürbisfest fällt schwer die Wahl.
Wer ist der schwerste, welcher schmeckt
am besten, wenn man zu Tische deckt.

Ende Januar sind die Kürbisse weg.
Sie erfüllten zuvor so manchen Zweck.
Halloween brachte ihnen lustige Gesichter.
Innen brannten des öfteren Kerzenlichter.
Zu Erntedank waren sie die Stars beim Fest.
Danach der Hype immer mehr nachlässt. Weiterlesen

Ein Kirschenblatt

Ein Kirschenblatt

Ein Kirschenblatt
liegt platt
im Gartenteich.
Sogleich
kommen Schnecken
aus allen Ecken
raspeln mit scharfer Zunge
das nicht mehr ganz so junge
Teil vom Kirschengeäst
ein Schlemmerfest
für Schlamm- und Tellerschnecke.
Auf der Kirschblattdecke
liegt überall Kot:
Zeichen fehlender Hungersnot.
Vom Blatt wird nicht viel bleiben
durch Einverleiben.
Viele Tiere fressen
gern beim Falllaubessen.
Alles Gewebe, alle Haut
werden verdaut. Weiterlesen

Ende einer Zitrone

Ende einer Zitrone

Was da heute vor mir liegt
wenige Gramm gerade noch wiegt,
ist ein Zitronenkadaverrest,
der so nicht mehr vermuten lässt,
dass diese Frucht fast vor einem Jahr
ein Inbegriff von Frische war.
Neben Malta ist Gozo gelegen.
Eines Verwandtschaftsbesuches wegen
verweilte ich auf diesem Inselort,
war ein paar Tage gerne dort.
Gozo war damals ziemlich grün.
Nach Herbstregen begann es zu blühn.
Zitrusfrüchte leuchteten weit
waren zum Ernten reif bereit. Weiterlesen

Fladenmetamorphose

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Als Plenter fiel er auf die Weide
so ganz nach unserer Kühe Art.
Nähe zum Fladen ich vermeide.
Solch Exkrement Interesse spart.
An Sommertagen tausend Fliegen
bedienen sich am braunen Brei.
Sie können kaum genügend kriegen.
Die ersten Fladen gibt´s im Mai.
Heut überrascht mich dieser Haufen.
Er trägt ein Silberhaartoupet.
Die Strähnen kreuz und quer verlaufen
Vom Fladen kaum ich noch was seh.
Der Haufen Kot ein Garten Eden
hier quirlen Pilze im Rekord. Weiterlesen

Schimmelkreise

p1150790Schimmelkreise

Als ich zuletzt die Quitte sah,
war sie fast gelb – der Reife nah.
Der September neigt dem Ende sich.
Da erlebt die Frucht wohl einen Stich.
Wie das geschah, bleibt unbekannt.
Auf irgendeine Weise fand
ein kleiner Pilz wohl eine Lücke.
Sie diente ihm zum großen Glücke.
Im Quittenfleisch lebt es sich gut.
Da wächst rasant die Pilzebrut.
Die fühlt sich wie im siebten Himmel
Jetzt explodiert wahrhaft der Schimmel.
Quitte bekommt eine braune Backe.
Ist erst nur eine Schönheitsmacke.
Verfault wird bald die halbe Frucht.
Der Schimmel jedoch alles sucht. Weiterlesen