Lauter Früchte

P1120905Lauter Früchte

Der hohe Strauch hängt rappelvoll.
Die Früchte scheinen reif und prall.
Doch niemand will sie ergreifen.
Das Sonnenlicht schien Tage toll,
dass Mispeläpfel goldig glänzen.
Laue Winde kosend streifen
und Himmelblau kennt keine Grenzen.
Blätter mussten Abschied feiern
verklumpen feucht im Untergrund.
Ein paar wollen noch Grün erneuern
aus frischem späten Knospenmund.
Die Früchte wirken so auf mich:
als bestellt aber nicht abgeholt.
Kein Hungervogel interessiert sich.
Die Frucht bleibt unbegehrt und ungewollt.
Die letzten Boskoop schauen verbissen,
sind fast schon gänzlich ausgehöhlt.
Ihnen wird das Fleisch herausgerissen.
An Schnabelhieben es nicht fehlt.
Die Mispelfrucht findet keinen Gefallen
Sie bleibt von Bissen unverletzt. Weiterlesen

Novemberfeuer

P1120854Novemberfeuer

Als hätte ein Emil Nolde seinen Pinsel geschwungen –
am Himmel lauter feurige Wolkenzungen-
im späten Novembernachmittagshimmelsbild
da tanzten Farben ekstatisch als wild.
Der Tag begann ganz windlos bis frosteisig kalt,
schleiernde Nebel umschlangen den Rest vom Wald.
So wie die Sonne über den kahlenden Bäumen stand,
den zuckerreifen Glanz der Brennnesseln überwand,
da wurde der dritte Novembertag spätherbstlich schön.
Es gab am welken Gartenteich noch einmal Tanzstunden zu sehen.
Mosaikjungfern nutzten die Gunst der wunderwarmen Stunde
zu mancher liebestrunkenen Kopulationsrunde.
Eier wurden später an die blassen Wasserpflanzen gelegt.
Ein Schauspiel, das immer wieder von Neuem bewegt. Weiterlesen

Auf der Straße gelandet

P1120835Auf der Straße gelandet

Über Nacht lag es da.
Keiner weiß, wo es vorher war
Novemberfrost hat es vereist
kurz, nachdem es verreist.
Es hat nicht mehr viel vor,
seitdem es jeglichen Halt verlor
Vom Winde orientierungslos verweht
das Schicksal hier weiter geht.
Vielleicht, um in der Gosse landen?
Auch andere Blätter fanden
ihre verletzte Ruhe dort,
fuhren gemeinsam zu einem Ort,
wo sie all ihre Strukturen verlieren
beim kommunalen Kompostieren.
Vielleicht ,wenn der Wind günstig weht,
auch noch etwas anderes geht. Weiterlesen

Reifliche Überlegungen

ReiflichesReifliche Überlegungen

Novembernächte tief vernebeln.
Nasse Luft will uns fast knebeln
Licht entschwindet ganz diffus.
Ein jedes spürt den kalten Kuss.
Wenn sich der Dunst ganz spät noch löst,
Das Wasser fein zu Boden stößt,
Wie Klarheit Kälte mit sich bringt,
der frühe Tau als Raureif blinkt.
Kristalle wachsen ganz wie Zauber
Erscheinen diamantensauber
Mit völlig unverletzten Spitzen,
die hoch auf Blätternerven sitzen.
Die Reifeshaut zieht maskengleich
Starr über Rosengesichter.
Was vorher noch gewebeweich,
Ist eishart voll Lichter.
Die Morgensonne spiegelt grell –
Das Reifliche erstrahlt so hell. Weiterlesen

Jagdaussetzer

StockentenJagdaussetzer

Wenn ich es zeitlich richtig checke,
Bringt Mann wohl Enten grad zur Strecke.
Rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest
Manch Schnattertier sein Leben lässt.
November kalt mit Abendrot
Da knallt die Luft bald voller Schrot.
„Vom Himmel hoch da komm ich her
Ich bring die Entenbrust und mehr.“
Da waren viele Jägersleut,
die solch ein Schießen hoch erfreut.
Von hundert Enten nur geschätzt
War wohl die Hälfte ausgesetzt.
Zuchtenten kamen im schönen Mai
In großer Zahl plötzlich herbei.
Mit Erbsen, Mais und Weizenkorn
haben Menschennäh sie nie verlorn.
Sie bleiben ihm und Teich so treu;
Denn Futter gibt es täglich neu.
Das Entenvolk wird gut ernährt,
bis es die Wahrheit spät erfährt. Weiterlesen

Zwei Spitzschlammschnecken

SpitzschlammschneckenZwei Spitzschlammschnecken

Zwei Spitzschlammschnecken auf dem Blatt
Die fressen sich an Algen satt.
Sie sind der Wasserwelt entflohn
Ein Trockenurlaub ist ihr Lohn.
Nebelfeuchte Novembertage
Versetzen die Tiere in die Lage,
die Lungen luftig aufzufüllen
Sauerstoffhunger lässt sich stillen.
Die meiste Zeit seh ich sie gleiten.
Sie brauchen manchmal Ewigkeiten,
das andre Ufer zu erreichen –
im Schneckentempo ohne gleichen. Weiterlesen

Blattgold

AhorngoldBlattgold

So monoton grün waren die Blätter
Im Frühlings- und im Sommerwetter.
Der Ahorn braucht sein Chlorophyll
Photosynthese bleibt das Ziel.
So sammelt er für sich die Kraft,
die Wachstum immerzu dann schafft.
Im Herbst da endet die Saison.
Das Sonnenlicht sinkt früher schon.
Die Nächte länger und taukalt
Erwarten ersten Raureif bald.
Der Ahorn wechselt sein Gesicht
Gelbgolden strahlt er nun im Licht. Weiterlesen